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Fliegen statt Bahnfahren? Wir checken die Mitflugzentrale "Wingly"

Mitfahrzentralen kennt jeder, jetzt gibt es die Idee auch fürs Flugzeug. Lars aus Weißenthurm hat "Wingly" erfunden - wir haben die Mitflugzentrale getestet.

Die Idee hatte Lars Klein aus Weißenthurm bei Koblenz: Mit Freunden entwickelte er die Mitflugzentrale. Die Idee: Piloten teilen ihre Kosten für Sprit, Landegebühren und Flugzeugmiete mit ihren Passagieren.

Buchung

Über die Website von "Wingly" kannst Du Flüge suchen und auswählen. Die Piloten geben dort an, wie viele Flugstunden sie haben und mit welcher Maschine sie fliegen. Außerdem gibt es ein Bewertungssystem in beide Richtungen, also für Piloten und Passagiere. Wenn Du buchen willst, musst Du Dich registrieren und kannst dann den Piloten über ein Kontaktformular direkt anschreiben.

Kosten

Im Moment sind in Deutschland gut 1000 Piloten auf "Wingly" registriert. Sie bieten Rund- und Streckenflüge an. Das kostet etwa ab 60 Euro aufwärts. Die Macher von Wingly verdienen, so Lars Klein, noch kein Geld mit ihrer Mitflugzentrale. Langfristig soll sich das ändern: "Wir wollen irgendwann ab dem Sommer 10% Provision nehmen. Ob vom Piloten, oder vom Passagier oder beiden, wissen wir aber noch nicht."

Flug

Anders als Linienflüge mit großen Airlines gibt es auf "Wingly" keine festen Flugpläne. Flüge mit Kleinflugzeugen sind stärker vom Wetter abhängig - es kann also auch mal passieren, dass ein geplanter Flug ausfällt. Außerdem haben die vielen kleinen Flugplätze wie Winningen bei Koblenz Öffnungszeiten und nicht alle Piloten eine Lizenz für Nachtflüge.

Gepäck

Kleinflugzeuge haben bestimmtes Maximalgewicht. Das heißt, der Pilot muss das Gewicht der Passagiere, des Gepäcks und des Treibstoffs genau berechnen. Deshalb musst Du vor einem Flug mit "Wingly" nicht nur möglichst genau Dein Gewicht angeben, sondern auch wie schwer und groß Dein Gepäck ist. Der Kofferraum in Kleinflugzeugen ist winzig - also nichts für den großen Reisekoffer, eher für einen kleinen Rucksack.

Tipps zur Sicherheit

Unser Pilot Matthias sagt: "Flieg niemals mit, wenn Du ein schlechtes Bauchgefühl hast!" Ein guter Eindruck vom Piloten ist wichtig. Wenn Du Dir unsicher bist, lass Dir das Flugbuch des Piloten und das Wartungsbuch des Flugzeugs zeigen.

Jeder Pilot muss vor dem Abflug seine Maschine gründlich checken: von den Tragflächen über Reifen und Motoröl bis zum Propeller. Wenn du am Flugzeug eine Macke oder fehlende Schraube entdeckst, frag nach! Um Streckenflüge anzubieten, verlangt "Wingly" von den Piloten mindestens 100 Flugstunden.

Ist Wingly legal?

Seit Anfang 2016 erlaubt das Luftfahrtbundesamt, Kosten bei Flügen mit Kleinflugzeugen zu teilen. Voraussetzung: Der Pilot darf nicht weniger zahlen als seine Mitflieger, also kein Geld verdienen.

Bevor Wingly in Deutschland an den Start gegangen ist, gab es die Mitflugzentrale bereits in Frankreich. Dort gab es am Anfang Stress mit kommerziellen Anbietern von Flügen, sagt Lars. Das habe sich aber geklärt, weil Wingly nachweisen konnte, dass die Piloten keinen Profit machen. "Mit Klagen von großen Airlines wie der Lufthansa rechnen wir nicht", sagt Lars.

Stand: 23.06.2016 Autor: Eva-Maria Senftleben