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Trierer Flüchtling: Wir dachten, Deutschland sei das Paradies

Shekho ist vor dem Krieg in Syrien geflüchtet. Doch als er in der Aufnahmeinrichtung in Trier ankommt, ist die so überfüllt, dass es sich fast anfühlt wie im Kriegsgebiet.

Shekho ist Mitte 20 und studiert Soziologie in seinem Heimatland Syrien, bis der Krieg ihn und seine Familie zur Flucht zwingt. Er schafft es mit seiner Familie nach Trier - und fühlt sich hier fast wieder wie im Kriegsgebiet. Als er vor zwei Wochen ankommt, ist die Erstaufnahmeeinrichtung in der Dasbachstraße so überfüllt, dass die Flüchtlinge mit Hochbetten und Matratzen auf die Gänge oder in Not-Zelte auf dem Gelände ausweichen – manche schlafen sogar unter freiem Himmel.

Als wir Shekho Mitte der Woche treffen, schläft er immerhin in einem Zelt, aber das steht inmitten von Dixi-Klos. Er sagt, dass er in der Einrichtung wegen der Überfüllung nicht duschen kann. Shekhos Situation ist eine Momentaufnahme, aber kein Einzelfall. Ein Eindruck, wie Flüchtlinge in den vergangenen Wochen in der der Erstaufnahmeeinrichtung in der Dasbachstraße gelebt haben.

Notquartiere in anderen Städten sollen die Situation entspannen

Vor einer Woche hat die Landesregierung damit begonnen, Flüchtlinge in Notquartieren unterzubringen, um die Situation zu entspannen. Viele sind mittlerweile in Zelten in Hermeskeil oder am Flughafen Hahn untergekommen, und auch in Bitburg, in Trier-West und anderswo gibt es Platz. Auch anderswo sollen Einrichtungen entstehen. Laut Landesregierung hat jeder Flüchtling mittlerweile ein Bett und ein Dach über dem Kopf. Wenn immer noch Flüchtlinge draußen schlafen, tun sie es freiwillig – sagen die Behörden.

Viele Flüchtlinge kommen mit nichts

Trotzdem bleibt die Situation schwierig. Denn viele Flüchtlinge haben nur das Nötigste bei sich. Vielen fehlen Zahnpasta und Duschzeug. Zumindest in der Einrichtung in der Dasbachstraße scheint außerdem die medizinische Versorgung an nicht gut zu laufen. Flüchtlinge und Helfer erzählen von langen Schlangen und Wartezeiten und teils angespannten Situationen, die auch zu schon zu Aggressionen führten. Und dass so viele Nationen auf engstem Raum zusammenleben, macht die Situation nicht entspannter.

Freiwillige wollen zusätzlich helfen

Die Mitarbeiter der Aufnahmeeinrichtung arbeiten schon am Limit. Deshalb finden sich in Trier immer mehr Freiwillige zusammen, die den Flüchtlingen direkt und unbürokratisch helfen wollen. Einer von ihnen ist Lorenz. Er engagiert sich in der Gruppe „Refugees Trier private support“. Unter anderem packen sie Flüchtlingen Koffer mit dem, was sie am dringendsten brauchen.
Außerdem wollen die Helfer Sprachkurse und Dolmetscher organisieren, mit Informationstafeln helfen und auch medizinisch. Denn viele Flüchtlinge verstehen zum Beispiel die deutschen Formulare nicht, die sie in der Aufnahmeeinrichtung für ihr Asylverfahren bekommen. Und sie verstehen nicht, wohin sie von den Behörden geschickt werden und ob und wann sie sich einen Job suchen dürfen.

Forderung an die Politik: Das muss schneller gehen!

In den kommenden Wochen soll es weitere Treffen der ehrenamtlichen Helfer in Trier geben. Auch die Stadt will sich beteiligen und eine Internetseite mit Informationen für Flüchtlingshelfer anbieten. Helfer Lorenz fordert von der Politik, die Aufnahme- und Asylverfahren unbürokratischer und schneller zu machen, damit es den Flüchtlingen besser geht.
Und Shekho hofft, dass er und seine Familien bald aus dem Zelt in der Dasbachstraße in eine feste Unterkunft kommen. Am liebsten will er sein Studium in Deutschland beenden und sich hier eine Zukunft abbauen, die er in Syrien nicht hat.


Stand: 21.08.2015 Autor: Jan Horst Günter