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Naim und Mohammed aus Trier kicken gegen ihr Trauma

In ihrer Heimat und auf der Flucht haben sie Menschen leiden und sterben sehen. Beim Fußball in Trier können Mohammed und Naim das alles für einen Moment vergessen.

Flüchtlinge spielen Fussball /// Copyright DASDING

"Ich habe gesehen, wie Menschen geschlagen, wie Menschen getötet worden sind," sagt Mohammed aus Trier. Mit 14 Jahren ist er aus seinem Somalia geflohen. Aus Angst um sein Leben, weil immer wieder Menschen verschleppt worden sind. Sechs Jahre später ist er in Trier angekommen.

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Naim ist von Damaskus nach Deutschland geflohen. Den größten Teil der Strecke lief er zu Fuß, sagt er. Er ist vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen, in dem Cousins und Freunde von ihm getötet wurden.

Mohammed und Naim sind zwei von hunderten Flüchtlingen in der Trierer Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende.

"Fußball macht den Kopf frei"

Die Bilder von ihrer Flucht verfolgen Mohammed bis in seine Träume: Auf einem völlig überfüllten Boot auf dem Mittelmeer, ohne Essen, ohne Trinken, immer in der Angst, dass das Boot kippt.  

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Ablenkung finden Mohammed und Naim beim Fußball. Sie haben schon als Kind auf der Straße gespielt, und Mohammed hat viele Wettbewerbe gewonnen. In Deutschland können sie endlich wieder spielen. Trainer aus Trier trainieren die Flüchtlinge ehrenamtlich und organisieren Spiele gegen Mannschaften aus der Region. "Fußball macht den Kopf frei", sagt Mohammed. Und es verbindet Menschen, egal welche Sprache sie sprechen.

Nach der Flucht und vor einer ungewissen Zukunft

Die Idee zum Fußballprojekt hatte unter anderem Henri Major. Er trainiert sonst einen Verein in Trier-Ehrang. Und jetzt noch zwei Mal pro Woche mit den Flüchtlingen, ehrenamtlich. Henri Major will ihnen helfen, sich vom womöglich eintönigen Alltag in der Aufnahmeeinrichtung und ihren oft schlimmen Erfahrungen von daheim und von der Flucht abzulenken.

Krieg und Angst liegen erst mal hinter den Flüchtlingen. Vor ihnen aber liegt immer noch Ungewissheit. Darüber, wie lange sie in Deutschland bleiben und wann sie wieder in ihre Heimat zurückkehren können – und darüber, wie es ihren Familien und Freunden dort geht. Mohammed sagt: "Ich hatte Glück. Aber Freunde von mir sind bis heute vermisst."

Das einzige, was für die beiden Trierer Flüchtlinge im Moment feststeht: Der Ball ist rund und ein Spiel dauert 90 Minuten.



Flüchtlinge spielen Fussball /// Copyright DASDING
Stand: 30.06.2015 Autor: Jan Horst Günter