1. Burger Festival Karlsruhe 2017 (Foto: imago/Westend61)

Lifestyle Facebook Burger Festivals in Karlsruhe, Stuttgart und Co.: Alles nur Fake?

Bei Facebook überschlagen sich die geilsten Burgerveranstaltungen für den Sommer! Sexy Namen locken tausende Zusagen. Aber was steckt wirklich dahinter?

Es klingt alles total toll: Bei Facebook häufen sich Veranstaltungen, die dir den Traum vom besten Sommer deines Lebens erfüllen könnten. Jeder hat Bock auf ein "Burger Festival" im Freien. Stell dir das nur mal vor! Yummmmmm! Um die 10.000 Facebook-Nutzer sind an den jeweiligen Veranstaltungen schon interessiert. Doch guckt man sich die Veranstaltungen etwas genauer an, dann scheint das Ganze doch etwas dubios!

Was ist an den Veranstaltungen merkwürdig?

Nehmen wir mal diese Veranstaltung als Beispiel:

Burger Festival in Karlsruhe klingt super! Über 9.000 Leute haben schon auf "interessiert" geklickt. Über 1000 Leute haben schon fest zugesagt. Datum steht: 29. bis 30. Juli 2017 in Karlsruhe. Ohne sich genau anzuschauen, was da eigentlich stattfindet, klickt jeder bei dem leckeren Burgerbild + Veranstaltungstitel auf Interesse. Wer hat auch kein Interesse an einem geilen Burger Festival?!

Aber WO findet das Ganze denn eigentlich statt? Und WER ist der Veranstalter? Als Gastgeber der Veranstaltung ist die "Street Food Crew" auf Facebook verlinkt.

Alles erst mal nicht verwunderlich. Die Crew selbst schreibt auf ihrer Facebookseite: "Wir organisieren deutschlandweit die größten Street Food Festivals." Auf ihrer Seite gibt es allein 17 verschiedene Burgerveranstaltungen in ganz Deutschland und auch Österreich. Im Impressum geben sie einen Namen mit Adresse in Augsburg an. Außer der Facebookseite gibt es aber im Netz nirgendwo Hinweise auf eine solche Street Food Crew in Augsburg. Dafür, dass sie deutschlandweit die größten Street Food Festivals organisieren, ist ziemlich wenig über sie zu finden.

In Augsburg gibt es zwar eine Veranstaltung namens "Street Food Augsburg", die hat aber nichts mit der angegebenen Street Food Crew zu tun.

"Alles nur Fake!"

Einer der drei Veranstalter von Street Food Augsburg, Kinan Salameh, regt sich über die Street Food Crew auf: "Das ist alles nur Fake! Für uns ist das schädigend. Wir veranstalten zwei Mal im Jahr "Street Food Augsburg" und die Leute sind verwirrt von den ganzen Facebook-Veranstaltungen. Die denken, wir haben da irgendwas mit zu tun, dabei finden die nie statt."

"Ich kenne den. Das Impressum ist falsch."

Kinan verrät uns, dass er die Person kenne, die gemeinsam mit ein paar Freunden hinter den "Fake-Veranstaltungen" stecke. Laut ihm sei das Impressum auf der Fanpage falsch. "Das ist ein Fakeimpressum mit falschem Namen." Er erzählt auch, dass die schon mehrere falsche Veranstaltungen auf Facebook gemacht hätten. Zum Beispiel auch "Movies + Chill" oder "Whirlpoolopenairs". Die haben auch nie stattgefunden. "Es wäre ja cool, wenn sie die Sachen wirklich auf die Beine stellen. Aber bislang kam da nie was."

Statement vom Veranstalter

Auf mehrere Anfragen hin, hat sich die Street Food Crew zuerst nicht zu unseren Fragen geäußert. Auf die versprochene Pressemitteilung warten wir immer noch.

UPDATE: Die Street Food Crew würde momentan umstrukturieren. Sie wissen also noch nicht, welcher jeweilige Veranstalter für welches Festival zuständig sein wird. Das heißt indirekt, dass sie die Festivals gar nicht selbst durchführen wollen. Zum Vorwurf, dass das Impressum ein Fake wäre, möchte sich die Street Food Crew nicht äußern.

Otto Gebhardt, Geschäftsführer von Walhalla Events & Concerts, bestätigt zwar, dass sie von der Street Food Crew wegen eines Events kontaktiert worden wären, aber er halte das Ganze für nicht realisierbar. Er fände auch die Vorgehensweise, dass man erst Werbung für eine Veranstaltung macht und dann erst mit der Planung beginnt, für sehr ungewöhnlich. Vor allem weil es sehr schwer wäre, für solche Events Genehmigungen von der Stadt zu bekommen.

Fake-Veranstaltungen sind nichts Neues

Auch im letzten Jahr gab es viele Facebook-Veranstaltungen, die unseren Sommer zum schönsten unseres Lebens gemacht hätten. Wenn sie denn stattgefunden hätten! Zum Beispiel "Stuttgarts erstes Ice Cream Festival" von "Inside Events Germany".

Auch darüber haben wir im letzten Jahr berichtet und nie ein Statement vom Veranstalter bekommen. Es war ein ähnliches Spiel: Ice Cream Festivals waren auf Facebook für ganz Deutschland geplant. Beim Stadtamt Karlsruhe zum Beispiel lag nicht einmal ein Antrag für ein solches Event vor. In ihrer Veranstaltung vom letzten Jahr, wurde das Event kurzfristig abgesagt: "Dafür gibt es mehrere Gründe, wie keine passende Location, organisatorisches aber auch die Unsicherheit mit dem Wetter, was viele Veranstalter davon abgehalten hat, mit uns zu kooperieren. [...] Dafür laden wir euch herzlich zum Frankfurter Ice Cream Festival ein."

Flohmarkt mit "vier bis fünf Eiswagen"

Das Frankfurter Ice Cream Festival hat tatsächlich auf dem Parkplatz bei IKEA Nieder-Eschbach statt gefunden. Allerdings war es weniger etwas, "was mit Street Food Festivals oder ähnlichen Formaten vergleichbar ist, sondern eine eher kleinere Veranstaltung, die dort zeitgleich zu einem Flohmarkt stattgefunden hat", erzählt Chantal Gilsdorf von der IKEA-Pressestelle. Laut ihren Kollegen, wären es "vier bis fünf" Eiswagen gewesen.

So erkennst Du Fake-Veranstaltungen:

Warum gibt es überhaupt Fake-Veranstaltungen?

Social Media-Experte Felix Beilharz erklärt: "Der Sinn dahinter ist wahrscheinlich einfach Adressen einzusammeln. Also es gibt erste Beispiele, wo dann Links gepostet werden, zu Gewinnspielseiten. Also einfach als Adressgenerierungsmasche."

Wer sich zu diesen Gewinnspielen anmeldet, der gibt seine Adresse an und die Adressdaten können dann verkauft werden. "Das sind teilweise einfach Einzelpersonen, die dann damit Geld verdienen wollen oder irgendwelche unseriösen GmbHs. [...] Es mag auch echte Eventveranstalter geben, das will ich gar nicht ausschließen, bloß nach jetzigem Zeitpunkt sieht alles eher nach Fake aus!"

Eine andere Möglichkeit ist, dass die Events auf Facebook später als ganzes Konzept an Investoren oder Eventmanager verkauft werden sollen. Nach dem Motto "Schau mal, wie viele Interessenten es dafür schon gibt". Je mehr Zusagen in der Facebook-Veranstaltung, desto höher die Attraktivität des Events. Wäre ja schön, wenn die Festivals so dann wenigstens stattfinden könnten.