vor Ort Freiburg Unglaublich: Eine Hausarbeit - drei verschiedene Noten!

Ziemlich krass: Oskars Arbeit wurde von einem Korrektor mit fünf, von einem anderen mit neun Punkten bewertet. Am Ende hat er acht Punkte bekommen. Wie das passieren konnte und warum das ein echtes Problem ist, hat er uns erzählt.

Oskar hatte seine Arbeit zweimal abgegeben. Das erste Exemplar hatte Oskar per Post geschickt. Weil die Post ihm aber mitgeteilt hat, dass sie die Arbeit nicht zustellen konnte, gab Oskar sie nochmal persönlich ab - mit dem Hinweis, dass es sein könnte, dass die Uni die Arbeit jetzt doppelt habe.

Ein Fehler bei der Registrierung, sagt die Uni

Normalerweise wird das bei der Registrierung der Arbeiten bemerkt, sagt die Uni. In dem Fall sei aber ein Fehler passiert. Das bedauert die Uni und sagt, sie wolle das Verfahren überarbeiten.

Für Oskar zeigt dieser Fehler aber ein ganz anderes Problem: Der Ermessensspielraum der Korrektoren ist zu groß. Es gibt zwar Musterlösungen, an denen sie sich orientieren, aber die sind nicht ausführlich genug, kritisiert er.

Viele fühlen sich ungerecht benotet - schlampen manche Korrektoren?

Und mit dieser Meinung ist er nicht alleine. Nachdem Oskars Fall erstmal bekannt wurde, hat er jede Menge Mails und Kommentare von anderen Studierenden bekommen, die seine Meinung teilen.

Ein Problem bei der Bewertung ist womöglich auch, dass die Korrektoren pro Hausarbeit bezahlt werden. Das schafft eventuell den Anreiz möglichst schnell mit einer Arbeit fertig zu werden.

Ein Korrektor hat uns gesagt, dass man um eine Arbeit ausführlich zu korrigieren im Durchschnitt 45 Minuten braucht. Pro Arbeit bekommen die Korrektoren etwa 12 bis 16 Euro brutto, dabei müssen sie aber Kranken- und Rentenversicherung selbst zahlen. Für studierte Juristen also ein schlechter Stundenlohn. Wenn der Ansatz der Arbeit aber nicht der Musterlösung entspricht, wird der Zeitaufwand noch größer: 90 Minuten muss man dann in etwa rechnen. "Das Problem ist, dass einem dieser Sonderaufwand eben nicht vergütet wird und viele Korrektoren da sicherlich schnell mit einem "falsch" bei der Hand sind", hat uns der Korrektor erzählt.

Gute Noten sind super wichtig für Juristen

Dabei sind Noten wirklich wichtig für die Studierenden: Große Kanzleien und Unternehmen verlangen Bestnoten von ihren Bewerbern und auch für Stipendien und die eigene Motivation brauchen sie natürlich gute Bewertungen.

Oskar ist mit seinen acht Punkten zufrieden. Damit ist er besser als der Schnitt. Zu seinem Prof und der Uni hat er weiterhin ein gutes Verhältnis. Er ist aber auch froh, dass jetzt so viel über das Thema diskutiert wird. Es muss sich etwas ändern, findet er.