vor Ort Mülheim-Kärlich Bye Bye AKW Mülheim-Kärlich - Dein Last-Minute-Foto vom Kühlturm!

Bald ist er weg: der Kühlturm des Atomkraftwerks Mülheim-Kärlich - nach mehr als 30 Jahren. Im August beginnt der Abriss! Hier sind die vielleicht letzten Bilder, die es im Netz von "unserem" Wahrzeichen gibt.

Wie sieht es im Norden von Koblenz eigentlich ohne Kühlturm aus? Das wissen nur Leute Ü40. Denn ab 1975 wurde das AKW Mülheim-Kärlich gebaut.

Jetzt soll ein Spezialbagger, der sich oben auf die Kühlturmwand bewegt, den 162 Meter hohen Turm Stück für Stück abknabbern.

Im August beginnt der Abriss. Spätestens im Herbst 2018 soll das eher gehasste als geliebte "Wahrzeichen" der Region dann weg sein.

Bald ist das verhasste Wahrzeichen weg

Der 1.300-Megawatt-Reaktor war 1988 nach nur 30-monatigem Betrieb für immer vom Netz gegangen - ein milliardenschweres Fiasko für Betreiber RWE.

Bei den Planungen war die Erdbebengefahr nicht ausreichend berücksichtigt worden. Seit 2004 läuft der Abriss der gesamten Anlage. Der dauert voraussichtlich noch weitere zehn Jahre.

360°-Blick ins Innere des Kühlturms

Die Geschichte des Kraftwerks zum Nachlesen

1972 Die RWE Power AG stellt den Antrag auf Bau und Betrieb des Atomkraftwerks.

1975 Der Bau des 3,6 Milliarden Euro teuren Projekts beginnt.

1986 Der Reaktor ist fertig. Schon während der Bauzeit ist es wegen Klagen durch Kommunen und Privatpersonen zu zahlreichen Verzögerungen gekommen. 

März bis Oktober 1986: Das AKW geht zum ersten Mal ans Netz und wird nach sechs Monaten wieder abgeschaltet. Laut Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz liegt keine immissionsschutzrechtliche Genehmigung vor.

August 1987 bis September 1988: Das AKW ist wieder in Betrieb, aber nur für 13 Monate. Das Bundesverwaltungsgericht hebt die erste Teilgenehmigung wegen mehrerer Mängel auf. Mülheim-Kärlich wird nie wieder ans Netz gehen.

1989 bis 1998: Es folgen elf Jahre juristischer Streit zwischen Wirtschaft, Politik und Bürgerinitiativen. Mülheim-Kärlich bleibt in dieser Zeit betriebsbereit, um jederzeit wieder ans Netz gehen zu können.

2000 Das Aus für Mülheim-Kärlich wird besiegelt. Der Beschluss zur Stilllegung ist ein Ergebnis der Vereinbarung zum Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland.

2001 RWE beantragt den Rückbau. Die voraussichtlichen Kosten belaufen sich zu diesem Zeitpunkt auf rund 725 Millionen Euro. 

2002 Die letzten Brennstäbe verlassen Mülheim-Kärlich. Bis dato sind beim Rückbau 30 Tonnen radioaktiver Abfall angefallen.

2004 Der Abbau beginnt. Mit einem Ende der Arbeiten wird nicht vor dem Jahr 2025 gerechnet. Laut Schätzungen werden bis dahin etwas weniger als 1.700 Tonnen radioaktiver Müll anfallen.

2006 RWE beantragt die Übertragung der Reststrommenge des Kernkraftwerks Mülheim-Kärlich auf den Reaktor Biblis A. Der Antrag wird durch alle Instanzen abgelehnt.

Juni 2014: Der Abbau des sogenannten Primärkreislaufes im AKW steht an. Dazu gehören der Druckbehälter und die Dampferzeuger. Sie beinhalten 99 Prozent der noch verbliebenen Radioaktivität.

Dezember 2014: Das Gelände des Kühlturms wird aus der Atomaufsicht entlassen. Der geplante Verkauf an eine Recycling-Firma kommt aber nicht zustande.

Oktober 2015: Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) erteilt der RWE Power AG die Genehmigung, auch die radioaktiv am höchsten belasteten Anlagenteile abzureißen.