vor Ort Mainz Von Mainz nach New York - Coco will behinderte Schauspieler selbstverständlich machen

Coco, 21, aus Mainz - "ein ganz normales Mädchen", wie sie selbst sagt. Aber so normal doch nicht - denn sie hat das Talent zur Schauspielerin. Und eine Gehbehinderung. Im September geht sie zur New York Film Academy - wenn sie genug Geld zusammen bekommt.

Schauspielerin und Kämpferin

"Hey-ho, ich bin Coco", sagt sie. Und wenn man mit ihr unterwegs ist, vergisst man, dass sie eine Gehbehinderung hat. Bei ihrer Geburt wurde durch Sauerstoffmangel ein Teil ihres Gehirns beschädigt, der das Gehen steuert . "Ich sehe mich nicht als behindert", sagt sie. Warum auch? Sie kann alles, außer alleine Treppen ohne Geländer herunter gehen. "Daran arbeite ich noch."

Aber noch mehr arbeitet Coco an ihrem Traum: Schauspielerin sein. Und zwar eine, der man nicht auf die Beine guckt, sondern die mit ihrem Charakter überzeugt.

New York Film Academy ist begeistert von ihr

Als sie gerade Au-Pair in London war, hat sie zufällig auf ihrer Facebook-Timeline entdeckt, dass es ein Schauspiel-Casting in der Stadt gibt. Von der New York Film Academy. Fünf Tage hatte sie nur Zeit, sich vorzubereiten.

(privat) (Foto: Coco de Bruycker)
Coco de Bruycker

An dem Tag des Vorsprechens stimmte irgendwie alles. "Kennst du das, wenn man aufwacht und der Tag ist schön und man ist so im Flow drin und alles läuft perfekt?", sagt Coco. So ein Tag war das. Die Jury war begeistert von ihr. "Wir waren überwältigt von ihrem Vorsprechen", sagt Jazmin Donaldson von der Jury. "Wir mochten ihre starke Energie."

Coco braucht 50.000 Dollar

Im September kann Coco also nach New York gehen und am "One-Year-Conservatory Acting for Film" teilnehmen. Während der Ausbildung werden die Studenten sechs Kurzfilme schreiben, Regie führen und vor allem selbst spielen. Der Haken an der Sache: New York ist teuer, und Studieren an der New York Film Academy auch. Coco braucht 50.000 Dollar.

Mit Crowdfunding nach New York

Von der New York Film Academy hat sie ein Stipendium von 9.000 Dollar bekommen. Für den Rest hat Coco eine Crowdfunding-Kampagne gestartet. Mit ihrem eigenen Youtube-Kanal und über Facebook macht Coco Werbung für sich. 16.000 Dollar Spenden hat sie darüber schon gesammelt. Erst vor kurzem hat jemand anonym 4.000 Dollar gespendet. Aber die Zeit ist knapp. Wenn Coco bis September nicht noch einen wesentlichen Teil der Kosten zusammen bekommt, kann sie nicht nach New York fahren.

Behinderte Schauspieler sollen selbstverständlich sein

"Ich finde, Schauspieler sollten nach ihrer Ausstrahlung und ihren Talenten ausgewählt werden", sagt Coco. "Mein Traum ist, dass man irgendwann einfach den Fernseher anstellt und dann sind da alle möglichen Menschen - und ein Behinderter ist auch dabei. Aber das wird gar nicht mehr groß thematisiert." Dafür kämpft sie - New York ist nur der Anfang.

(Foto: Heike Rost)