Vor Ort

Gegen Sexismus in der Dorfkneipe

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Statt abgedroschener Dorfjugend-Stereotype haben sich drei Schwestern aus Dunningen Aktivismus auf ihre Fahnen geschrieben, denn Feminismus endet nicht an einer Stadtgrenze.

Rückständigkeit, Rustikalität und kilometerweise Rübenäcker? So in etwa stellen sich viele das Leben auf dem Land vor. Auch die drei Schwestern Emely, Lena und Lisa aus Dunningen, einem idyllischen, ländlichen Flecken bei Rottweil, werden immer wieder mit solchen Klischees konfrontiert - und seit sie das Feministische Dorfgeflüster-Kollektiv gegründet haben noch häufiger. Bei Gruppentreffen oder über WhatsApp kommen Interessierte und Engagierte vom Dorf zusammen, um sich auszutauschen, um dazuzulernen, um etwas zu verändern.

Feminismus auf dem Land?

140 Personen zählt das Dorfgeflüster-Kollektiv heute und es werden immer mehr – auch Männer! Die Idee dafür hatten die drei Schwestern während des ersten Lockdowns – als sie sich, zurück in ihrem Elternhaus, die Langeweile mit feministischer Lektüre vertrieben haben. Hitzigen Diskussionen am Esstisch, Unverständnis von Seiten der älteren Generationen und das Bedürfnis sich auszutauschen, haben sie dazu gebracht die Gruppe zu gründen.

Wir haben gemerkt, dass es auch anderen Leuten so geht und dass im ländlichen Raum eben einfach die Möglichkeiten fehlen, sich mich anderen auszutauschen.

Angefangen haben sie mit einer WhatsApp-Gruppe, die nach und nach immer größer wurde. Raum für Austausch bieten aber auch die Montags-Treffen, die wegen der Corona-Pandemie bisher ausschließlich digital stattgefunden haben, sobald es möglich ist, freuen sich die Mitglieder*innen des Kollektivs auf persönliche Treffen.

Wir sprechen immer ein Monat lang über ein Thema, dazu gibt es dann in den Treffen erstmal einen kleinen Input, aber auch ganz viel Raum für Diskussionen und um eigene Erfahrungen zu teilen.

Schluss mit stereotyper Dorfjugend

Die Leute haben uns davon erzählt, wie sie in Kneipen einfach angefasst wurden oder einen sexistischen Kommentar abbekommen haben und nicht wussten, wie sie in der Situation darauf reagieren sollten.

Sexismus in der Dorfkneipe, konservative Rollenbilder und Gemeindebriefe, die nur an den Mann im Haus adressiert sind. Auch im ländlichen Raum ist das zwar oft noch Realität, trotzdem seien sie deswegen nicht automatisch rückständiger – nur bei den Angeboten für ein entsprechendes Engagement sagen sich auf dem Land eben oft noch Fuchs und Hase gute Nacht.

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht?

Wer flüstert, der lügt? Statt nur hinter vorgehaltener Hand über das feministische Kollektiv zu reden, reagieren in Dunningen zwar nicht alle ausschließlich positiv auf das Engagement der drei Schwester, aber zumindest mit einem wertfreien und ehrlichen Interesse.

In ihrer Heimat schlagen sie mit ihrer Idee so hohe Wellen, dass ihr Projekt inzwischen sogar finanziell gefördert wird. Denn sie haben große Träume und wollen andere Menschen in anderen Regionen animieren und motivieren, es ihnen gleich zu tun und eigene Gruppen zu gründen. Erstmal geht es jetzt aber darum ihren eigenen Verein zu gründen.

Warum nicht Dorfgeschrei bei so wichtige Botschaften?

Anfangs haben wir uns über den Namen gar nicht so viele Gedanken gemacht. Außerdem steckt hinter Dorfgeflüster gleichzeitig auch eine Art Schutzraum.

In dem kann man eben auch über unangenehme oder sogar traumatische Erfahrungen sprechen, die sich nicht so leicht hinausschreien lassen. Sie können sich aber vorstellen, irgendwann die Rubrik Dorfgeschrei aufzunehmen, wenn es zum Beispiel um Veranstaltungen geht: Denn bei denen wollen sie auch in Zukunft weiter laut werden, um dadurch auf die ein oder andere eingestaubte Sichtweise in unserer Gesellschaft hinzuweisen.

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