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Maximilian aus Freiburg: Mein Weg zum Trans*Mann

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Als Mädchen geboren, geht Maximilian aus Freiburg heute seinen Weg der "Transition". Zwischen gesellschaftlicher Norm, körperlichem Schmerz und toxischer Männlichkeit ist das nicht leicht.

Als Mädchen geboren, geht Maximilian aus Freiburg heute seinen Weg der "Transition". Zwischen gesellschaftlicher Norm, körperlichem Schmerz und toxischer Männlichkeit ist das nicht leicht.

Maxi arbeitet heute als Erzieher* und heißt eigentlich Maximilian Nico, allerdings erst seit ein paar Jahren. Wenn es ihm heute beim Anschauen alter Fotos so vorkommt, als habe er eine Zwillingsschwester, dann liegt das daran, dass er als Mädchen auf die Welt kam. Zumindest wurde er wegen seiner weiblichen Geschlechtsorgane so gelesen.

Sich Kinderbilder von früher anzuschauen, auf denen Maxi nicht besonders mädchenhaft angezogen ist, damit hat er auch heute kein Problem. Mit Bildern aus seiner Jugend kann er sich allerdings gar nicht mehr identifizieren – und auch früher fiel ihm das nicht leicht. Als Maxi sich in der Pubertät körperlich zu verändert beginnt, verändert sich auch das Verhältnis zu seinem Körper.

Ich habe schon sehr früh Brüste bekommen, mit denen ich mich nie wohl gefühlt habe. Ich bin damit nicht klargekommen und habe das als sehr belastend empfunden.

Gleich zwei Outings

Mit 17 Jahren outet er sich vor seiner Familie und Freunden als lesbisch. Leicht gefallen sei ihm das damals nicht, obwohl er in einem sehr toleranten Haushalt aufgewachsen sei und wusste, dass seine sexuelle Orientierung für seine Eltern kein Problem darstellen würde. Auch sein Aussehen verändert sich in dieser Zeit stark.

Ich bin früher durch meinen sehr männlichen Kleidungsstil, die kurzen Haare und durch in der Öffentlichkeit gelebte Beziehungen mit Frauen oft aufgefallen und angeschaut worden.

Nur knapp ein Jahr später folgt schließlich sein Trans* Outing. Den Anstoß dafür gibt Maxis Mutter. Heute befindet sich Maxi bereits seit mehr als vier Jahren auf seinem Transitionsweg – einer Geschlechtsangleichung der körperlichen Merkmale passend zur Identität.

Mein Vater hat die Pronomen sofort umgestellt und meine Freunde fanden es schön, dass ich mich endlich selbst gefunden habe.

Der lange Weg der Transition

Anders als in Filmen, passiert so eine Geschlechtsangleichung jedoch nicht über Nacht. Nach der gesetzlich vorgeschriebenen Psychotherapie fängt Maxi mit 20 Jahren eine Hormonbehandlung mit Testosteron an, sein Körper beginnt sich zu verändern: Körper- und Barthaare wachsen, die Stimme wird tiefer, der Muskelaufbau nimmt zu und auch das Wachstum der Vulva verändert sich. Dann folgt die Mastektomie – das Entfernen seiner Brüste, an denen er sich so lange gestört hatte und schließlich werden auch die inneren weiblichen Geschlechtsorgane in einer Operation entfernt.

In der sogenannten Klitpen-Operation wird der Vagina-Eingang verschlossen, die Harnröhre verlängert und weiter nach oben verlegt, damit im nächsten Schritt der Penisaufbau angesetzt werden kann. Nach mehr als vier Jahren steht Maxi nun vor diesem Schritt, denn er möchte alle geschlechtsangleichenden Operationen machen lassen. Doch das ist auch mit Komplikationen und viel körperlichem Schmerz verbunden.

Ich würde es nicht mal meinem größten Feind wünschen, diesen Weg gehen zu müssen. Es sind nicht nur die körperlichen Schmerzen, die Ungewissheit über die Langzeitwirkung der Hormone, sondern es wird einfach psychisch viel von einem abverlangt und ist eine kostspielige Sache.

Eine Frage der Männlichkeit

Als Maxi zu studieren beginnt, trifft er zum ersten Mal in seinem Leben auf Menschen, die seine frühere Identität nicht kennen. Während er einerseits ständig hinterfragt, wie er als noch männlicher gelesen werden kann und aus dem Scheinwerferlicht endlich in der Masse untertauchen kann, fangen andere Dinge an, ihm zu fehlen.

Umarmungen, kleine Berührungen, Nähe – eben all das, was gesellschaftlich oft nicht als männlich gilt und heute oft unter toxischer Männlichkeit gehandelt wird.

Dadurch habe ich mich wieder von der Gesellschaft hemmen lassen, bei Dingen, die ich eigentlich mag.

In seinem früheren Körper hätte Maxi kein langes Leben geführt, gibt er zu verstehen. Doch heute schaut er gerne zurück, selbst auf alte Fotos aus seiner Jugend. Zwar fällt ihm dabei manchmal noch auf, was er an sich noch nicht optimal findet, aber ist gleichzeitig auch stolz darauf, wie weit er schon gekommen ist. Heute sei er viel selbstsicherer als früher, gehe mehr aus sich heraus, statt sich vor der eigenen Identität oder Ablehnung durch andere zu verstecken.

Auch wenn die Gesellschaft in vielen Punkten noch nicht so weit ist, wie er es sich wünschen würde, ist er dankbar dafür, dass Veränderungen stattfinden, dass er diesen Weg gehen konnte und dass seine Freunde und Familie ihn unterstützen.

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