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Instagramerin Mia de Vries hat auf der Plattform lange über ihre Krebserkrankung berichtet - jetzt ist sie gestorben. Aber warum gehen Menschen mit Krebs an die Öffentlichkeit? Und warum folgen andere solchen Accounts?

Warum zeigen Menschen wie Vriesl ihre Krebserkrankung online?

Über Krebs aufklären, zeigen wie der Alltag mit der Erkrankung aussieht - das wollte Mia, auf Instagram unter dem Namen Vriesl bekannt. Darum hat sie ihre Follower zum Beispiel auch zu ihren Behandlungen ins Krankenhaus mitgenommen, beschrieben, wie sich eine Chemotherapie anfühlt oder erzählt, wie man dem eigenen Kind beibringt, dass man schwer krank ist.

Es gibt viele Gründe, warum Menschen ihre Krebserkrankung online teilen

Aufklärung ist aber nicht der einzige Grund, weshalb Menschen mit ihrer Erkrankung an die Öffentlichkeit gehen. Medienpsychologe Dr. Tobias Dienlin von der Uni Hohenheim sagt, dass es manchen auch darum geht, Unterstützung zu bekommen.

Das Erste ist die instrumentelle Unterstützung - zum Beispiel Geld. Das Zweite: informative Unterstützung, also Tipps und Tricks. Das Dritte ist die emotionale Unterstützung.

Dr. Tobias Dienlin, Medienpsychologe

Emotionale Unterstützung kann schon ein Like auf ein Foto sein, sagt der Experte. Wenn man online über eine Krankheit spricht, kann das aber auch einen therapeutischen Effekt haben, sagt Dr. Dienlin. Das beschreibt auch YouTuber und Instagramer Julian, der unter dem Namen "Chemoblog" über seine Krebserkrankung berichtet.

Ich hab beschlossen, dass ich zwar viel Unterstützung durch mein privates Umfeld habe, aber ich habe einfach gemerkt, ich brauche ein offenes Ohr und muss das selbsttherapierend loswerden.

Julian, auf Instagram "chemo_blog"

⁣ZWEITE OP GESCHAFFT ✅ WIE GEHT ES WEITER? ⠀ ⠀ Meine Operation am linken Lungenflügel ist jetzt 11 Tage her. Der Eingriff ist planmäßig verlaufen und alle Metastasen konnten entfernt werden. Am vergangen Freitag wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen.⠀ ⠀ ⠀ Aber wie geht es weiter? Das weiß ich selber noch nicht genau. Klinisch gesehen bin ich nun „krebsfrei“, die Vermutung, dass noch aktive Tumorzellen in meinem Organismus sind, liegt jedoch sehr nahe. Ich warte noch auf die finale Auswertung meines Gewebes, die eine Therapie-Empfehlung mit sich bringen wird. ⠀ ⠀ ⠀ Eine Chemotherapie ist erstmal nicht geplant, eventuell kommt aber eine Immuntherapie infrage, die wohl erheblich schonender wäre. ⠀ ⠀ ⠀ Ich bin erstmal froh wieder zuhause zu sein, ich muss mich zwar noch etwas schonen, aber ich kann von Tag zu Tag die Schmerzmedikamente reduzieren und werde immer mobiler.

Warum folgen Menschen "Krebs-Accounts"?

Rund 4700 Menschen folgen Julian auf Instagram. Bei Mia alias Vriesl waren es kurz vor ihrem Tod mehr als 170-tausend Menschen. Danach ist die Zahl sogar noch gestiegen. Aber warum folgenden Menschen sogenannten Krebs-Accounts?

Manche wollen helfen, andere sind neugierig

Auch dafür gibt es verschiedene Gründe, sagt Medienpsychologe Dr. Tobias Dienlin. Viele sind neugierig und wollen auch helfen - auch wenn es nur mit lieben Nachrichten oder einem Like ist. Aber es gibt auch weniger schöne Seiten, sagt der Experte.

Es finden auch Abwärtsvergleichsprozesse statt und wenn man das Leid anderer sieht, denkt man vielleicht, "mir geht es gar nicht so schlecht".

Dr. Tobias Dienlin, Medienpsychologe

Wieder andere haben vielleicht selbst einen Freund oder Angehörigen, der Krebs hat und hoffen auf Tipps für den Umgang mit Betroffenen. Oder sie sind selbst erkrankt und wünschen sich Infos oder Austausch mit Menschen, die auch Krebs haben. Julian erreichen auch viele Nachrichten in diese Richtung, sagt er.