Kimon Schanze (Foto: SWR)

vor Ort

Reporter Kimon begleitet Hilfskonvoi aus der Pfalz an die Grenze zur Ukraine

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Sarah Korz
Sarah (Foto: SWR, DASDING)

Viele Menschen sind geschockt vom Krieg in der Ukraine und wollen helfen. Ein Hilfskonvoi aus Höhfröschen hat Sachspenden an die Grenze gebracht. Reporter Kimon war dabei.

Mehrere Lastwagen der Spedition Gottardo aus Höhfröschen im Landkreis Südwestpfalz haben Anfang März Sachspenden an die polnisch-ukrainische Grenze gebracht. Die internationale Spedition arbeitet mit Lkw-Fahrern aus der Ukraine zusammen. Gottardo-Chef Jens Winkmann war sofort klar: "Wir müssen etwas tun." DASDING-Reporter Kimon hat den Hilfskonvoi begleitet und die Reise in einem Blog festgehalten.

Donnerstag, 3. März 2022

Die Reise beginnt (6:34 Uhr)

Kurzer Blick aufs Handy: Minus fünf Grad. Die aktuelle Temperatur in Józefów in Polen, einem Ort circa 50 Kilometer weit entfernt von der ukrainischen Grenze. Dort sollen Hilfsgüter aus der Westpfalz hingebracht und an Geflüchtete aus der Ukraine verteilt werden.

Ein Lager steht mit Kartons und Spenden für die Ukraine voll. (Foto: SWR)
Das Lager der Spedition Gottardo in Höhfröschen ist bis unter das Dach voll mit Spenden aus der Südwestpfalz. Sie sollen an die polnisch-ukrainische Grenze gebracht werden.

Die Lkw machen sich auf den Weg nach Polen (12:50 Uhr)

Ich begleite mehrere Lkw, die von der Firma Gottardo in Höhfröschen mit Spenden vollgeladen wurden. Vier Stück sind es geworden: Lastwagen voller Hygieneprodukte, Kinderspielzeug, Klamotten, Nahrungsmittel und Decken.

Zwischenstopp in Dresden auf dem Weg nach Oppeln (23:51)

Mittlerweile bin ich in Dresden angekommen. Fabio meldet sich immer wieder. Er leitet ein Logistikunternehmen, dass den Weitertransport der Spenden bis an die Grenze übernimmt.

Freitag, 4. März 2022

Unterwegs in Richtung polnischer Grenze (7:46 Uhr)

Ich bin unterwegs Richtung Grenze. Auf dem Weg halte ich noch bei der Bank. Ein Freund hat mir geraten, noch Geld abzuheben und nicht erst im Polen zu wechseln.

Schnee, Unfall und Stau in Polen (11:44 Uhr)

Ich stehe im Stau, etwa 100 Kilometer vor Oppeln. Es ist neblig, teilweise liegt Schnee. Besonders bitter: Im Stau gab es einen Auffahrunfall, in den auch ein Transporter verwickelt war, der vollgepackt ist mit Sachspenden.

Endlich in Oppeln angekommen (16:00 Uhr)

Mittlerweile bin ich in Oppeln angekommen. Auf dem Gelände von Fabios Logistikfirma stehen mehrere große Lkw. Vorne an den Führerhäusern kleben Schilder, auf denen "Hilfe für die Ukraine" steht. Eine Polizistin und ein Polizist werden die Kolonne der Laster Richtung Ukraine begleiten.

Lkw mit Hilfsgütern für die Ukraine in Oppeln (Foto: privat)
Die Lkw werden im polnischen Oppeln beladen. privat

Weiterfahrt an die Grenze zur Ukraine (17:50 Uhr)

Sind aus Oppeln gestartet. 6,5 Stunden - so lange dauert die Fahrt, sagt Fabio. Eine Pause wollten die Fahrer nicht unbedingt einlegen. Ich konnte die Jungs dann aber doch auf eine kurze Pause nach fünf Stunden runter handeln. Wir kommen erst an, wenn es dunkel ist.

Samstag, 5. März 2022

Angekommen in Józefów (00:30 Uhr)

Wir sind endlich in Józefów angekommen. Der Ort liegt ziemlich ländlich, weshalb die letzten Kilometer nur durch dunkle Wälder und enge Dorfstraßen gingen. Dass wir nur 50 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt sind, merkt man kaum.

Drei Stunden geschlafen - jetzt geht es weiter (9:45 Uhr)

Guten Morgen. Es hat null Grad und es schneit. Wir könnten uns alle schöneres Wetter vorstellen, um draußen zu schleppen. Fabio, die Fahrer und ich sind ziemlich fit, obwohl wir nur drei Stunden geschlafen haben. Vermutlich ist es der Gedanke, etwas Wichtiges zu tun.

Große Entladungsaktion in Józefów (11:00 Uhr)

Es geht los. Vor einem Haus der Caritas entladen wir die Lkw. Die Hilfsorganisation stellt ihre Räumlichkeiten für all die Spenden zur Verfügung. Rund 50 freiwillige Helfer stehen bereit und wollen mit anpacken. Vor allem von der Feuerwehr aus Józefów sind viele da. Sie benutzen Gabelstapler oder bilden Menschenschlangen, um die vielen hundert Kartons und Tüten möglichst schnell ins Haus zu bringen.

Pakete auspacken - und sich kurz ein wenig freuen (14:45 Uhr)

"Wir sind dankbar für die ganze Hilfe. Wir fühlen uns, als haben wir jetzt so viel, und unsere Familien in der Ukrainer so wenig", sagen Lena und Walerija, zwei Frauen, die mit ihren Kindern aus der Ukraine hier gelandet sind. An der Caritas sind es aber vor allem die Kinderaugen, die vor Freude strahlen.

Pakete des Hilfskonvois aus der Pfalz werden ausgepackt (Foto: SWR)
Auspacken und sehen, was der Hilfskonvoi aus der Pfalz alles so gebracht hat.

Spenden werden über die Grenze gebracht (22:30 Uhr)

Gegen 18 Uhr erreicht mich ein Anruf, dass es gleich losgehe. Plötzlich habe ich doch ganz schön Adrenalin im Blut. Es ist das eine, in der Nähe der ukrainischen Grenze zu sein und etwas völlig anderes, bis zur Grenze zu fahren.

Wir fahren los, der Lkw uns hinterher. Eine Stunde später ist es so weit: Einem großen Teil der Spenden aus der Westpfalz kann ich nur noch hinterher sehen. Hoffentlich erreichen sie ihr Ziel und helfen so vielen Menschen wie nur möglich.

Ihr wollt auch spenden und helfen?

Sonntag, 6. März 2022

Zurück im Hotel in Dresden (2:45 Uhr)

Was für eine Reise. Auf der Fahrt sind mir zwei Kolonnen Militärtransporter entgegen gekommen, die vorne und hinten von Polizeibussen mit Blaulicht begleitet wurden. Ich bin froh, so privilegiert zu sein und einfach wieder in die Heimat fahren zu können, in der man den Krieg nur aus den Nachrichten mitbekommt.

Hilfsaktionen wie die aus Höhfröschen machen aber Hoffnung. Hunderte Menschen haben mit einer Selbstverständlichkeit geholfen, die sprachlos macht. Aber: Mir ist noch mal bewusst geworden, was hier gerade in Europa abgeht, nah vor unserer Haustür.

"Man stellt sich die Frage: Hatten wir einfach nur Glück etwas weiter westlich geboren worden zu sein? Vielleicht wären wir sonst in der gleichen Situation."

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