Spenden werden an der polnisch-ukrainischen Grenze abgeliefert (Foto: DASDING)

vor Ort

Reporterin Jessi war mit dem Hilfskonvoi an der polnisch-ukrainischen Grenze

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Ein Busunternehmen aus dem Westerwald hat Hilfsgüter für die Ukraine gesammelt und wollte Geflüchtete mit zurücknehmen. DASDING-Reporterin Jessi ist mitgefahren - hier ist ihre Story.

Die Reise startet am Donnerstagmorgen gegen 6 Uhr in Kroppach im Westerwald. Es ist noch dunkel - aber die sieben Helfer, die verteilt auf zwei Reisebussen und einem Sprinter mitfahren, sind voller Vorfreude. Auch wenn keiner so genau weiß, was uns eigentlich erwartet. Zuvor hatte das Busunternehmen "Meso and More" über Facebook zu Spenden aufgerufen. Etwa 400 Privatpersonen sind dem Ruf gefolgt. Babynahrung, Windeln, Medikamente und Lebensmittel wurden abgegeben.

Die Hilfsgüter wollen wir kurz vor der ukrainischen Grenze abgeben. Von dort aus sollen sie an ein Krankenhaus hinter der Grenze gebracht werden. Durch eine ukrainische Mitarbeiterin wurden die Kontakte dorthin bereits aufgebaut. Danach, so der Plan, wollen wir bis zu 80 Geflüchtete mitnehmen.

DASDING-Reporterin Jessi ist mit einem Hilfskonvoi an der polnisch-ukrainischen Grenze (Foto: DASDING)
DASDING-Reporterin Jessi ist mit einem Hilfskonvoi an der polnisch-ukrainischen Grenze.

Lange Fahrt ins Ungewisse an die polnische-ukrainische Grenze

Vor uns liegen über 1.000 Kilometer über Erfurt, Dresden und über die deutsch-polnische Grenze. Dort tauschen wir noch schnell etwas Geld, dann geht es Richtung Krakau weiter. Hier schlafen wir die erste Nacht und kommen müde und kaputt nach etwa 14 Stunden Fahrt an. Am nächsten Morgen geht es dann weiter. Rund eine Stunde vor der Grenze halten wir an einer großen Halle - dort haben freiwillige Helfer eine Art Sammelstelle für Hilfsgüter eingerichtet.

Überall wuseln junge Helfer herum und packen innerhalb von einer halben Stunde unsere Spenden aus den Bussen aus und packen sie in ukrainische Reisebusse wieder ein. Die sind voll gestopft bis unter die Decke.

Freiwillige Helfer räumen die Spenden aus den Bussen (Foto: DASDING)
Freiwillige Helfer räumen die Spenden in der Nähe der polnisch-ukrainischen Grenze aus.

An der Sammelstelle in Korczowa herrschen unübersichtliche Zustände

Bis zur Grenzstelle in Korczowa kommen wir nicht, da die Polizei die Autobahn abgesperrt hat. In einem alten Einkaufscenter haben die polnischen Behörden eine Art Sammelstelle eingerichtet. Was uns dort drin erwartet, macht mich sprachlos. Etwa 1.000 Feldbetten stehen dicht an dicht, die Luft ist zum Schneiden, überall liegt Müll, die Menschen liegen mit ihren paar Habseligkeiten und ihren Kindern dort und wissen nicht wie es weitergeht.

An der Information stehen viele Helfer und bieten Fahrten überallhin an. Auch wir melden uns dort - auch mit dem Hinweis, dass die Geflüchteten im Westerwald in Wohnungen untergebracht werden können, also auch für länger. Doch niemand möchte mitfahren - außer eine 18-jährige Ukrainerin und eine junge Mutter mit ihren zwei kleinen Töchtern. Sie haben Verwandte im Westerwald.

Ich kann die Skepsis und die Angst verstehen. Die Frauen hier sind mit ihren Kindern ohne ihre Männer geflüchtet, kennen den Westerwald nicht und wollen lieber in der Nähe der Grenze bleiben oder zu Verwandten fahren.

Frauen und Kinder warten in einer Sammelstelle an der Grenze. (Foto: DASDING)
Frauen und Kinder warten in einer Sammelstelle an der Grenze.

Suche geht an einer anderen Sammelstelle weiter

Am nächsten Tag fahren wir an eine andere Sammelstelle an der Grenze. Auch hier erwarten uns chaotische Zustände. Es ist mittlerweile Samstag und viele Freiwillige aus ganz Europa haben sich aufgemacht, sorgen für einen Stau vor der Sammelstelle und wollen wie wir Geflüchtete mitnehmen.

Nach einer längeren Suche und durch Kontakte vor Ort ist der erste Bus mit 13 Frauen und Kindern voll. Sie werden zum Teil in Wohnungen im Westerwald unterkommen oder bei Verwandten. Der zweite Reisebus bleibt noch eine Nacht. Am nächsten Tag bekommen sie den Hinweis, dass in Krakau am Bahnhof viele Flüchtlinge landen und nicht wissen, wie sie von dort weiterkommen sollen. 50 Menschen nimmt der Bus mit nach Koblenz, Limburg und in den Westerwald.

Start in eine ungewisse Zukunft im Westerwald

Die Frauen und Kinder, die im Westerwald aus dem Bus aussteigen, sehen übernächtigt aus. Sie sind blass im Gesicht. Unter ihnen ist auch Valeria Krokovna mit ihrer Tochter Sofija, ihrem Sohn Danilo und der Großmutter. Sie kommen aus Dnipro in der Nähe von Kiew. Bevor sie im Westerwald ankamen, ging die Sonne auf. Erst dann habe sie gesehen, wo der Bus sie hingebracht hatte.

Wo und wie könnt ihr rund um Koblenz spenden

Die Diakonie Katastrophenhilfe ist aktuell an den Grenzgebieten vor Ort, um humanitäre Hilfe zu leisten und bittet um Geldspenden. Gemeinsam mit rumänischen und slowakischen Partnerorganisationen unterstützt die Organisation ankommende Flüchtlinge mit Lebensmitteln, Hilfsgütern und Notunterkünften.

Ikke Hüftgold alias Matthias Distel bietet gemeinsam mit seiner selbst gegründeten Summerfield-Kids-Foundation und der Max-Stillger-Stiftung eine Hilfsaktion für ukrainische Flüchtlinge an. Für Menschen, die Geflüchtete aufnehmen möchten, gibt es ein Anmelde-Formular von der Summerfield-Kids-Foundation.

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