Stefanie Giesinger (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Fotograf:Jens Kalaene)

Lifestyle Spenden Influencer machen es vor: Zur Weihnachtszeit Gutes tun

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Model Stefanie Giesinger, Bloggerin Carmushka, Fotograf Jannik Stutzenberger oder Influencerin Anna Maria Damm: Sie alle nutzen ihre Reichweite gerade für den guten Zweck. Wir haben gecheckt, was dahintersteckt – und wie ihr selbst auch ganz easy Gutes tun könnt.

Ich bin hier, weil ich meine Reichweite für Gutes einsetzen möchte. 2019 mussten 820 Millionen Menschen unter Hunger leiden, während wir in Europa Milliarden für Konsumgüter ausgeben.

Stefanie Giesinger auf Instagram

So beginnt ein Posting, das Stefanie Giesinger vor kurzem gepostet hat. Im weiteren Text erklärt sie, dass sie im nächsten Jahr selbst tätig wird: Das Model hat gemeinsam mit einem Unternehmen eine Eiscreme ins Leben gerufen, deren Erlös zu 100 Prozent an Projekte in Malawi gehen soll. Nach Malawi, also nach Afrika, nimmt sie ihre Follower auch gerade in der Instagram-Story mit.

Die Überschrift zum Posting: „every step counts“, also „jeder Schritt zählt“. Die Rückmeldung dazu ist groß: Mehr als 25.000 Likes, viele Reaktionen von Blogger-Kollegen - allerdings auch viel Kritik.

User regen sich über Influencer-Projekte auf

Auf einige User wirkt das Ganze wie eine große PR-Aktion. Unter anderem wird Stefanie Giesinger in den Kommentaren vorgeworfen, dass das Model aus der Aktion Profit schlagen wolle und es hier gar nicht um Nächstenliebe ginge. Außerdem wird Kritik laut, dass sie sich nicht für lokale Projekte einsetze. Manche finden auch die Art und Weise, wie die Projekte und die Menschen auf Instagram dargestellt werden, problematisch.

Influencer engagieren sich mit ihren Communities für den guten Zweck

Wer gerade durch den Instagram-Feed scrollt, merkt aber auch: Stefanie Giesinger ist nicht die Einzige. Im Moment scheinen besonders viele Influencer und Blogger Wert darauf zu legen, mit ihrer Reichweite Gutes zu tun. Dabei beziehen sie ihre Community – also auch dich – teilweise mit ein.

Bloggerin Carmushka zum Beispiel will in Malawi selbst eine Schule bauen – und hat dafür auf die Hilfe ihrer Follower gesetzt. Sie hat eine Art Crowdfunding-Projekt ins Leben gerufen und ihre Community zum Spenden aufgerufen.

WIR BAUEN EINE GRUNDSCHULE IN MALAWI 🇲🇼 Knowledge is power and education is the key. It’s the most powerful weapon you can use to change the world. Bildung ist der Schlüssel. Bildung schafft das Fundament für ein selbstbestimmtes Leben. Bildung kann über Lebenschancen entscheiden. Aber leider ist Bildung bis heute ein Privileg. Täglich versuche ich euch darin zu bestärken, euch gegenseitig zu unterstützen und euch immer weiter zu entwickeln. Doch was ist mit denen, die unsere Unterstützung so dringend benötigen, die ich hier aber gar nicht erreichen kann? Malawi ist ein sogenanntes Entwicklungsland, eines der ärmsten der Welt. Und Malawi wird außerdem das erste Land sein, in dem eine Carmushka Primary School gebaut wird. Ja, WIR bauen eine Grundschule! Weil wir etwas machen möchten, was wirklich etwas verändert. Weil wir Hilfe leisten wollen, die ankommt und nachhaltig ist. Noch in diesem Monat reisen wir selbst nach Malawi, um uns ein Bild zu machen. Um anzupacken und um euch auf diese ganz besondere Reise mitzunehmen. Denn ich gebe euch die Möglichkeit, Teil dieses Projekts zu werden. Unterstützer zu werden, Weltverbesserer und Gutes-Tuer. Alle, die mitwirken, werden danach über sich sagen können: Ich helfe mit, eine Schule zu bauen. Denn eine Schule kostet Geld. 10.000 Euro werde ich selbst spenden. Was den Rest betrifft, kommt ihr ins Spiel. Es fehlt noch eine große Summe für dieses unglaubliche Projekt – doch ich weiß, dass auch meine Community groß und vor allem unglaublich ist. Gemeinsam mit euch, meinen Carmushkis, möchte ich aus Unglaublichem, Realität werden lassen. Ich brauche euch. Wenn nicht wir, wer sonst und wenn nicht jetzt, wann dann? Irgendwo muss man nun einmal anfangen! Den Spendenlink findet ihr in meiner Story und in der Bio.

Die gewünschte Spendensumme war innerhalb kürzester Zeit erreicht, laut ihrem Instagram-Feed will sie bald selbst nach Afrika reisen und das Projekt umsetzen.

Influencerin Anna Maria Damm reist ebenfalls nach Afrika

Influencerin Anna Maria Damm, Schwester Katharina und Fotograf Jannik Stutzenberger melden sich gerade aus Nairobi. Zusammen mit „Gemeinsam für Afrika“ machen auch sie auf Hilfsmöglichkeiten aufmerksam – und versuchen ganz nebenbei, Vorurteile über das Land abzubauen.

HELLO NAIROBI ✨ Kann gar nicht in Worte beschreiben, was wir an unserem ersten Tag schon alles erleben durften. ☺️ Einige Impressionen findet ihr in meinen Storys ✨ #madeinkenya

Irgendwie fällt also auf: Zurzeit sind besonders viele Blogger und Influencer für den guten Zweck unterwegs, unterstützen Hilfsorganisationen, sammeln Spenden, rufen Projekte ins Leben. Gibt es vielleicht im Moment eine Art Umdenken im Blogger-Business? Oder ist das Bedürfnis zu helfen in der Weihnachtszeit einfach besonders groß und die damit zusammenhängende Promo in eigener Sache auch nicht schlecht?

Der Check: So kannst auch du Gutes tun

Es muss ja nicht immer gleich ein großes Blogger-Projekt in Afrika sein. Kurz vor Weihnachten begegnen dir auch oft mal in der Fußgängerzone Fundraiser, die für den guten Zweck sammeln. Wir haben mal gecheckt, ob das Spenden von Geld generell sinnvoll ist und was man noch so tun könnte.

Welche Organisation macht das meiste aus eurem Geld?

Es gibt erstmal Siegel - zum Beispiel das „DZI Spendensiegel” oder das „PHINEO wirkt“ Siegel. Mit denen kannst du grundsätzlich checken, ob vom gespendeten Geld auch das meiste vernünftig verwendet wird.

Auch Webseiten bewerten Organsiationen nach verschiedenen Kriterien. Auf „effektiv-spenden.org" beispielsweise werden Organisationen empfohlen, die nach Studien besonders effektiv arbeiten sollen. Das heißt, sie haben wenig Verwaltungskosten, sodass viel Geld ankommt und viel Gutes dabei rum kommt. Sebastian betreibt die Seite und hat uns erzählt, was für ihn effektives Spenden bedeutet.

Ich helfe gerne Menschen in Not und mir ist egal, wo die leben. In armen Ländern kann man mit dem selben Geld mehr Hilfe leisten.

Sebastian von „effektiv spenden"

Auch ein Euro kann was bewirken

Ein Projekt, das er vorstellt, ist die „Entwurme die Welt Initiative". Dabei haben zwei Wissenschaftler (die by the way 2019 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften bekommen haben) geschaut, wie sie in armen Ländern Bildung voranbringen können.

Die Lösung: Entwurmungs-Tabletten verteilen! Das beste Schulbuch, der beste Lehrer bringt einem schließlich nichts, wenn man krank zuhause liegt und nicht zur Schule gehen kann.

Entwurmung klingt erstmal nicht so sexy, hat aber im Verhältnis zu dem, was sie kostet, einen wahnsinnig großen Einfluss auf Bildung.

Sebastian von „effektiv spenden"

Sebastian wird im Moment von Freunden und Familie unterstützt. Die Webseite ist als gemeinnützige Organisation anerkannt und leitet alle Spenden 1:1 weiter.

Mit Freunden auf Facebook zusammenlegen

Auch auf Facebook und Co. kannst du, wenn du spenden willst, eine Spendenaktion erstellen. Laut Facebook landen die Spenden zu 100 Prozent bei den Organisationen. Was die dann mit dem Geld machen, ist allerdings wieder ihre Sache. Die Organisation kannst du dir aber aussuchen.

Gerade vor Weihnachten sind Betrüger unterwegs

Viele unseriöse Organisationen werben gerade vor Weihnachten mit besonders reißerischen Bildern, zum Beispiel von verhungernden Kindern. Das sagt zumindest die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Je reißerischer der Auftritt, desto misstrauischer sollte man sein.

Max, Verbraucherzentrale RLP

Die Verbraucherzentrale empfiehlt: Lieber nicht sofort spenden, sondern zweimal checken. Es gibt natürlich auch eine Menge ganz seriöser Organisationen, die mit einer kleinen Spende viel Gutes tun können.

Lukas spendet Zeit statt Geld

Wer kein Geld spenden will, kann auch Zeit spenden. Das kann eine einmalige Sache sein oder längerfristig. Einmal googeln reicht, um die vielen Freiwilligen-Büros zu finden, bei denen du dich melden kannst. Lukas zum Beispiel betreut einmal im Jahr ehrenamtlich eine Kinderfreizeit in Karlsruhe.

Es gibt viel mehr Dinge als Geld, die man geben kann: Freude oder Zeit. Ich betreue Kinder im Waldheim, das ist meine Spende quasi.

Lukas aus Karlsruhe

Und das geht natürlich nicht nur an Weihnachten, sondern das ganze Jahr lang.