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Netflix hat als erster Streamingdient angekündigt wegen des hohen Datenaufkommens die Bildqualität zu drosseln. YouTube ist wenig später nachgezogen. Jetzt sollen auch Instagram und Facebook Änderungen planen. Wir erklären dir, wie es in der Corona-Krise um das Netz in Deutschland steht und welche Probleme auftreten könnten.

Wenn man - wenn auch unfreiwillig - wegen der Corona-Pandemie den ganzen Tag zu Hause fest sitzt, ist das natürlich die perfekte Möglichkeit die Lieblingsserie nochmal komplett von vorne durchzusuchten. Das Problem: Diesen Gedanken hat gerade fast jeder. Und die Wenigsten haben "Game of Thrones" auf Blu-ray, sondern streamen stattdessen über Sky, Netflix und anderen Anbietern - am besten in 4K und (Corona sei Dank) natürlich auch jeder auf seinem eigenen Fernseher.

Netflix hat auf die neue Situation deshalb jetzt reagiert und die Datenrate runtergeschaut. Statt 4K-Qualität müssen wir alle jetzt für die nächsten 30 Tage mit Full-HD leben. Laut dem Streamingdienst senkt diese Maßnahme den Datenverkehr um 25 Prozent, um so Ausfälle in Europa zu vermeiden. YouTube ist sich seiner Verantwortung ebenfalls bewusst und hat eine Reduzierung der Bildrate gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters angekündigt. Statt in HD, sind die Videos für die nächsten 30 Tage nur noch in SD verfügbar.

Ganz aktuell scheinen auch Instagram und Facebook Maßnahmen zu planen und die Bildqualität drosseln zu wollen. Zumindest berichten mehrere Medien, dass ein Sprecher des Mutterunternehmens eine Senkung der Bitrate angekündigt habe.

Auch in Deutschland ist die Datennutzung durch Home-Office und viele Menschen zu Hause in Corona-Quarantäne zwar extrem hoch. Die Telekommunikationsanbieter sind sich aber sicher, dass die Netze gut genug aufgestellt sind, dass auch in Zukunft nicht ständig Videostreams hängen und Skype-Calls abbrechen.

Wegen Corona: Kein Video-Streaming in Spanien zu regulären Arbeitszeiten - zieht Österreich nach?

Das Internet ist in den vergangenen Tagen an manchen Orten schon an die Belastungsgrenze gestoßen. Und dadurch, dass jeder, der die Möglichkeit dazu hat, gerade aus dem Home-Office arbeiten sollte, müssen Prioritäten gesetzt werden. Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) in Österreich hat zum Beispiel, laut Informationen von derStandard.at, schon das vorübergehende Aussetzen der Netzneutralität angekündigt. Ähnliches hörte man auch aus der Schweiz.

In Deutschland ist laut Bundesnetzagentur im Gesetz der Netzneutralität für eine "erheblichen Zunahme des Netzverkehrs aufgrund von Notsituationen" ein ähnliches Vorgehen möglich. In Spanien haben die Netzbetreiber schon dazu aufgerufen, dass man während der regulären Arbeitszeiten das Streaming und Online-Games, die viele Daten verbrauchen, vermeiden solle. Im ganzen Land gilt wegen der Corona-Pandemie bereits die ganze Woche eine strikte Ausgangssperre.

Deutsche Netzbetreiber bleiben zuversichtlich trotz hoher Datenlast

Was in diesen Zeiten erstmal wie die nächste Hiobsbotschaft klingt, muss dich in Deutschland aber erstmal nicht beunruhigen. Der Branchenverband Bitkom und die Netzbetreiber merken zwar die höheren Datenmengen, zu Problemen führen sie bisher und wohl auch in Zukunft nicht. So hat sich zum Beispiel die Datenmenge bei Instant-Messenger wie WhatsApp in den letzten Tagen bereits verfünffacht. Das Netz sei laut Telekom und Vodafone für hohe Lastspitzen ausgelegt, die tagsüber auch jetzt nicht erreicht werden.

„Aus jetziger Sicht wird die Zunahme von Homeoffice und Streamingdiensten zu keiner Situation führen, in der die Netzkapazitäten an ihre Grenzen geraten“

Telekom-Sprecher im Interview mir der DPA

Gemeint sind die Abendstunden, wenn wir normalerweise alle jeden Tag nach der Arbeit oder der Uni auf der Couch sitzen, und kollektiv Filme und Serien streamen, YouTube schauen und Online-Games zocken. Das verteilt sich im Moment immerhin ein bisschen besser auf den ganzen Tag. „Oberstes Ziel bleibt, die kritische Infrastruktur sicherzustellen", erklärte ein Sprecher der Telekom auf Nachfrage der DPA.

Ein Pro-Tipp zum Schluss: Statt Klopapier-Hamstern einfach mal Lieblingsserie-Hamstern. Dann kannst du Gilmore Girls in den nächsten Wochen noch 43 Mal schauen, ohne das Internet lahm zu legen. 😏