Deutsche Fußball-Nationalmanschaft der Frauen (Foto: imago / Sven Simon)

Lifestyle Meinung Stell dir vor, es ist WM und keiner weiß es

Die Fußball-Weltmeisterschaft startet. Nichts mitbekommen? Keine Fähnchen an den Autos? Keine Bratwurstverpackung in Schwarz Rot Gold? Das liegt wahrscheinlich daran, dass es sich bei dieser WM um die Weltmeisterschaft der Frauen handelt. Und das ist ziemlich schade.

Ich bin generell kein großer Fußballfan. Weder die Bundesliga, noch die Champions League gehen mir sonderlich nahe. Große Events, wie eine Weltmeisterschaft, gucke ich mir trotzdem gerne an. Die kollektive Euphorie steckt mich irgendwie an, gleichzeitig ist es auch fast unmöglich eine WM auszublenden. Aus Gründen.

Let the Spam begin!

Schon Wochen vor einer Fußball-Weltmeisterschaft der Herren drehen die gesamten Marketing-Abteilungen dieser Nation komplett am Rad und servieren uns traditionsgemäß "kreativ" alles in Schwarz Rot Gold: Grillwurst, Hausratsversicherung, Scheibenkratzer, Gemüsebrühe, Klobürste - alles da und eingefärbt!

Egal ob TV, Radio oder Internet, man wird konsequent zugespamt mit WM-Werbung. Bis letztendlich sogar ich Bescheid weiß, dass es langsam losgeht. Dieser "Werbe-Wecker" ist zwar penetrant, aber er zeigt auch an, wie wichtig so ein Großereignis für Firmen aller Art ist. Deshalb wird auch ordentlich Kohle reingebuttert.

Ist die WM der Frauen das Marketing-Budget nicht wert?

Jetzt ist Fußball-WM der Frauen und Fakt ist: Wenn ich nicht bei einem Radiosender arbeiten würde, wo wir in Sitzungen über aktuelle Themen sprechen, hätte ich weder von meiner Müsli-Verpackung noch von meinem Einweg-Grill erfahren, dass bald WM ist.

xxx (Foto: DASDING)

Diese Tatsache bringt mich zu der Annahme, dass es für Firmen einfach nicht rentabel ist, Werbung mit der Frauen-WM zu machen. Samsung und die Commerzbank sind da eine Ausnahme. Beide sind allerdings offizielle DFB-Partner, das heißt ihnen bleibt auch nichts anderes übrig, als Werbung für die WM der Frauen zu schalten.

Der Kampf gegen die Vorurteile

Beide Werbepartner setzen auf Provokation und das ist auch wirklich gut. Aber: beide Werbepartner müssen im Jahre 2019 immer noch Welle machen gegen Vorurteile bezüglich Frauen und Fußball. Diese Tatsache an sich ist dann auch etwas traurig.

Auch die Berichterstattung aller möglichen Medien läuft nach diesem Schema ab. Der gängigste Dreh, selbst wenn wenn er gut gemeint ist, behandelt die vermeintlichen Schwächen der Frauen oder widerlegt diese.

Erfolgreicher als die Männer!

Dabei sollte man sich bei unseren WM-Frauen weder für schlechte Leistungen bei Turnieren schämen, noch für ihr Geschlecht rechtfertigen müssen.

Seit es die Weltmeisterschaften für Frauen gibt, waren die Ladies schon zwei Mal Weltmeister, während die Männer es in dieser Zeit (1991 - Heute) nur einmal geschafft haben. Während die Frauen seit 1984 schon acht mal Europameister wurden, haben die Männer diesen Titel nur einmal geholt.

Neue Zeiten, neues Denken

Manchmal habe ich das Gefühl, dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern etwas hinterher hinkt, wenn es darum geht alte und angestaubte Denkweisen abzuschütteln. Während, laut Berliner Zeitung, in Spanien zu einem Top-Liga-Spiel der Frauen schon mal 60.000 Besucher anrücken, wird hier bei uns gefühlt immer noch diskutiert, ob Frauen überhaupt Fußball spielen dürfen. Es gibt international jedenfalls eine Tendenz zu mehr Aufmerksamkeit für Frauenfußball und das ist ja schon mal was.