Merkel hält ihr Versprechen ein und besucht Ferdi Cebi im Altenheim. (Foto: picture-alliance / dpa, Ina Fassbender;)

Lifestyle Gerechtigkeit Merkel besucht Altenpfleger Ferdi: Ändert sich jetzt was?

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Fast ein Jahr ist es her, da traf Angela Merkel im Wahlkampf auf den Altenpfleger Ferdinand Cebi. Vor laufender Kamera lädt er sie ins Pflegeheim ein. Jetzt hat sie ihr Versprechen eingelöst.

Politiker reden immer viel, etwas ändern tut sich aber nicht wirklich. So denken viele Leute. Einer von ihnen ist Ferdinand Cebi, der sich am liebsten einfach nur Ferdi nennt.

Wie alles begann:

Vor rund einem Jahr war Ferdi Gast in einer Talkshow im Fernsehen. Mit dabei war auch die Bundeskanzlerin - eigentlich mehr, um Stimmen für den Wahlkampf zu fangen. Am Ende gab sie aber ein Versprechen ab.

Denn Ferdi hat die Chance genutzt, um auf seinen Beruf aufmerksam zu machen. Er ist Pfleger in einem Altenheim und versteht nicht ganz, wieso der Beruf noch immer nicht die Anerkennung bekommt, die er verdient: Gesetze würden festgelegt werden, ohne, dass Politiker sich den Beruf überhaupt einmal genauer angeguckt hätten. Den Pflegern würde immer mehr abverlangt. Mittlerweile wäre das einfach zu viel geworden.

Wir, die Pflegekräfte und die älteren Menschen, fühlen uns im Stich gelassen. Wieso ist das so? Wieso wird sich da nicht mehr eingesetzt?

Ferdi Cebi

Anstatt den Anschuldigungen einfach aus den Weg zu gehen, hat sich Merkel der Aufgabe gestellt. Als Ferdi sie in sein Heim eingeladen hat, nimmt sie die Einladung fröhlich an.

❔ Und was ist jetzt passiert ❔

Jetzt hat es fast ein Jahr gedauert, bis sie wirklich bei Ferdi auf der Matte stand. Aber immerhin kommt sie, freut sich Ferdi im Interview mit dem SWR.

Trotzdem läuft nicht alles so, wie er es sich gewünscht hat:

Merkel kam zur falschen Zeit: Sie hat sich für den Nachmittag angemeldet. Die wirklich heiße Phase hat sie damit also nicht mitbekommen. Besonders zwischen sechs und neun Uhr morgens sind die Pfleger am kämpfen.

Außerdem:

Mir wäre am liebsten, dass sie auch nochmal in den Heimen guckt, wo es total schlecht läuft, wo die Leute unterbezahlt sind, wo es auch noch Hygienemängel gibt.

Ferdi Cebi

Kam Merkel nur zum Gucken?

Nicht nur - die Bundeskanzlerin hat mitangepackt. Sie hat bei der Essensverteilung mitgeholfen. Zwar hat sie nur einer Person das Essen angereicht. Aber immerhin. Für Ferdi war das ein Erfolg: "Sie war sofort offen dafür und hat das auch ganz gut gemacht. Es war ein richtig gelungener Tag!"

Was hat er sich jetzt von Merkels Besuch erhofft?

In Ferdis Heim lief es sehr gut. Aber das müsste auch an andere Einrichtungen weitergetragen werden. Er wünscht sich, dass es bald auch mehr Gesetze gibt, die das regeln und den Alltag der Pfleger erleichtern: "Dass Leute ausgenutzt werden, das muss unterbunden werden." Auch die Sechs-Tage-Woche müsste abgeschafft werden.

Ferdis Fazit

Ferdi hat sich über den Besuch von Merkel gefreut. Ganz am Ende hat sie ein Statement abgegeben:

Wenn jemand jeden Tag mit Menschen arbeitet: Warum soll der- oder diejenige nicht genauso viel verdienen wie jemand, der in einer Bank arbeitet? Das ist die Aufgabe, vor der wir stehen.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

❔ Alles nur PR oder ändert sich wirklich was ❔

Hinter dem Ganzen steckt natürlich noch viel mehr. Für Merkel selber bedeutete der Besuch erstmal gute Publicity. Das heißt: Sie kann sich in der Öffentlichkeit sehr positiv darstellen.

Aber schon vorher haben die Meisten eher kritisch auf den Besuch der Kanzlerin geguckt. Ob sich der Abstecher von Merkel im Altenheim wirklich gelohnt hat und nicht alles nächste Woche schon wieder eingeschlafen ist, zeigt sich erst noch. Und zwar besonders dann, wenn neue Gesetze erlassen werden.

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