Szene aus Parasite (Foto: dpa Bildfunk, CJ ENM Corporation/Barunson E&A/Filmfest Cannes)

Lifestyle Meinung Oscars 2020: Darum ist die Auszeichnung von Parasite als bester Film so wichtig

Spektakulär waren die Oscars 2020 nicht. Die größte Überraschung: Der südkoreanische Film Parasite hat vier Oscars abgeräumt. Darunter den Oscar für den besten Film. Warum das absolut verdient ist und wie Parasite die Filmbranche verändern könnte, checkst du hier.

Vergesst Eminems Überraschungs-Auftritt, Billie Eilishs Beatles-Nummer oder Joaquin Phoenix' emotionale Oscar-Rede: Der Star der Oscars 2020 heißt "Parasite"! Als erster (!!) nicht-englischsprachiger Film überhaupt hat "Parasite" den Oscar für den besten Film gewonnen. Das hatte sich zwar in den letzten Monaten durch zahlreiche Auszeichnungen bei anderen Filmpreisen angedeutet, richtig damit gerechnet hat aber wohl keiner. Doch warum ist diese Auszeichnung so verdient und kann "Parasite" Hollywood wirklich verändern?

Darum hat Parasite den Oscar verdient

"Parasite" ist vor allem eines: originell und außergewöhnlich. In Zeiten von Remakes, Reboots und Sequels werden neue Geschichten im Kino immer seltener. Und "Parasite" ist mit Abstand der originellste Film auf der Oscar-Liste. Denn es ist ein richtiger Genre-Mix: Mal Komödie, mal Thriller, ein bisschen Horror - und immer gesellschaftskritisch.

Den Film kann man in keine Schublade stecken. Er ist zu jeder Zeit unberechenbar und damit einzigartig. Das muss auch belohnt werden.

Darum könnte Parasite Hollywood revolutionieren

In den USA gilt die Regel: Ausländische Filme werden nicht synchronisiert oder mit Untertitel geschaut, sondern für den amerikanischen Markt neu gedreht - mit neuen, englischsprachigen Schauspielern und meist neuem Regisseur. Im Vergleich zu Deutschland gibt es dort keinen richtigen Synchronisationsmarkt. Deshalb hat Til Schweiger seinen Film "Honig im Kopf" auch einfach gleich nochmal auf Englisch unter den Namen "Head Full of Honey" gedreht.

Normalerweise nicht in den großen Kinos

Filme wie "Parasite" laufen so auch kaum bis gar nicht in den Kinos an. Selbst hier bei uns in Deutschland lief der südkoreanische Film nur in Programmkinos. So kommt es, dass seit Beginn der Oscars lediglich ZEHN nicht englischsprachige Filme in der Kategorie "Bester Film" nominiert wurden. Keiner hatte gewonnen. Jetzt hat es "Parasite" geschafft.

Parasite und der Hype

Spätestens seit den sechs Oscar-Nominierungen ist um "Parasite" ein regelrechter Hype entstanden. Nicht nur bei den Filmkritikern und Fans, sondern auch bei vielen amerikanischen Schauspielern:

Parasite. OMG. See @ParasiteMovie.

"Parasite" hat eines geschafft: Den Fokus endlich mal wieder auf Arthouse-Filme statt Blockbuster zu lenken. UND Filme aus dem Ausland einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Die südkoreanischen Filme wie "Old Boy" oder "Snowpiercer" haben in Filmkreisen längst Kultstatus, sind bei der breiten Masse aber immer noch unbekannt. Das könnte "Parasite" jetzt ändern! Vielleicht laufen in Zukunft solche Nischen-Filme auch in den großen Kinos und bekommen so die Plattform, die sie verdienen.

Konsumverhalten in den USA

Und vielleicht gelingt es dem Film sogar, dass sich das Konsumverhalten in den USA und anderen Teilen der Welt ändert und solche Filme entweder synchronisiert oder mit Untertitel gezeigt werden. Dann wäre es auch in Zukunft vielleicht nichts Außergewöhnliches mehr, wenn ein Film aus Südkorea, Brasilien oder auch Deutschland bei den Oscars abräumt. Denn mal ehrlich: Nur US-Blockbuster mit patriotischem Anstrich sind viel zu langweilig.