Marcel Reif /// Copyright Imago / Christian Grube

"Deine Familie soll brennen" - der Hass gegen Marcel Reif

Er ist einer der bekanntesten Fußball-Kommentatoren in Deutschland. Gleichzeitig ist Marcel Reif aber auch der meistgehasste Sprecher und wurde während seiner Karriere regelmäßig das Ziel von heftigen Anfeindungen. Im Interview spricht er über die krassesten Momente in seiner Laufbahn.

1984 hat Marcel Reif seine Karriere als Sportkommentator beim ZDF begonnen. Zwischenzeitlich wechselte er für einige Jahre zu RTL und kommentierte dort vor allem Champions-League-Spiele. Danach wechselte er zu SKY und der Hass gegen ihn hat begonnen. „Ich war bei einem Pokalspiel in Dresden. Ich habe dort eine Form von Hass in Gesichtern gesehen. Da habe ich mich gefragt, ob ich das noch machen will. Welche Art von Wut und Hass ein Mensch auslösen kann, der über Fußball redet. Man kann das ja für Quatsch halten. Oder sagen, dass es schlecht ist. Aber dieses Ausmaß hat mir dann doch zu denken gegeben und es war einer der Gründe, über einen fröhlichen Abschied nachzudenken", erinnert sich Reif an die schlimmen Momente seiner Laufbahn.


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„Wenn Menschen sich anonym auskotzen können...“

Vor allem in den letzten Jahren wurde die Kritik immer heftiger. In den sozialen Medien liefen regelrechte Hetzkampagnen gegen den heute 67-Jährigen. „Mich stört an den sozialen Medien, dass man seine Meinung anonym verbreiten kann. Wenn Menschen sich anonym auskotzen können, dann machen sie das in einem Ausmaß, das sie sonst nicht nutzen würden, wenn sie dir ins Gesicht schauen. Wenn es Beleidigungen waren, dann habe ich die gelöscht", beschreibt er die Probleme, mit denen er in den letzten Jahren konfrontiert wurde.

Wenn es jedoch um die Familie geht, hört bei Marcel Reif der Spaß auf. Er erinnert sich an ein Spiel in Dortmund, als er mit dem Auto zum Stadion kam. Auf dem Weg wurde er von wütenden Fans gestoppt, die sein Auto umzingelten. „Meine Frau ist mitgefahren und sie hatte wirklich Angst - da wurde ich zum weißen Ritter. Das geht wirklich nicht. Das war weit über das erträgliche Maß hinaus", so Reif.


„Wenn ich kommentiere, dann sage ich meine Meinung. Und da kann jeder natürlich eine andere Meinung haben. Ich ertrage da auch Beleidigungen, da bin ich wirklich hart im nehmen." Da stören ihn auch keine Kampagnen, wie beispielweise "Marcel Reif - Kommentarverbot!" bei Facebook. Wenn es dann aber so krass wird, wie vor einigen Jahren, findet es auch Reif nicht mehr lustig: "Wenn ich aber Kommentare wie „Deine Familie soll brennen“ lese - den habe ich mir dann zusammen mit der Staatsanwaltschaft geschnappt. Der hat dann schön eine Geldstrafe bezahlt und ich habe nie wieder etwas von ihm gehört. Sobald es um meine Familie geht, hört bei mir die Toleranz auf.“

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Wie wird man eigentlich Fußballkommentator?

Ein Blick auf die Karriere von Marcel Reif zeigt ziemlich deutlich, dass man vor allem eins haben muss für diesen Job: Ein richtig dickes Fell! Natürlich gehören aber noch ein paar andere Dinge dazu, um Erfolg als Sportkommentator zu haben. „30 Prozent sind Talent, der Rest ist Handwerk. Man sollte sich gut mit Fußball auskennen und sich eine Sprache aneignen, die über die eines mittelmäßig begabten Schimpansen hinausgeht. Auch wenn es „nur“ um Fußball geht.“


Stand: 11.05.2017 Autor: Marcel Hildmann