Grüner Knopf (Foto: dpa Bildfunk, Britta Pedersen)

Lifestyle Fair Fashion Grüner Knopf: Faires Siegel oder nur verwirrend?

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Der Grüne Knopf soll Ausbeutung in der Textilindustrie stoppen und Konsumenten Orientierung beim fairen Shopping geben. Ob das Siegel wirklich so gut ist, wie es klingt, checkst du hier.

Der Blaue Engel, GOTS, Made in Green… Bei der Menge an Siegeln, die es gibt, ist es für uns Verbraucher nicht immer einfach zu erkennen, ob ein Kleidungsstück fair und ökologisch produziert wurde. Abhilfe soll jetzt das erste staatliche Siegel verschaffen, der Grüne Knopf soll die Textilindustrie fairer machen.

Die Arbeiter sind wie Sklaven in Textilfabriken. Arbeiten für 15 Cent, 14 Stunden, sechs Tage die Woche. Das ist Ausbeutung wie im 19. Jahrhundert.

Bundesentwicklungsminister Müller

46 Kriterien müssen erfüllt werden

Insgesamt gibt es 46 Kriterien, die eingehalten werden müssen - sowohl vom Produkt als auch vom Unternehmen selbst.

➡️ 20 Unternehmenskriterien:
Hier geht's zum Beispiel darum, dass sich Unternehmen dazu bekennen, internationale Standards einzuhalten und öffentlich zu berichten.

➡️ 26 Produktkriterien:
Zum Beispiel sind gefährliche Chemikalien, Kinderarbeit und Zwangsarbeit in den Betrieben verboten, außerdem verpflichten sich Unternehmen zur Zahlung des Mindestlohns.

Geprüft werden diese Kriterien dann stichprobenmäßig von unabhängigen Prüfstellen, wie dem TÜV.

Werden Teile wegen des grünen Knopfes teurer? 💸

Teurer werden sollen Kleidungsstücke, die das Siegel tragen, aber nicht, versicherte Entwicklungsminister Gerd Müller, der den Grünen Knopf auf den Weg gebracht hat:

Eine Jeans mit dem Grünen Knopf kostet in der Produktion am Ende etwa einen Dollar mehr. Das reicht, um den Frauen in Bangladesch einen Lohn zu zahlen, von dem sie leben können.

Gerd Müller

Kritik am Siegel 👎

Die Meinungen über das neue Siegel sind geteilt. Einerseits finden Verbraucherschützer und Umweltorganisationen, dass es dadurch zwar mehr Orientierung für den Konsumenten gebe, aber sie bemängeln auch einiges:

  • In der Pilotphase werden nur einzelne Bereiche der Produktion (Nähen, Bleichen und Färben) überwacht, nicht aber die Rohstoffproduktion (Feldarbeit)
  • Der Mindestlohn, zu dessen Bezahlung sich die Unternehmen verpflichten, reiche zum Leben nicht aus
  • Das Label sei freiwillig
  • Das Siegel könne verwirren, denn es gebe bereits Siegel wie GOTS, kba, Oeko-Tex

Wer macht mit beim "Grünen Knopf"?

Momentan bieten 27 Unternehmen Produkte mit dem grünen Knopf an. Darunter Tchibo, Lidl und Kaufland. Es haben sich allerdings noch mehr Betriebe auf das Siegel beworben, die momentan überprüft werden. Bis der Grüne Knopf flächendeckend eingeführt ist, kann es also noch ein Weilchen dauern. 

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