ScreenshotprivatesHandyLauraBisch (Foto: DASDING, Screenshot/privatesHandy/LauraBisch)

Lifestyle Datensicherheit Ist der Login mit Verimi sicherer als mit Facebook und Google?

Statt uns immer wieder einen neuen Account zu erstellen, bieten viele Seiten die Möglichkeit, uns ganz bequem mit unserem Facebook- oder Google-Konto anzumelden. Heute geht eine Alternative deutscher Firmen dazu an den Start.

"Verimi" heißt die Identitätsplattform, die den Online-Schwergewichten aus den USA ab sofort Konkurrenz machen soll. Heute geht sie an den Start. Damit ist sie die erste Plattform dieser Art aus Deutschland.

Heißt ganz einfach: Statt mit unseren Google- und Facebook-Konten können wir uns ab heute genauso bequem mit Verimi anmelden, ohne uns immer wieder neue Accounts für jeden Anbieter erstellen zu müssen, deren Passwörter wir eh früher oder später vergessen. 🙊

Das kann Verimi

Außerdem können sich Nutzer per Video-Identikationsverfahren ausweisen. Heißt: Ausweis in die Kamera halten und von einem Verimi-Mitarbeiter kontrollieren lassen.

Nach und nach sollen dann noch Funktionen wie die elektronische Signatur, Bezahldienste oder das sichere Hochladen sensibler Dokumente dazukommen.

Wer steckt hinter Verimi?

Hinter der neuen Plattform stecken große deutsche Unternehmen wie Allianz, Daimler, der Medienkonzern Springer, die Deutsche Telekom, Lufthansa und der Sicherheits-Spezialist Giesecke+Devrient, der unter anderem stark im Geschäft mit Chips für Bankkarten oder SIM-Modulen in Handys ist.

Verdienen soll die Plattform übrigens an Provisionen der Log-Ins.

Wozu ist Verimi gut?

Gerade jetzt, wo Facebook sich in einem großen Datenskandal befindet, weil die Datenanalysefirma Millionen Nutzerdaten abgegriffen hat, wird uns wieder klar, dass unsere Daten im Internet nie so richtig sicher sind. Vor allem dann nicht, wenn die Daten nicht in Deutschland gespeichert werden und so auch oftmals kein deutsches Recht greift. Das findet auch Verimi-Chefin Donata Hopfen:

Der Datenskandal von Facebook zeigt, dass wir dringend eine europäische Alternative brauchen.

Verimi-Chefin Donata Hopfen

Mehr Datensicherheit: Wenn Internet-Giganten wie Facebook und Google dann mal gehackt werden, zieht das einen richtigen Rattenschwanz hinter sich her – denn oft sind dann nicht nur die Daten in den Netzwerken selbst davon betroffen, sondern auch die, die Facebook und Google gesammelt haben, als wir uns mit deren Accounts bei anderen Seiten eingeloggt haben.

Datenschutzgrundverordnung erfüllt: Außerdem sei auch die Video-Identifikation besonders sicher. Mit solchen Verfahren erfülle der Dienst auch die Standards der Datenschutzgrundverordnung, die am 25. Mai in Kraft tritt.

Weniger Daten für Facebook und Co.: Verimi ist von den deutschen Firmen quasi als Konkurrenz gedacht. Außerdem bekommen die Datenriesen – wie eben Facebook und Google – nicht mehr so viele von unseren Daten. Denn je häufiger wir uns irgendwo mit denen anmelden, desto mehr Daten können die über uns abgreifen.

Kooperation mit Behörden: Verimi wendet sich außerdem auch speziell an Behörden, sagt die Verimi-Chefin weiter. Die sollen nämlich auch Verimi benutzen, um Bürgern einen komfortablen Zugriff auf ihre Internetportale zu ermöglichen. Damit hätten wir dann auch den selben Log-In für alle Behördenseiten.

Was ist bedenklich?

Wenige Kooperationen, wenig praktisch: Aber wie praktikabel ist das neue System denn wirklich? Facebook und Google gibt es auf fast jeder Seite, egal wie klein sie auch ist – bei Verimi wird das noch lange dauern, bis der Dienst genauso verbreitet ist und eine ähnliche Zahl an Kooperationen hat. Falls das überhaupt jemals passiert.

Verimi könnte auch gehackt werden: Außerdem wäre Verimi damit ein weiterer Dienst, dem ich sehr viele und teilweise sehr vertrauliche Daten gebe. Und auch der ist nicht unhackbar!

Unternehmen wollen immer Geld verdienen: Auch hinter Verimi steht ein Unternehmen, das letztendlich Umsatz machen möchte. Und hinter diesem Unternehmen stehen wiederrum andere große Unternehmen, für die sich das Ganze ja auch lohnen muss. Der Zeitpunkt für den Launch ist natürlich günstig: Nach dem Datenskandal haben nämlich alle Angst davor, Opfer eines weiteren Datenkklaus zu werden. 

Welche Daten will Verimi von mir beim Log-In?

Wer sich so einen "Generalschlüssel" für verschiedene Webseiten erstellen möchte, kann sich auf der Webseite von Verimi anmelden. Gefordert werden von dir lediglich deine Mail-Adresse und dein Name.

Ob sich Verimi in Zukunft gegen Facebook und Google durchsetzen kann, wird wohl davon abhängen, wie viele von uns darauf umsteigen. Wenn die Plattform aber tatsächlich hält, was sie bisher an Datensicherheit verspricht und wenn viele Webseiten mit dem Dienst kooperieren wollen, könnte sich ein Umstieg lohnen.