Lifestyle Politik Jan Böhmermann als SPD-Chef: Ernst oder alles nur Werbung?

Der Satiriker Jan Böhmermann will neuer Chef der SPD werden – das hat er zumindest in seiner Sendung "Neo Magazine Royale" gesagt und ist sich damit auch ziemlich sicher. Aber was steckt dahinter?

Update:

In der letzten Sendung "Neomagazin Royale" vom 05.09.2019 sprach Böhmermann erneut seine Bewerbung zum SPD-Vorsitzenden an - und dabei wirkte er relativ sicher.

Die Juristinnen und Juristen vom Team #Neustart19 hatten natürlich von vorneherein einen Plan. Wir haben seit Sonntag 18 Uhr durchgearbeitet, um doch noch einen Weg zu finden, wie ich legal und just in time Parteivorsitzender der SPD werden kann. Ich möchte noch nicht zuviel verraten. Nur soviel: Ich werde der neue Parteivorsitzende der SPD.

Böhmermann in der Sendung Neomagazin Royale am 05.09.2019

Böhmermann wirkt Selbstbewusst, dabei sind die Chancen doch eher gering.

Was bisher passiert ist:

"Ich, Jan Böhmermann, möchte Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands werden." Mit diesen Worten ließ der ZDF-Moderator am Donnerstagabend die Bombe platzen. Später konnten Twitter-Nutzer die Ankündigung dann noch einmal schwarz auf weiß lesen:

Ich, Jan Böhmermann, bewerbe mich als SPD Vorsitzender. https://t.co/pJt20yxJIx #neustart19 https://t.co/p3C02cDiSj

Kann Jan Böhmermann überhaupt SPD-Vorstand werden?

Die Info, Böhmermann habe die ernste Absicht, SPD-Parteichef zu werden, ist mit Vorsicht zu genießen: Zwar hat er während seiner Sendung und auf Twitter immer wieder beteuert, dass seine Bewerbung ernst ist – allerdings sind sowohl Böhmermann als auch das Neo Magazine Royale bekannt für Satire. Heißt: Oft werden Aussagen als ernst verkauft und Witze nicht aufgelöst – das heißt aber nicht, dass sie auch ernst gemeint sind.

Aber selbst wenn Böhmermann wirklich SPD-Chef werden wollte, erfüllt er – zumindest im Moment – noch nicht alle Anforderungen. Wir erklären, welche das sind.

1. Böhmermann ist kein SPD-Mitglied

Um sich in der SPD engagieren zu können, muss man nicht unbedingt Parteimitglied sein – das steht ausdrücklich in der Satzung der SPD. Darin legt die Partei ihre Regeln fest.

Um allerdings wirklich abstimmen zu dürfen oder eben Chef zu werden, müsste Böhmermann auf jeden Fall SPD-Mitglied werden – und die Deadline war bereits am 1. September um 18 Uhr. Bis dahin hätte er nämlich alle Bewerbung eingreichen müssen, um sich als Vorstand zu bewerben.

Blöd nur, dass gerade so ein Antrag auf eine Parteimitgliedschaft vor allem eins braucht: Zeit – laut der Satzung bis zu einem Monat:

Über die Aufnahme neuer Mitglieder muss der Ortsvereinsvorstand innerhalb eines Monats entscheiden.

Auszug aus der Satzung der SPD

2. Böhmermann braucht Unterstützung

Und da wären wir schon beim zweiten Problem: Böhmermann bräuchte nicht nur eine gültige Mitgliedschaft, um seine Bewerbung offiziell einreichen zu können, sondern auch die Unterstützung von mehreren SPD-Gremien. Dazu zählen entweder fünf SPD-Unterbezirke oder ein Bezirk oder ein Landesverband.

Bisher gab es zwar schon verschiedene Reaktionen aus der SPD zu Böhmermanns Vorstoß, eine ernste Unterstützung war allerdings nicht dabei. Kevin Kühnert, der Chef der Jusos – also der Jugendorganisation der SPD – hat zumindest mit Humor reagiert:

Kluge Kampagne. Das CD sieht aus wie bei einem durchschnittlichen #SPD-Ortsverein. Es fehlen noch AWO-Tischdecke und IG Metall-Cap, dann könnten die ersten Unterbezirke weich werden. Tipp: Mehr Willy Brandt-Zitate nutzen. #neustart19 https://t.co/JRpNehahnL

Viele andere SPD-Politiker dürften da weniger Spaß verstehen, denn Böhmermann hat sich – alleine in der letzten Ausgabe seiner Sendung – über viele von ihnen massiv lustig gemacht und ihnen teils Inkompetenz unterstellt.

Ärger über Böhmermanns Ankündigung gibt's aber nicht nur bei Politikern: Der Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld findet, dass der Satiriker mit der Aktion der Politik allgemein schadet. Das hat er der "Bild"-Zeitung gesagt.

Die merkwürdige Kandidatenkür der SPD wird hier zu einem Höhepunkt getrieben, der bestenfalls als humorvoll bezeichnet werden kann. Solche Aktionen reduzieren weiter das Vertrauen und den Respekt vor der Politik.

Werner Weidenfeld, Politikwissenschaftler

Alles nur Werbung?

Du siehst: Es gibt mehrere Gründe, warum Jan Böhmermann wohl eher nicht neuer SPD-Chef werden wird. Dass er die Bedingungen bis zum 1. September erfüllen konnte, ist eher unwahrscheinlich.

Aber es gibt noch einen weiteren Umstand, der darauf hinweist, dass Böhmermann gar nicht wirklich SPD-Chef werden will: Das Ganze könnte eine Werbeaktion sein. Denn: Die Folgen waren die ersten Ausgaben des Neo Magazine Royales nach einer längeren Sommerpause und könnten daher eine geschickte Marketing-Aktion sein, um wieder ins Gespräch zu kommen.

Oder, Herr Böhmermann?