Plastik Tüten (Foto: Imago, epd)

Lifestyle Meinung 1 Cent pro Obsttüte: Darum kann das bei uns Deutschen klappen

Wer bei Aldi sein Obst in dünne Plastiktüten packen will, muss in Zukunft einen Cent bezahlen. Damit soll der Plastikmüll bekämpft werden. Für viele ist das zu wenig. DASDING Redakteur Yannick findet: Ein erster und wichtiger Schritt.

3 Milliarden Obsttüten wurden im vergangenen Jahr verbraucht. 3 (!) Milliarden Tüten. Diese Zahlen hat das Bundesumweltministerum veröffentlicht und macht deutlich: So ganz klappt das mit der Plastikreduzierung in Deutschland noch nicht. Aldi hat jetzt reagiert und will für jede Obsttüte einen "symbolischen" Cent verlangen und bekommt vor allem auf Social Media eine Menge Hate ab. Denn gerade die jüngere Generation hat langsam die Schnauze voll und will radikalere Entscheidungen.

Klar, ein Cent für eine Obsttüte klingt erstmal eher wie eine Überschrift eines Postillon-Artikels. Aber der eine Cent könnte tatsächlich etwas bewirken.

Was soll dieser eine Cent für Tüten bringen?

Seit es die etwas größeren und dickeren Plastiktüten an der Ladenkasse nicht mehr für lau gibt, greifen wohl immer mehr Kunden zu den dünneren Obsttüten, um den Einkauf zu verstauen. Das Problem wurde somit nur verlagert. Doch die Bezahlpflicht an der Kasse zeigt: Diese Maßnahme hat etwas gebracht - 2018 ging der Verbrauch der Tüten an der Kasse um rund 20 Prozent zurück.

Für Petra Thiele aus der SWR-Wirtschaftsredaktion steckt eine psychologische Barriere dahinter:

Wenn etwas Geld kostet, dann überlegt sich der deutsche Kunde: Brauche ich das jetzt wirklich?

Petra Thiele, Wirtschaftsredaktion

Und das ist der Punkt: Ja, der eine Cent wird für viele kein Loch in den Geldbeutel reißen. ABER: Man denkt wahrscheinlich beim Einkauf kurz darüber nach, ob man die zwei Äpfel nicht auch ohne Tüte tragen kann. Und alleine das wäre schon ein Gewinn.

Warum muss alles in Plastik verpackt sein?

Für viele geht das noch nicht weit genug. Und es stimmt: Wenn ich durch den Supermarkt laufe und sehe, dass wirklich ALLES in Plastik eingepackt ist, bekomme ich ziemlich miese Laune. Muss wirklich jede Kleinigkeit nochmal extra in Plastik verpackt werden? Und sollten nicht auch mal die großen Konzerne in die Pflicht genommen werden, ihre Verpackungen umweltfreundlich zu optimieren? Und nicht immer nur der Verbraucher?

In diesen Ländern sind Plastiktüten sogar bereits verboten:

Vor allem die ganz dünnen Tüten sind oft verboten - jedes Land hat aber seine ganz eigenen Regeln. Wie genau die aussehen, könnt ihr in unseren Quellen nachlesen.

Was gibt es für Alternativen?

Das Gute: Auch andere Supermarkt-Ketten reagieren und wollen Stück für Stück Plastik aus dem Laden verbannen. Real will ab 2020 kostenlose Papierbeutel anbieten. Diese haben aber aufgrund des hohen Energie- und Wasserverbrauchs in der Produktion auch nicht die beste Ökobilanz. Bei Rewe oder Edeka gibt es in der Gemüseabteilung schon kleine Gemüse-Netze aus Baumwolle. Die kosten meistens nur knapp einen Euro und sind praktisch und umweltfreundlich, weil sie wiederverwendet werden können. Auch Aldi will diese Netze demnächst anbieten. Ähnlich wie beim Jutebeutel ist aber auch hier die Gefahr, dass das Netz zu Hause vergessen wird und man in der Not vielleicht doch wieder zur Plastiktüte greift.

Die Jüngeren haben die Schnauze voll

Ganz auf Plastik verzichten kann man wahrscheinlich nicht. Gerade in puncto Hygiene und Haltbarkeit bietet Kunststoff für Unternehmen immer noch zu viele Vorteile. Deshalb ist dieser eine symbolische Cent trotz aller Kritik ein kluger Schritt: Das Thema bleibt so weiterhin im Bewusstsein vieler Menschen. Und das Thema Umweltschutz ist ja aktuell gerade bei den Jüngeren enorm wichtig. Das zeigen die Fridays for Future-Demos oder auch das Rezo-Video vor der Europa-Wahl.

Für viele junge Menschen geht es gerade in diesem Punkt einfach viel zu langsam. Und es ist auch gut, dass auf die großen Unternehmen Druck ausgeübt wird. Es scheint noch ein langer Weg zu sein, aber immerhin bewegt sich mal etwas.