David Lesh nach seinem Flugzeugabsturz  (Foto: @davidlesh Instagram.com)

Lifestyle Meinung Flugzeugabsturz und Motorradunfall auf Instagram - geht's noch?

Influencer, die ihre eigenen Unfälle online dokumentieren, gehen definitiv zu weit. Zuletzt wurden Videos und Fotos von einem Flugzeugabsturz und einem Motorradunfall gepostet.

Zurzeit wird es immer offensichtlicher, dass für manche Leute die Grenze zwischen Realität und Online-Welt immer mehr verschwimmt. Blöd nur, wenn das auch noch "Influencer" sind, denen ganz viele Leute täglich bei jeder Kleinigkeit zuschauen. Gerade zeichnet sich ein merkwürdiger und höchst fragwürdiger Trend ab: Leute, die sich bei ihren Unfällen zeigen und glauben, dass das völlig okay ist. Langsam frage ich mich: Geht's eigentlich noch?

1. Eine Instagrammerin zeigt ihren vermeintlichen Motorradunfall

Lifestyle blogger Tiffany Mitchell is facing criticism for posting photos she says her friend took following a minor motorcycle accident in Tennessee, including a picture in which a bottle of SmartWater is featured prominently. Mitchell says the photos were neither staged nor an ad, said she was grateful her friend captured the moments after the accident, and said in her caption that she lost a partner to a motorcycle accident three years ago, so the accident especially affected her. (📸: @tifforelie)

Die amerikanische Bloggerin Tiffany Mitchell postet professionell geschossene, schön in Szene gesetzte Bilder von einem Motorradunfall. Natürlich mit Filter. Prominent an der Unfallstelle platziert: eine Wasserflasche.

Alles an dieser Geschichte ist dubios. Woher die Fotos kommen? Ihre Freundin war zufällig vor Ort und zufällig ist sie eben auch Fotografin. Der Shitstorm ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Die Leute kommentieren: "Das ist eine Beleidigung für Leute, die wirklich in Motorradunfälle geraten." oder "Das ist Bullshi*, sage ich als Fotograf und Motorradfahrer."

Das sagt die Influencerin zu den Vorwürfen, dass der Motorradunfall fake sei

I’ve been figuring out how to respond to everything that’s unfolded recently regarding the post I shared 3 weeks ago about my moto accident. I won’t get into that post here (see my Moto Accident story highlight for all the details), but I want to talk about the reactions I’ve been getting to the article @buzzfeednews posted sensationalizing what I went through that day, and making a mockery of the post I shared. As a result, I’ve been accused of staging the accident to get attention, using it as a product placement opportunity with a water company, and other things I can’t even wrap my head around. I’ve been sharing real life stories here since I started my account. I’ve opened up about miscarriage, divorce, anxiety, losing my partner in a moto accident 3 years ago, and navigating the grief that followed. I’ve chosen to use Instagram as a tool for healing and connecting with other humans who may be going through similar things so we can do it together. And it’s been beautiful. When I work with brands, they’re ones I personally enjoy, and I disclose every single sponsorship. Accusing someone of faking or exploiting an accident is extremely serious—because what if you’re wrong? It really happened to me, and I was scared. I really was injured and had to recover. I was in shock laying on the side of the road, having flashbacks to when I lost someone very important to me. Friends were by my side, strangers called an ambulance, waited while I was checked out and then gave me a ride home. When I found out my professional photographer friend who I’d been shooting with earlier took photos of everything, I was completely moved. I shared this on my feed with humans who have been on a journey with me for years because I knew they would understand what it meant to me and I understood what it would mean to them. I’m sad that something so true and personal has been treated this way, and disappointed in BuzzFeed for spinning it there. I would just ask that if you’re here because of this, consider that the post I made was something real that happened in my life that resonated deeply with me and those who have chosen to follow me. That’s what it was intended for. 💛🌾

In ihrer Story äußert sich Tiffany und versucht zu erklären, dass ihre Freundin einfach immer eine Kamera dabei hat. Auch in diesem Moment. Und natürlich wurden die Fotos erst gemacht, nachdem gecheckt wurde, dass es ihr gut geht. Sie hätte die Fotos erst im Nachhinein gesehen. Sie hat sich bewusst dazu entschieden solche "echten" Sachen auf Instagram zu zeigen. Sie hat anscheinend auch einen früheren Partner bei einem Motorradunfall verloren und einen sehr besonderen Bezug zu diesem Thema.

Wie man das hätte besser machen können:

Wenn sie sich wirklich verletzlich zeigen will, wieso muss es dann so perfekt inszeniert sein? Liebe Tiffany, zeige dich ohne Filter, ungeschminkt, ohne Wassermarken und mit Staub oder Wunden, die du davongetragen hast - NACH deinem Unfall. Der Effekt wäre sogar besser. In der Story sind einige Verletzungen zu sehen - unbearbeitet. Das wäre vielleicht ein besserer Post gewesen. Ohne Shitstorm.

Nächster Fall:

Influencer filmt sich direkt nach einem Flugzeugabsturz im Meer

Experienced an engine failure off the coast of San Francisco today during a photo formation flight, had to ditch into the ocean. Bobbed around getting hypothermia and stung by jelly fish for 45min. Huge thanks to the @uscg and @sjcspotter for coordinating the rescue, stoked to make it out without a scratch. I’ll put together a full video ASAP.

Nächstes Problem-Influencer-Kind: David Lesh. Auf seinem Instagram-Kanal zeigt er immer mal wieder, wie er mit seinem Flugzeug unterwegs ist. Jetzt hat er seinen Absturz vor der Küste von San Francisco gezeigt - den er übrigens unbeschadet überstanden hat. Okay, zugegeben: perfekt inszeniert wurde das im Vergleich nicht. Aber come on: Das erste was er macht, während er im Meer von Quallen gestochen wird und auf Rettung wartet, ist ernsthaft ein Selfie-Video?

#NEW video — WATCH as pilot and passenger get their first glimpse of @USCG. At 11 p.m., you’ll hear from the pilot and the crew who rescued him and his passenger. 👇🏼👇🏼👇🏼 https://t.co/du3ta4kICe #abc7now https://t.co/Qt1mqYsBBL

Den Absturz konnte wohl ein zweites Flugzeug filmen, das dabei war, um Luftaufnahmen zu machen. Auch hier haben die Leute geglaubt, dass der Absturz ein Stunt war. Unter anderem, weil er sehr ruhig vor der Kamera alles kommentiert. Und weil das für einen Extremsportler, wie ihn, nicht außergewöhnlich wäre. Seine Antwort an einen Lokalsender war:

Durch die verrückten Dinge, die ich mein ganzes Leben lang bisher erfahren habe, habe ich gelernt, wie ich in Notfallsituationen ruhig bleibe. Wenn ich mit solchen Extremsituationen nicht umgehen könnte, wäre ich nicht hier, um darüber zu sprechen.

ABC7 News im Interview mit David Lesh

Das Problem an solchen Unfällen auf Social Media

Ja, diese Influencer wollen auch die extremen Situationen und die verletzlichen Seiten zeigen. An sich kein verkehrter Gedanke, bei der perfekt retouchierten Instagram-Welt. Aber solche Dinge sind nicht "ehrlich", zumindest nicht für die Meisten. Diese Bilder erscheinen auf den ersten Blick und ohne Kontext so, als wäre das okay, sein Handy in solchen Situationen zu zücken. Aber es ist nicht okay in Unfallsituationen sein Handy raus zu holen. Vor allem als Außenstehender. Nicht jeder hat einen professionellen Fotografen an der Seite und nicht jeder kann mit Unfallsituationen so gut umgehen.