Mann aus der Gillette-Werbung schaut in den Spiegel (Foto: Screenshot Youtube/Gillette)

Lifestyle Meinung #GilletteAd sorgt für Shitstorm: Sind wir Männer wirklich so scheiße?

Was macht einen echten Mann aus? Darum geht es in einem neuen Werbespot von Gillette. Doch der Rasierer-Hersteller muss Dank seinem Spot mit ordentlich Gegenwind leben.

Männer stehen am Grill, Jungs mobben sich, Männer als Chef, Männer sehen Frauen ausschließlich als Sexobjekt. Damit beginnt ein neuer US-Werbespot vom Rasierer-Hersteller Gillette. Irgendwann schwingt der Spot um in ein Idealbild von Männern - zumindest nach Meinung der Gillette-Marketingabteilung. Bei YouTube sammelt der Clip tausende Dislikes und bei Twitter ist #GilletteAd schnell in den Trends gelandet. Was ist da los? Ein Erklärungsversuch - von einem Mann.

Worum geht's in dem Film?

Gillette greift mit dem Spot eigentlich genau die Männer an, die hoffentlich in der Minderheit sind. Machomänner, die sich für die Geilsten halten und die "typischen" klischeehaften Männersachen machen. Im Netz geht nun der Begriff "toxische Männlichkeit" um. Dabei soll es vor allem um Männer gehen, die sehr an veralteten Beziehungskonzepten und Strukturen zwischen Mann und Frau festhalten. Genau diese Männer stellt Gillette mit seinem Spot an den Pranger. Gleichzeitig zeigen sie ein Bild von Männern, das sie mit dem Slogan "The Best Men Can Be" betiteln. Ihre Vorstellung vom perfekten Mann. Diese Werte sollen wir auch an unsere Jungs vermitteln, denn sie seien die Männer von morgen.

Gutes Benehmen, sich nicht prügeln, Respekt gegenüber anderen. Diese Werte bringe ich meinen Söhnen auch bei. Sie werden nie stalken oder unangebrachte sexistische Kommentare bringen. Sie werden Frauen respektieren und sich an diese Selbstverständlichkeiten halten #GilletteAd

Was ist das Problem?

Die Kritik ist sehr unterschiedlich. Viele finden, die Wunschvorstellung vom Gillette-Mann seien Selbstverständlichkeiten und gelten als Anstand.

Das komische ist ja, dass die #GilletteAd eigentlich nur Selbstverständlichkeiten herausstellt, insbesondere Anstand. Und Anstand hat echte Männer schon immer ausgemacht. Wer mit dem Werbespot ein Problem hat, hat echt ein Problem.

Andere sind der Meinung, die Werbung würde Männerhass propagieren und Männer generell als böse darstellen.

Unter dem Hashtag #GilletteAd schreiben die Leute, dass nur getretene Hunde bellen. Ignoriert ihr den Fakt, dass diese Werbung verallgemeinert und uns Männer als böse darstellt und es schafft die Frau wieder in die Opferrolle zu stecken. Das was wir hier erleben ist Männerhass!

Viele haben aber auch die Intention von Gillette verstanden und kritisieren genau diese.

1. "Ihr Männer müsst die armen Frauen gegen Mackertum beschützen" ist immer noch Mackertum. 2. Gillette ist immer noch ein ekelhafter Konzern, der unrealistische, geschlechterspezifische Schönheitsideale propagiert und von diesen profitiert. #stillnotlovinggillette #GilletteAd

Warum macht Gillette das?

Gillette selbst schreibt zum Beispiel, sie würden als Marke den Mann seit über 100 Jahren begleiten. Das Männerbild hat sich seitdem gravierend verändert und sie wollen Teil dieser Veränderung sein. Die Intention wäre nicht, alle Männer an den Pranger zu stellen, sondern alle Männer zu inspirieren, ihr Bestes zu geben. Ein paar blöde Typen wären ein paar zu viel.

Das einzige, dass mich an der #GilletteAd stört ist, dass ich zu wenig über das Produkt erfahre.

Die Werbung ist natürlich keine Produktwerbung für einen neuen, tollen Rasierer, sondern ein Imagespot. Das sollte eigentlich jedem klar sein. Um zu verdeutlichen wie wichtig Gillette das Thema ist, wollen sie in den nächsten drei Jahren drei Millionen Dollar an gemeinnützige Organisationen spenden, um Männern dabei zu helfen, ein Vorbild für die nächste Generation zu werden.

Was sagt "Mann" jetzt dazu?

Gute Idee, schlechte Ausführung - das wäre mein Fazit. In einem Spot Klischees zu bemängeln und ausschließlich mit Klischees zu arbeiten, ist meiner Meinung nach eher semi-ideal. Klar, ohne die "typischen" Männerklischees am Anfang funktioniert die Werbung nicht, doch den total überzeichneten Wunschmann als Lösung zu präsentieren ist nur halb gelungen. Hier sind wir wieder beim Thema Selbstverständlichkeit und Anstand.

Außerdem weiß ich nicht, ob es die Aufgabe eines Rasierer-Herstellers ist, den Leuten zu erzählen, welche Werte sie ihren Kindern beizubringen haben. Dass ein Konzern in Zeiten von #metoo eine solche Kampagne startet, hat natürlich einen faden Beigeschmack, doch irgendwann müssen ja auch Firmen mal damit anfangen. Nun hat es Gillette mit einem Shitstorm erwischt (der nicht nur negativ ist), aber sie haben eine Diskussion angestoßen. Die angeprangerten Männer-Idioten wollen Gillette boykottieren und die Marke ist im Gespräch: Aus Gillette-Sicht alles richtig gemacht, würde ich sagen.

Eine Marke thematisiert offen und ehrlich ein gesellschaftliches Problem, das von ihrer Zielgruppe ausgeht. #GilletteAd Bitte nachmachen: - VW - Shell - Vattenfall - Deutsche Bank - Heckler & Koch - Nestlé - Philipp Morris ...