Eine Labormitarbeiterin im DNA-Labor des Bayerischen LKA bereitet eine DNA-Probe für die molekularbiologische Analyse vor (Foto: dpa Bildfunk, Sven Hoppe/dpa +++ dpa-Bildfunk)

Lifestyle Netztrends So zuverlässig ist die Online-Ahnenforschung mit deiner DNA

Spucke in dieses Gefäß und ich sage dir, wer du bist. So könnte Werbung für DNA-Tests aussehen. Diese sollen herausfinden, woher eine Person stammt. Doch wie genau sind diese Tests?

Die eigene Herkunft kennenlernen, Verwandte finden und mit Hilfe von riesigen Datenbanken mehr über seine Vorfahren erfahren - mit diesen Werbeversprechen locken Anbieter wie MyHeritage, Ancestry und Co. Schon ab 60 Euro ist man dabei, wobei komplexere Tests deutlich teurer ausfallen können. Die Unternehmen schicken ihren Kunden auf Bestellung einen sogenannten Direct-to-Consumer-Test (DTC). Der Test besteht aus einem Gefäß, in das man spucken muss. Seine Spucke und somit seine DNA sendet der Kunde dann zurück an das Unternehmen und erhält wenige Wochen später das Ergebnis per Mail. Dieses Ergebnis könnte dann in etwa so aussehen:

Wie finde ich damit meine Verwandten?

Wer wirklich auf der Suche nach seinen Verwandten ist, dem dürften diese Angaben alleine eher nicht ausreichen. Hier kommen die Datenbanken ins Spiel: Online können die Kunden diese nun durchforsten und so herausfinden, mit wem sie verwandt sind. Zu diesem Zweck vergleichen die Datenbanken das Erbgut der Kunden. Über die Genauigkeit dieser Tests lässt sich allerdings streiten. Schickt man seine DNA an verschiedene Anbieter, erhält man schon mal unterschiedliche Ergebnisse. Und auch die bestimmten Verwandschaftsverhältnisse zu anderen Nutzern sind mit Vorsicht zu genießen:

Geht das mit rechten Dingen zu?

Die DNA eines Menschen sagt viel über ihn aus. Kritiker bemängeln, wie in den Unternehmen mit der eingesandten DNA umgegangen wird. Die Firma Ancestry erhielt aus diesem Grund sogar den BigBrotherAward2019. Laut deren Website prämieren die "BigBrotherAwards" international Datensünder in Wirtschaft und Politik. Das "Netzwerk Datenschutzexpertise", in welchem einer der Juroren der Awards mitwirkt, äußerte sich bereits im vergangenen Jahr kritisch:

Mit dem Einsenden der Speichelprobe geben die Kunden der Firma einen Freifahrschein nicht nur zur Ahnenforschung, sondern für jede sonstige genetische Analyse. Per kleingedruckte Einwilligung lässt sich das Unternehmen die Erlaubnis einräumen, die Daten an Pharma- oder sonstige Unternehmen weltweit gewinnbringend weiterzuverkaufen.

Pressemitteilung, "Netzwerk Datenschutzexpertise"

Die ancestry Geschäftsstelle in München zeigte sich dem Handelsblatt gegenüber enttäuscht über diese harsche Kritik: „Der Schutz der Privatsphäre unserer Kunden hat für Ancestry höchste Priorität, und unser Grundgedanke ist, dass Kunden stets die Kontrolle über ihre eigenen Daten behalten sollen".

Wie sicher sind die Daten?

Generell sollte man die öffentliche Ahnenforschung mit Vorsicht genießen. Denn durch die DNA einer Person lassen sich auch deren Familienmitglieder identifizieren. Der bekannteste Fall hierzu stammt wohl aus den USA: Durch ein "Match" in der öffentlichen DNA-Datenbank "GEDmatch" konnte der "Golden State Killer" gefasst werden, der in den 1970er und 80er-Jahren mehrere Vergewaltigungen und Morde begangen haben soll.

Der Fall trat heftige Diskussionen los. Schließlich sollte es für eine Regierung nicht so leicht sein, an das genetische Profil ihrer Bürger zu gelangen. Das ist es aber. Die großen Firmen MyHeritage und Ancestry geben die Daten ihrer Kunden preis, wenn es im Laufe einer Ermittlung gefordert wird. Bei FamilyTreeDNA können Ermittler die DNA eines Kriminellen sogar selbst hochladen und die Datenbank danach durchsuchen. In Fällen wie dem des Golden-State-Killers, freut man sich natürlich über den Ermittlungserfolg. Allerdings könnten die Behörden solche Datenbanken eben auch für andere Zwecke missbrauchen.

Die Firma 23andMe geht noch einen Schritt weiter und kooperiert mit einem Pharmazie Konzern, der mit Hilfe der DNA in der Datenbank an neuen Medikamenten forscht. Mit welchen Firmen kooperiert wird und wo die DNA landen könnte, steht bei jedem Anbieter in den Datenschutzrichtlinien. Sollte man seine DNA an ein solches Unternehmen schicken, sollte man sich das also gut durchlesen - und sich über die eventuellen Folgen im Klaren sein.

Die DNA eines Menschen gibt Auskunft über seine Familienmitglieder, kann über die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten informieren und zu kriminalistischen Zwecken genutzt werden. Mit diesem Wissen im Hinterkopf sollte man es sich besser zweimal überlegen, wem man seine DNA überlässt.