Leroy Sané und Ilkay Gündogan beim Freundschaftsspiel Deutschland gegen Serbien (Foto: Imago, Christian Schroedter)

Lifestyle Netz Rassismus im Stadion: Was kann ich bei Alltags-Rassismus tun?

Das Facebook-Live-Video von Sportjournalist Andre Voigt, bei dem er von rassistischen Beleidigungen gegen deutsche Nationalspieler berichtet, sorgt für Diskussionen im Netz: Wie geht man mit Rassismus im Alltag um?

Ein emotionales Video von Sportjournalist Andre Voigt geht gerade im Netz steil. Er schildert sein Erlebnis mit Rassismus beim Länderspiel in Wolfsburg am Mittwochabend. Drei Männer, haben Spieler der deutschen Nationalmannschaft - wie Leroy Sané und Ilkay Gündogan - immer wieder rassistisch beleidigt. „Neger“, „Affenmensch“, „der Türke“ und „Bimbo“ soll gefallen sein. Im Video erzählt Andre, dass er das Gespräch gesucht hat und gegen die rassistischen Beleidigungen der stark alkoholisierten Männer vorgehen wollte. Einsicht hätte er wohl nicht erwartet, aber Unterstützung von anderen. Als er im Video seine Hilflosigkeit beschreibt, weil ihm niemand im Fanblock beisteht, versagt sogar kurz seine Stimme.

Achtung kein Basketball: Ich könnte kotzen.

Was kann ich bei Rassismus im Alltag tun?

Wer Rassismus im Alltag mitbekommt und dagegen vorgehen will, der sollte sich Verbündete suchen, sagt Alexander Bosch. Er ist bei der Menschenrechtsorganisation Amnesty International und engagiert sich gegen Rassismus – vor allem im Fußball.

Sprich andere Leute in der Umgebung an und frage sie, ob sie das genauso sehen. Es geht darum Rassisten zu zeigen, dass sie eine Minderheit sind und ihr Verhalten hier nicht gewünscht ist.

Alexander Bosch - Amnesty International

In der U-Bahn, in Zügen oder im Stadion sind auch die Ordner, Sicherheitskräfte oder eben das Zugpersonal gute Ansprechpartner. Denen sollte man die Situation schildern und bitten die Polizei zu rufen. Die nehmen dann die Personalien der Täter und eventuell Zeugen auf. Rassistische Beleidigungen sind nämlich strafbar und können zur Anzeige gebracht werden.

"Besser irgendwas machen, als gar nichts"

Nachdem das Video von Andre Voigt öffentlich diskutiert wurde, griffen auch der Deutsche Fußballbund und die Wolfsburger Polizei ein. Ermittlungen sind eingeleitet worden und der DFB konnte die Plätze der drei mutmaßlichen Täter ermitteln und die drei Männer bereits vernehmen, so berichtet der NDR.

Aber auch bei Voigt gab es viele Reaktionen. Zum Teil auch Hass. Er hat in einem Tweet erklärt, dass er die Nachrichten-Funktion bei Twitter kurzzeitig deaktiviert habe.

Kurze Info: Nachdem mich die ersten Mails erreicht haben, die meine Tochter mit dem Begriff "Vergewaltigung" in Verbindung gebracht haben. Habe ich die Nachrichten hier erst mal deaktiviert.

Aber es gab auch Zuspruch:

@drevoigt Unfassbare Scheiße im Stadion und im Netz. Du hast richtig gehandelt & ich fühle mich einmal mehr bestätigt, dir seit Jahren Geld für deinen Pod zu geben, weil du einfach ein guter Mensch bist. Ich trage auch das Shirt im Stadion und spreche Leute an, die so reden. Danke! Danke! https://t.co/rYxHkDwTLN

Auch Alexander Bosch findet, dass Andre Voigt richtig gehandelt hat:

Besser irgendwas machen, als gar nichts machen.

Alexander Bosch - Amnesty International