Hashtag (Foto: Unsplash//Elena Koycheva)

Lifestyle Soziale Netzwerke Deshalb verändern Hashtags unser Leben

Der Hashtag ist in den Sozialen Netzwerken einfach da. Ob das jetzt gut oder schlecht ist? Diese Frage hat sich der Wissenschaftler Andreas Bernard gestellt – und Probleme und Vorteile der Raute entdeckt.

Egal, ob wir sie setzen, weil wir Reichweite wollen oder es sich sonst einfach so anfühlt, als ob etwas fehlt: Hashtags hängen bei uns fast unter jedem Posting. Und mittlerweile ist das Rautenzeichen auch gar nicht mehr aus den sozialen Netzwerken wegzudenken.

Forscher sagt: Hashtags können problematisch sein

Der Kulturwissenschaftler Andreas Bernard aus Lüneburg hat den Hashtag erforscht und sogar ein Buch ("Das Diktat des Hashtags") darüber geschrieben. Und: Er ist eher gespalten, was die kleine Raute angeht. Dass es den Hashtag überhaupt gibt, findet er dagegen so normal wie dass "die Sonne morgens aufgeht".

❌ Dabei befürchtet der Wisschenschaftler aber, dass heutzutage vermehrt nur noch die Themen in der Öffentlichkeit auftauchen, die sich unter so einem Hashtag auch verschlagworten lassen.

❌ Außerdem seien Debatten nur noch wenig differenzierbar. Heißt: Es gibt nur das eine Schlagwort für eine ganze Debatte. Auf welcher Seite man steht, kann man zum Beispiel durch den Hashtag nicht deutlich machen.

Wichtige Hashtags für wichtige Themen

Zumindest eins ist sicher: Hashtags schaffen viel Aufmerksamkeit für die Themen, die sie verkörpern. Dabei gibt es neben den gängigen Hashtags wie #ootd und Co. auch welche, die krasse Bedeutungen haben.

Die Gängigsten davon sind vermutlich #metoo und #metwo – beide stehen für gesellschaftliche Debatten. Bei #metoo ging es darum, auf sexuelle Belästigung aufmerksam zu machen, bei #metwo dagegen um Fälle von Diskriminierung von Menschen mit Migrationshintergrund.

#womensmarch

Einer der ersten Hashtags, die total populär wurden, war der Hashtag #womensmarch – also der Protestzug der Frauen. Die Initiative protestiert für Frauen- aber auch für Menschenrechte.

So richtig bekannt wurde #womensmarch kurz nachdem Donald Trump US-Präsident wurde. Damals sind nämlich viele Frauen unter dem Schlagwort auf die Straßen gegangen. Mit dabei waren auch Stars wie Natalie Portman und Eva Longoria.

Momentan versucht die Organisation, Menschen in den USA zum Wählen zu bewegen. Dort wird nämlich bald zur Halbzeit von Donald Trumps Amtszeit noch mal gewählt.

#timesup

Ähnlich wie auch #womensmarch kämpft auch die #timesup-Bewegung für Frauenrechte. Hier geht's allerdings mehr um Frauen in Hollywood, die schon Opfer sexueller Belästigung an ihrem Arbeitsplatz wurden – in Zukunft soll es laut der Initiatoren aber auch mehr um Frauen in normalen Jobs gehen. Denn: Die Initiative selbst beschreibt sich als "Organisation, die auf sichere, faire und würdevolle Arbeitsplätze für Frauen jeglicher Art besteht".

Angefangen hatte alles im Oktober 2017: Mehrere Schauspielerinnen hatten dem Filmproduzenten Harvey Weinstein damals sexuelle Belästigung vorgeworfen. Darunter waren zum Beipspiel Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow, Heather Graham, Kate Beckinsale und Cara Delevingne. Manche Fälle lagen schon Jahre zurück – bloß hatten sich die Betroffenen bisher nicht getraut, etwas gegen den einflussreichen Produzenten zu sagen. Zu groß sei ihre Angst vor einem Karriereende gewesen.

#blacklivesmatter

Ein anderer Hashtag, der ziemlich viral ging, war #blacklivesmatter. Dabei ging es um die Gleichberechtigung von farbigen und weißen Menschen. Die Initiative selber gibt es schon rund fünf Jahre – sie wurde aber erst durch den Hashtag so richtig bekannt.

"Black lives matter" will etwas gegen die "Unterdrückung der Schwarzen durch den Staat" machen – steht aber auch für die Liebe für alle.

In den sozialen Netzwerken wurde die Bewegung 2013 nach dem Freispruch von George Zimmerman nach dem Todesfall des afroamerikanischen Teenagers Trayvon Martin bekannt. Der Wächter hatte den 17-jährigen Schüler damals erschossen – als "Notwehr", wie er selbst sagt. Daran gab es allerdings viele Zweifel.

Als kurz darauf zwei weitere Todesfälle von Afroamerikanern folgten, wurde der Hashtag noch populärer.

Was bewirken die Hashtags?

All diese Hashtags haben zwar nicht die Schuldigen zur Rechenschaft für ihr Verhalten gezogen, aber sie haben die Fälle der Betroffenen öffentlich gemacht. Dadurch wurden Probleme erst mal publik, die vorher vielen gar nicht bewusst waren.

✅ Und genau das ist auch für den Wissenschaftler Bernard das Gute am Hashtag: dass dadurch Themen in die Öffentlichkeit gelangen, die das früher nicht geschafft hätten.

Der Hashtag bündelt Aussagen, die in den Massenmedien nicht oder nur verzerrt vorkommen.

Andreas Bernard, Lüneburger Wissenschaftler