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Durch die Coronakrise haben Apps für Videochats, wie Houseparty, Jitsi Meet und Zoom, gerade einen richtigen Boom. Die Konkurrenz Facebook zieht jetzt mit Rooms nach. Was die ganzen Videochat-Apps können und warum einige ziemlich heftig diskutiert werden, checkst du hier.

Einen richtigen Hype hatten die Apps Zoom und Houseparty. Die Apps wurden massenhaft runtergeladen in den letzten Wochen. Konkurrent Facebook wollte da wohl nicht tatenlos zusehen und veröffentlichte die neue Funktion "Rooms" für Videochats über Facebook und WhatsApp. Auch dabei: Jitsi Meet. Die beliebtesten Videochats haben wir uns mal genauer angeschaut, was können sie und wo gab es schon große Probleme?

📲 Jitsi Meet

Jitsi Meet ist gerade auf dem Vormarsch. Als App ist Jitsi kostenlos für Android und iOS verfügbar. Wer eine Videokonferenz über den Computer abhalten will, der kann die Open Source Plattform einfach über den Browser starten. Cool ist, dass man keinen Account und keinen Login benötigt. 👌 Bis zu 100 Leute können gleichzeitig im Video-Chat sein und über verschiedene Plattformen wie WhatsApp, Instagram, Messenger und Co. hinzugefügt werden. Auch die Funktionen sind schlicht und unkompliziert. Es gibt einen Button für das Screen-Sharing, einen zum Recorden und eine Livestream-Funktion. Auch Youtube-Videos können in den Chat integriert werden, dafür benötigt ihr nur die URL.

Fazit: Jitsi Meet verfügt über alle Standard-Features.

Ist Jitsi Meet sicher?

Wichtigster Fakt: Um Jitsi zu nutzen, muss man sich nicht registrieren. Das verhindert schon mal die erste Nutzerdaten-Quelle. Außerdem sollen laut App die Konferenzen verschlüsselt stattfinden. Außerdem: Die Konferenzräume würden nur so lange bestehen, wie die Konferenz anhält und werden nicht für neue Meetings gespeichert. Jitsi Meet scheint recht sicher zu sein, aber eine Garantie gibt es nie.

📲 Zoom

Zoom (für iOS und Android) ist gerade die App für Videochats. Ursprünglich war die App für Unternehmen entwickelt worden, inzwischen nutzen aber extrem viele User um einfach mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben und wir können uns sehr gut vorstellen, warum: Die App lässt sich einfach installieren, hat wenig unnötigen Schnickschnack, dafür aber witzige Hintergründe. Wie sich das für eine App 2020 auch gehört, gibt es bei Zoom Filter, die du auf dein Gesicht anwenden kannst. Die Gratisversion ermöglicht einen Videochat von 100 Personen für 40 Minuten möglich (aktuell gibt es wegen der Coronakrise in China aber zum Beispiel keine Beschränkung). Wenn du die Premium-Variante kaufst, gibt es Videochats mit bis zu 1.000 Personen und endlosen Speicher in der Cloud. Hört sich krass an, jetzt kommt der Haken:

Kritik an Zoom:
Inzwischen gibt es einige negative Schlagzeilen zu Zoom. Unter anderem wurde den App-Entwicklern vorgeworfen, über die iOS-App Nutzerdaten an Facebook weiter verkauft zu haben, so hat es das Magazin Motherboard analysiert. Das ist selbst bei den Menschen passiert, die keine Facebook-Konto haben. Zoom hat sich mittlerweile entschuldigt und die Datenweitergabe beendet. Trotzdem berichtet die New York Times, dass sich jetzt die New Yorker Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat und ermittelt.

Außerdem seien bei der US-Bundespolizei FBI in den vergangenen Tagen mehrere Beschwerden über Zoom eingegangen. Nutzer berichteten unter anderem, dass während Telekonferenzen Hass-Botschaften oder pornografische Inhalte auf den Bildschirmen aufgetaucht seien. Für dieses hereinplatzen bei Zoom gibt's auch schon einen Namen: Zoombombing. Genau das ist vor kurzem auch einer Schulklasse in Freiburg passiert. Inzwischen musste Zoom klarstellen, dass eben nicht alle Daten mit Komplett-Verschlüsselung übertragen werden (so hatte es die App früher zugesichert).

Die App arbeite kontinuierlich an der Verbesserung der Sicherheit der App, um Nutzer zu schützen.

📲 Facebook Rooms

Facebook will bei dem Boom der Videochat-Apps mitmischen und veröffentlichte in einigen Ländern das Feature "Rooms", quasi als Konkurrenz zu Zoom, Housparty und Co. In Deutschland ist die Funktion aber noch nicht ausgerollt. Die Nutzung soll ähnlich wie bei Zoom sein: Der Organisator verschickt einen Weblink, über den andere Teilnehmer der Konferenz beitreten können. Facebook hat außerdem geplant, dass Organisatoren jederzeit Teilnehmer aus Videokonferenzen entfernen können oder der Link mit der Einladung zum Chat nicht mehr weiter geteilt werden kann. Damit könnten Probleme wie sie Zoom mit "Zoombombing" hat, also wenn sich Leute eigenmächtig Zutritt zu Chats verschaffen, vermieden werden. Am Anfang können zunächst 20 Personen an Videokonferenzen teilnehmen, später bis zu 50. Eine maximale Dauer für so einen Videochat soll es nicht geben. Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist (wie bei Zoom) auch bei Facebook nicht drin, es werde aber daran gearbeitet. Facebook Rooms ist interessant für die Kommunikation mit Freunden, große Vorlesungen oder Websessions sind nicht wirklich drin, aber auch gar nicht gewollt. Ein Vorteil den Facebook hat: Viele Leute haben bereits ein Facebook-Konto bzw. die entsprechende App, man muss sich also nicht extra eine neue App und ein neues Konto anlegen. Über WhatsApp können User scheinbar auch solche "Rooms" starten. Sie werden dann aber weiter zu Facebook geleitet. Das heißt: Ohne Facebook-App geht nichts.

📲 Skype

Die App Skype (für iOS und Android.) kennen vermutlich die meisten. Sinn dahinter ist es, dich mit Freunden, Bekannten oder anderen Personen zu connecten - per Telefon, Chat oder Videochat. In einem Gruppenchat können in der Gratisversion nur Gespräche zu zweit stattfinden. Gruppenanrufe kannst du gratis sieben Tage testen. Danach ist der Gruppenchat von bis zu 50 Personen mit der Premium Variante möglich. Die kostenlose Version hat außerdem einen Haken: Du musst dich auf Werbebanner einstellen.
Die Handhabung ist einfach und inzwischen sehr verbreitet, das heißt relativ viele Leute haben ein Skype-Konto (aber auch ohne Skype-App kannst du einen Skype-Chat annehmen). Ein cooles Feature ist der "Skype Translator", der Telefonate in Echtzeit übersetzen kann.

📲 Teledrinkingbar

In Bars gehen und mit Freunden treffen ist gerade tabu. Die App „Teledrinkingbar“ will diese Lücke in unseren Herzen, die durch das Social Distancing entsteht, schließen. Hier sollst du dich mit Freunden oder auch Fremden aus der ganzen Welt connecten können.

Laut der Webseite soll die „Teledrinkingbar“ ein kostenloser, virtueller Raum sein, in dem du Leute treffen kannst. Dazu „betrittst“ du die Bar über einen Link und verabredest dich zu einer bestimmten Zeit mit Freunden - oder lässt dich überraschen, wer so dazustößt. Bis zu zwölf Personen sollen sich hier pro Videochat versammeln können. Das Konzept funktioniert wie eine wirkliche Bar: Ist ein Platz frei, kann man reinkommen (auf den Link klicken) und mit dabei sein. Da es sich aber eben um einen offenen Chat handelt, kann jeder diesem Chat beitreten. Ob die Leute sich dann daneben benehmen oder vlt. sogar ähnlich wie beim "Zoombombing" nur auftauchen, um zu stören, kann bisher nicht ausgeschlossen werden.

📲 Houseparty

Neben Zoom geht gerade vor allem auch die App Houseparty (für iOS und Android) bei den Usern steil. Sie kann Videochats mit deinen Freunden starten und wirkt sehr interaktiv, fast wie eine Social Media-Plattform. Was viele User hier schätzen: Du kannst kostenlos Videochats mit bis zu acht Freunden machen und dabei sogar Spiele zocken. Auch Freunde, die gerade nicht im Chat dabei sind, können sich zuschalten. Eben 'ne kleine Houseparty. Wer mehr Privatsphäre will, kann aber seinen Chat auch für andere sperren.
Als wir die App getestet haben, waren einige Spiele in der Handhabung doch etwas schwierig, haben gehangen oder gingen nur ab bestimmten Personenzahlen. Trotzdem ist das Meckern auf hohem Niveau, denn der Chat ist stabil und das Feeling mit den Freunden abzuhängen ist gut! Der Haken bei dieser App ist die Datenschutzerklärung. Für "geschäftliche Zwecke" gibt der User hier viele Daten von sich her und teilt die mit "Dritten".

Kritik an Houseparty:
Derzeit kursieren auf Social Media-Plattformen verschiedene Warnungen vor Houseparty: Nutzer behaupten, dass die App bei einem Freund erst den E-Mail-Account gehackt und anschließend das Bankkonto leer geräumt habe. Andere User berichten, dass Spotify gehackt wurde. Die Postings warnen, die App sofort zu löschen. Beweise für diese Hacks gibt es aber aktuell keine. Trotzdem sind viele Nutzer natürlich besorgt. Das Team von Houseparty postete deswegen diesen Tweet.

All Houseparty accounts are safe - the service is secure, has never been compromised, and doesn’t collect passwords for other sites.

Die Macher der der App sind davon überzeugt, dass es sich bei den Vorwürfen um einen gezielten Fake handle, der von der Konkurrenz kommen könnte. Auf Twitter bieten sie deswegen der Person, die einen Nachweis für die Vermutung bringt, eine stolze Summe von einer Million US-Dollar.

We are investigating indications that the recent hacking rumors were spread by a paid commercial smear campaign to harm Houseparty. We are offering a $1,000,000 bounty for the first individual to provide proof of such a campaign to bounty@houseparty.com.

Unbekanntere Videochat-Apps

Die großen Player sind im Appstore sehr präsent. Es gibt aber sehr viele Apps, die Videochats anbieten, aber nicht so weit oben in den Downloads sind. Dazu gehören zum Beispiel WeChat, Line und Imo. Das alles sind Apps mit guten Videochats, aber auch großen Haken: Nervige Mitteilungen und teilweise extreme Datenschutzprobleme waren für uns ziemliche Abturner.

Und wenn dich keine der Apps im Artikel umgehauen hat: ielleicht wird es ja dann wieder der gute alte Brief? 📝💌

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