Ein Demonstrant in Hong Kong (Foto: Imago, imago images / ZUMA Press)

Lifestyle Hongkong Chinas mächtige Zensuroffensive

Dass die chinesische Regierung bei regimekritischen Inhalten im Internet schnell mal den „Löschen“-Knopf drückt, ist nicht unbedingt neu. Seit den andauernden Protesten in Hongkong, in denen viele Menschen gegen den wachsenden Einfluss der chinesischen Regierung auf die autonom regierte Sonderverwaltungszone Honkong auf die Straße gehen, werden die Zensurmaßnahmen aber immer heftiger umgesetzt.

Die Situation in Hongkong scheint sich nicht zu beruhigen. Gewaltbereite Demonstranten treffen auf gewaltbereite Polizisten, regierungstreue Bürger fühlen sich bedroht, die Demonstranten fühlen sich in ihren Rechten beschnitten. Die Situation ist grundsätzlich sehr unübersichtlich, vor allem weil man nie sicher sein kann, was alles mit den Nachrichten über die Geschehnisse in Hongkong passiert, bis sie dann schlussendlich bei uns ankommen.

Seit den erneuten Ausschreitungen in Hongkong aufgrund eines kurzfristig verhängten Vermummumgsverbots, äussern sich natürlich auch wieder viele prominente Menschen aus Kultur und Sport im Netz kritisch gegenüber China. Das hatte vor allem kürzlich direkte Folgen für diese Personen, Kulturschaffende und auch einige Firmen, die mit China Geschäfte machen.

Hier ein kleiner Überblick, was in einer Woche passieren kann, wenn man sich solidarisch mit den Protestanten in Hongkong zeigt.

Der Hearthstone-E-Sportler "Blitzchung" wurde vom Spielehersteller Activision Blizzard gesperrt

Laut Spiegel Online hat der E-Sport-Profi Blitzchung in einem Interview in einem taiwanesischen Livestream bei einem Turnier eine Gasmaske und eine Skibrille gezückt und gesagt: "Befreit Hongkong, die Revolution unserer Zeit".

Der Organisator und Spielehersteller Activision Blizzard hat Blitzchung daraufhin für ein Jahr gesperrt, ihm den Titel "Großmeister" entzogen und alle Preisgelder der laufenden Saison gepfändet.

Worüber man nachdenken könnte:

Während Activision Blizzard behauptet, Blitzchung hätte einfach gegen die offiziellen Regeln für "Hearthstone"-Großmeister verstoßen, sollte man wissen, dass fünf Prozent des Unternehmens einem chinesischen Konglomerat gehören, die wahrscheinlich bei solchen Entscheidungen auch ein Wörtchen mitzureden haben.

Die NBA-Mannschaft Houston Rockets und die NBA wird von China boykottiert

Ein Tweet von Daryl Morey, dem Manager der Houston Rockets, hat die chinesische Regierung so hart verärgert, dass die chinesischen Fans im Netz ausgerastet sind. Alle chinesischen Großsponsoren sind abgesprungen, Fan-Merch wurde aus den chinesischen Websites gelöscht, das chinesische Fernsehen cancelt zwei NBA-Spiele.

Der Tweet ist leider gelöscht worden, alles was man auf Moreys Twitter Account noch findet, ist eine Entschuldigung in zwei Akten.

1/ I did not intend my tweet to cause any offense to Rockets fans and friends of mine in China. I was merely voicing one thought, based on one interpretation, of one complicated event. I have had a lot of opportunity since that tweet to hear and consider other perspectives.

Viele Fans aus der westlichen Welt werfen Morey und der NBA jetzt vor, sie würden vor China den Schwanz einziehen, weil die Liga sehr von China abhängig ist.

Worüber man nachdenken könnte:

Eigentlich ist die NBA eine Liga, die Meinungsfreiheit besonders fördert. Ihre Spieler haben die unterschiedlichsten Nationalitäten, alle haben sich lieb und jeder darf sagen, was er denkt. Eigentlich.

Es ist nämlich auch so, dass China nach den USA der größte Markt für die NBA ist, sprich: es geht um Milliarden. Was Zuschauerzahlen angeht, gucken doppelt so viele Menschen in China NBA-Spiele wie es Einwohner in den USA gibt!

Die Serie South Park wird wegen einer kritischen Folge auf chinesischen Webseiten gelöscht

In einer neuen Folge der Serie "South Park" geht es auch um China und deren Zensurpolitik. Nachdem die Folge in den USA ausgestrahlt wurde, hat die chinesische Regierung die Serie von allen Streaming-Seiten entfernen lassen. Die Macher von "South Park" haben die Sache gelassen genommen.

You gotta lower your ideals of freedom if you wanna suck on the warm teat of China. #southpark23 Watch "Band in China": https://t.co/GQEQL9ynCs https://t.co/RepekgO3j9

Worüber man nachdenken könnte:

Natürlich können sich die Macher von "South Park" ein wenig hinter ihren Figuren verstecken. Gleichzeitig scheint es, als wären sie eine der Wenigen, die im Bezug auf China Rückgrat beweisen. Anstatt einer Entschuldigung hat es nämlich direkt noch eine virtuelle Schelle in Richtung China gehagelt. Die NBA hat übrigens auch noch gleich eine bekommen.

Watch the full episode - https://t.co/oktKSJdI9i @THR article - https://t.co/nXrtmnwCJB https://t.co/Xj5a1yE2eL

Der Schuhhersteller Vans knickt vor China ein und löscht einen China-kritischen Design-Vorschlag aus einem Wettbewerb

Gerade läuft ein Design-Contest, bei dem kreative Fans der Schuhmarke "Vans" ihre Designs einsenden können. User aus aller Welt können online abstimmen, der beliebteste Schuh wird dann produziert. Zusätzlich winken 20.000 Euro Preisgeld.

Das Design mit den meisten Stimmen und absehbarer Gewinner des Contests war ein Motiv, das die Proteste in Hongkong zum Thema hatte.

Vans Pulls Pro-Hong Kong Shoe Design from Competition as '#BoycottVans' Gains Traction⠀ ⠀ Read full story on our site: https://buff.ly/2AORmx7 ⠀ …⠀ ⠀ #advertising #marketing #branding #design #brandinginasia #creativeworks #business #digitalmarketing #socialmedia #socialmediamarketing #graphicdesign #digital #advertisingagency #contentmarketing #ads #content #marketingtips #brand #graphicdesigner #video #marketingstrategy #asia #sneakers

Neben protestierenden Menschen mit Gasmasken ist auf dem Schuh eine Blume mit fünf Blättern zu sehen, wahrscheinlich angelehnt an die fünfblättrige Stadtblume Hongkongs.

Komischerweise war das Design plötzlich von der Seite verschwunden. Nachdem ein Shitstorm über Vans hereingebrochen ist, gab es ein nur wenig befriedigendes Statement von Seiten des Unternehmens.

Don't claim that you celebrate creativity when you have zero tolerance towards a political position. Off the wall? Go lick the great wall. #boycottvans https://t.co/5Z3Iw0ZJB8

Worüber man nachdenken könnte:

Im Statement des Schuhherstellers ist die Rede von Positivität und davon, dass einige Teilnehmer gegen die Richtlinien des Wettbewerbs verstoßen hätten. Gleichzeitig fügt Vans an, dass sie als Marke noch nie eine politische Position bezogen hätten und Toleranz und Respekt Werte sind, die für die Marke oberste Priorität hätten.

Man könnte jetzt anmerken, dass das Image von Vans auch immer ein rebellisches, weltoffenes und progressives war. Man könnte auch auf die Innenseite der Zunge seines Vans-Schuhs schauen und das "Made in China" Label sehen. #JustSayin

Apple löscht eine App, die Protestanten in Hongkong vor der Polizei warnt

Apple hat die App HKmap.live aus dem App-Store gelöscht, nachdem das Unternehmen die App erst kürzlich wieder genehmigt hatte (vor einiger Zeit hatte Apple die App nicht zugelassen, weil sie kriminelle Aktivitäten unterstützen würde). HKmap.live funktioniert etwa so wie "Waze", im Prinzip ein Wegweiser, bei dem man individuell Orte hinzufügen kann, die auch andere User nutzen können.

In HKmap.live wurden so Standorte von Polizeiabsperrungen geteilt, die dann von den Demonstranten umgangen werden konnten. Leider wurde die App anscheinend auch dazu genutzt, bewusst Polizeiaufkommen aufzuspüren und anzugreifen. Dafür gibt es allerdings nicht wirklich Beweise, meinen die Entwickler der App.

1. We disagree @Apple and @hkpoliceforce 's claim that HKmap App endanger law enforcement and residents in Hong Kong. #HKmap #HKmaplive #HK #Censorship

Worüber man nachdenken könnte:

Ähnlich wie die NBA hat Apple als Unternehmen einiges zu verlieren, wenn sie sich auf die Seite der App Entwickler stellen würden.

Produzent und DJ Zedd darf nicht mehr in China einreisen, weil er einen Tweet der Serie "Southpark" liked

Wenn es wirklich stimmt, was Zedd da postet, dann ist das wirklich schon fast wieder zum Lachen. Da muss man auch nicht drüber nachdenken.

‪I just got permanently banned from China because I liked a @southpark tweet.‬