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Antje Barthold (Foto: DASDING)

Nach langem Warten ist die die Corona-Warn-App in die App-Stores gekommen. Wir klären die wichtigsten Fragen rund um die neue Corona-App.

Um die Ausbreitung des Coronavirus noch besser zu verlangsamen, muss man genau diese Ausbreitung erst einmal besser verstehen. Genau dafür kommen jetzt auch in Deutschland nach und nach verschiedene Apps auf den Markt. Wir haben uns die "Corona-Datenspende-App" des Robert-Koch-Institus und die neue Corona-Warn-App mal genauer angeschaut.

1️⃣Corona-Warn-App

Was kann die neue Corona-Warn-App?

Um Infektionsketten besser nachvollziehen und schneller unterbrechen zu können, erfasst die App, welche Smartphones sich nahe gekommen sind. Dafür nutzt sie die Bluetooth-Technologie – zwischen den Smartphones werden zufällig erzeugte Krypto-Schlüssel ausgetauscht. Wenn sich jetzt jemand mit dem Corona-Virus infiziert, kann er das in der App teilen (er muss es aber nicht – das ist freiwillig). Dann werden alle Nutzer, die sich in seiner Nähe aufgehalten haben, darüber informiert und können sich dementsprechend selbst testen lassen. Um Missbrauch vorzubeugen, soll die „Corona-Meldung“ in der App nur mit der Verifikation durch einen Code vom Gesundheitsamt möglich sein.

Wer hat die Corona-Warn-App entwickelt?

Federführend bei der Entwicklung waren die Deutsche Telekom und der Software-Konzern SAP. Beraten wurden sie dabei von der Fraunhofer-Gesellschaft und dem Helmholtz-Zentrum CISPA. Bei den Tests zur Bedienung der App half #GesundZusammen mit. Hierbei handelt es sich um eine Allianz europäischer Technologieunternehmen, die aktiv dazu beitragen möchte, Covid-19 mit digitalen Lösungen einzudämmen.

Sind meine Daten sicher in der Corona-Warn-App?

Es sieht alles danach aus, dass die App absolut sicher ist. Die App wertet keine Geo-Daten aus und übermittelt keine Ortsinformationen. Alle Daten werden dezentral, direkt auf deinem eigenen Smartphone gespeichert. "Es verlassen keine Daten zum Abgleich das Handy“, so die Entwickler. Nach Angaben der Bundesregierung werden "selbstverständlich die hohen EU-Standards zum Schutz des Individuums eingehalten". Die Datenverarbeitung stehe "voll und ganz im Einklang mit der EU-Datenschutz-Grundverordnung und den Rechtsvorschriften zum Schutz der Privatsphäre in der elektronischen Kommunikation".

Und auch das Urteil der Datenschützer fällt gut aus. Der Bundesbeauftragte für Datenschutz, Ulrich Kelber, äußerte sich positiv. Die App mache einen soliden Eindruck, sagte er der "Saarbrücker Zeitung" (Montagsausgabe). Der IT Dienstleister TÜV Informationstechnik hat die App in Auftrag des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik geprüft und kommt auch zu einem guten Urteil: "Die Anwender müssen keine Angst vor Überwachung haben."

Für alle, die sich davon selbst überzeugen möchten: Die Entwickler haben den kompletten Programmcode offengelegt. Es gibt auch eine Website, auf der die Entwickler auf Fragen zum Quellcode oder den Bedingungen der Bundesregierung beantworten.

Muss ich da jetzt mitmachen und mir die Corona-Warn-App installieren?

Nein! Die Nutzung der App ist vollkommen freiwillig, das bestätigte auch die Digital-Staatsministerin Dorothee Bär dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". Fest steht aber auch: Je mehr Menschen diese App nutzen, desto mehr Sinn ergibt sie natürlich. Die Regierung hofft deswegen, dass möglichst viele Bundesbürger die App herunterladen. Gesundheitsminister Spahn warnte am Sonntagabend in der ARD jedoch, dass die App kein Allheilmittel sei, aber:

Sie ist ein wichtiges Instrument, um einen Unterschied zu machen, um Infektionsketten zu brechen.

Gesundheitsminister Jens Spahn

Wer jetzt helfen und die App auf sein Smartphone herunterladen will, der kann das ab sofort tun. Die Corona-Warn-App steht sowohl für Android, als auch für iOS zur Verfügung.

Alle Infos zur Corona-Warn-App gibt's bei der Tagesschau im Video:

2️⃣ "Corona-Datenspende-App" des Robert-Koch-Instituts

Wie der Name der App schon sagt "spendet" man seine Daten, wenn man sich diese App herunterlädt (iOS oder Android) und nutzt.

Das Konzept der "Corona-Datenspende" hat nichts mit Personentracking oder ähnlichem zu tun und ist auch nur als Ergänzung anderer Maßnahmen gedacht. Die Daten, um die es in dieser App geht, sind deine Gesundheitsdaten. Einzige Voraussetzung: Du hast ein Fitnessarmband oder eine Smartwatch, wo diese erfasst werden.

Mit diesen gespendeten Daten, will das Robert-Koch-Institut Infektionen noch besser tagesaktuell abschätzen und vorhersagen können.

Welche Gesundheitsdaten werden "gespendet"?

Dabei geht es um Schlafverhalten, Herzfrequenz und Körpertemperatur. Anhand dieser Daten können die Forscher erkennen, ob eine Person möglicherweise krank geworden ist. Bei Fieber erhöht sich zum Beispiel der Ruhepuls und auch die gesamte Aktivität wird geringer. Kennt ja jeder. Außerdem wird die Postleitzahl mit abgefragt, um eine grobe Ahnung zu bekommen, wo sich Infektionen vielleicht gerade häufen und wo nicht.

Das Robert-Koch-Institut weist aber auch nochmal darauf hin:

Die Corona-Datenspende-App ist kein Corona-Test. Die Nutzer selbst werden nicht über eine mögliche Infektion informiert.

Robert-Koch-Institut

Außerdem sagt das Institut, dass die App natürlich weder die Einzelfalldiagnose ersetzt, noch die regulären Tests auf den Virus oder den Meldeweg der Infektionszahlen.

Was passiert mit meinen Daten?

Alle Daten kommen pseudonymisiert beim Institut an, es weiß also dort niemand etwas zu deiner Person oder deinem Standort. Wenn genügend Daten gesammelt wurden, will das Robert-Koch-Institut eine Karte von möglicherweise infizierten Personen veröffentlichen (dafür die Postleitzahl) und regelmäßig aktualisieren.

Die Datenerhebung und -verarbeitung unterliegen strengen Datenschutzrichtlinien und wurden datenschutzrechtlich geprüft. Die Spender haben jederzeit die Möglichkeit, ihre Daten über das Menü der App einzusehen, zu verwalten oder zu löschen.

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