Artikel 13 Demos (Foto: Unsplash)

Lifestyle Soziale Netzwerke Europäisches Parlament hat abgestimmt: Reform von Artikel 13 kommt!

Bald gilt ein neues EU-Urheberrecht im Netz: Plattformen sollen für Urheberrechtsverletzungen selbst haften. Die Reform ist sehr umstritten. Wir haben alle Pros und Contras zusammengefasst!

Viele Wochen wurde gegen die Modernisierung der EU-Urheberrechtsreform, also auch Artikel 13, demonstriert. Jetzt haben auch die EU-Staaten mehrheitlich für die neue Reform gestimmt.

In Zukunft sollen Plattformen wie YouTube, Facebook und Co. selbst dafür haften, wenn Nutzer etwas hochladen, an dem sie keine Rechte haben. Das könnte dazu führen, dass sogenannte Upload-Filter eingeführt werden, die alle unsere Uploads genau kontrollieren und eventuell verhindern.

Das Netz hat keinen Bock auf Reform von Artikel 13

Im Internet herrscht zum Teil blankes Entsetzen und Wut wegen der Entscheidung des EU-Parlaments.

Wie sollen junge Menschen eigentlich NICHT politikverdrossen werden? So viele Erstwähler*innen, denen gezeigt wird: "Ihr habt keine Macht, ihr seid uns egal, wir wollen unsere persönlichen Privilegien erhalten und kuschen vor reichen Lobbyisten." #Artikel13 #article13

Vor allem, dass viele Politiker zahlreiche Demonstranten gegen Artikel 13 als "gekauft" einstufen, verärgert die User:

5 Millionen Unterschriften werden ignoriert. 200.000 Menschen auf der Straße werden als "gekaufte Demonstranten" abgestempelt. Junge Leute, die über ihre Zukunft entscheiden, werden nicht ernst genommen. #Article13

Wie viel sich durch die neue gesetzliche Regelung ändern wird, ist noch nicht klar. Warum es aber schon im Vorfeld so viel Ärger um Artikel 13 gegeben hat, haben wir für euch zusammengefasst.

Warum finden viele die Reform von Artikel 13 gut?

👍 Warum ist es eine gute Idee, wenn das Urheberrecht angepasst wird? Das Urheberrecht – unter anderem Artikel 13 – kommt noch aus einer Zeit, in der es das Internet noch nicht gab. Damals konnten wir noch nicht so einfach was von anderen nehmen und unter unserem Namen im Internet veröffentlichen.

Das hat sich aber krass geändert: Mittlerweile werden vor allem auf YouTube ständig Songs oder Filme hochgeladen, an denen wir eigentlich gar keine Rechte haben.

👍 Warum ist das System momentan nicht optimal? Im Internet kursieren Inhalte – und die, die die Rechte daran haben, werden für ihre Arbeit weder bezahlt, noch gefragt, ob sie überhaupt einverstanden sind. Die EU will das Urheberrecht deshalb ändern, damit solche Content-Creator in Zukunft auch fair für ihre Arbeit bezahlt werden.

👍 Wer wird für Urheberrechtsverletzungen bestraft? Wenn das Urheberrecht jetzt wirklich geändert wird, dann haben normale Nutzer weniger Verantwortung. Denn momentan wird der bestraft, der Urheberrechte verletzt – im Moment also noch der normale Nutzer, der die Sachen hochgeladen hat. Das wäre nach der Änderung anders – dann wären die Plattformen haftbar, auf der wir den geklauten Content hochgeladen haben.

Wieso haben tausende Menschen gegen Artikel 13 demonstriert?

👎 Bedeutet eine Änderung, dass Uploadfilter kommen? Stellen wir uns mal vor, dass die Änderung am Urheberrecht von der EU beschlossen wird und kommt: Dann müssten also die Plattformen dafür haften, dass wir urheberrechtlich geschützes Material bei ihnen hochladen. In dem Vorschlag für die EU-Urheberrechtsreform steht nämlich drin, dass die Plattformen – also Facebook, Google, etc. – dafür sorgen müssen, dass bei ihnen gar nicht erst Urheberrechte verletzt werden.

In dem Vorschlag für die Änderung – der ja schon durch ist – steht dabei nicht wortwörtlich drin, dass es einen Uploadfilter geben muss. Viele Kritiker sind aber der Meinung, dass das die einzige technische Möglichkeit ist, Urheberrechtsverletzungen von vorne rein zu vermeiden.

👎 Ist ein Uploadfilter echt die einzige Möglichkeit? Wenn die Plattformen garantieren müssen, dass bei ihnen keine Urheberrechte verletzt werden, dann haben sie zwei Möglichkeiten:

1. Sie müssen verhindern, dass solcher Content hochgeladen wird. Das ginge mit Uploadfiltern.
2. Sie müssen diejenigen bezahlen, die das Urheberrecht an den Inhalten haben. So funktioniert das zum Beispiel bei der Gema.

👎 Für wen wären solche Filter besonders schlimm? Für kleine Firmen. Denn: Vor allem die großen Marktführer (wie YouTube) haben genug Geld, um die neuen Regeln zumindest ansatzweise umzusetzen.

Damit – das befürchten zumindest viele Kritiker – könnte deren Stellung im Internet noch größer werden. Heißt: Wir könnten fast nur noch Inhalt von großen Anbietern sehen. Und: Kleinere Dienste müssten wahrscheinlich die Uploadfilter der größeren mitbenutzen – und wären damit von ihnen abhängig.

👎 Warum reden viele von Zensur? Die Kritiker sagen sogar, dass das Internet dann "zensiert" wird. Denn solche Filtersysteme sind fehleranfällg und erlauben vielleicht Dinge nicht auf der Plattform, die eigentlich gegen kein Recht verstoßen. Das würde dann unser Recht auf unzensierte Meinungsfreiheit beschneiden!