Mark Zuckerberg, Facebook-Chef (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Lifestyle Soziale Netzwerke Instagram und Facebook sollen privater werden – wie ernst meint Zuckerberg das wirklich?

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Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat einen Blogeintrag auf Facebook veröffentlicht. Darin steht, dass Facebook und Instagram in Zukunft vor allem eins werden sollen: privat. Wir checken, was hinter Zuckerbergs Artikel steckt.

Facebook ist als Konzern nicht gerade dafür bekannt, besonders sorgfältig mit Daten umzugehen oder uns viel Privatsphäre zu lassen.

Wir erinnern uns: Vor nicht mal drei Monaten erst kam raus, dass Facebook wohl Jugendliche bezahlt hat, um an ihre Daten zu kommen. Dafür hat Facebook eine App benutzt, mit der das Smartphone der Jugendlichen ausspioniert wurde. Besonders perfide: Dafür haben die Jugendlichen zwar Geld bekommen, so richtig aufgeklärt, wie viele ihrer Daten sie dafür preisgeben, wurden sie aber offensichtlich nicht.

Genau das soll sich jetzt aber ändern: In einem Blogpost hat Konzernchef Zuckerberg jetzt geschrieben, dass er seine Netzwerke Facebook und Instagram komplett umkrempeln will. Die Netzwerke sollen jetzt privater werden – die Nutzer sollen sich sicher fühlen und das Gefühl bekommen, dass ihre Daten sicher sind.

Ich checke einige von Zuckerbergs Aussagen und was dahinterstecken könnte.

Zuckerberg hat eine neue Mission – und die heißt: Das Vertrauen der Nutzer zurückgewinnen. Zurecht. Denn: Nach mehreren Datenskandalen, bei denen heimlich Daten von Facebook-Nutzern abgegriffen wurden und zum Beispiel dafür benutzt wurden, gezielt Wahlwerbung zu machen – Stichwort Brexit und Donald Trump –, ist das bitter nötig.

Facebook will mit dem Trend gehen – und der sagt: Privatsphäre

Zuckerberg schreibt deshalb:

Ich glaube, dass die Zukunft der Kommunikation immer mehr privat wird. Die Leute wollen sich sicher sein, dass das, was sie einander sagen, verschlüsselt ist und nicht für immer nachzulesen sein wird.

Mark Zuckerberg, Chef von Facebook und Instagram

Stimmt – aber woher kommt der plötzliche Sinneswandel bei Facebook?

Grund 1️⃣: Einer der größeren Anreize dafür, seine Netzwerke so – wie es scheint – radikal umzugestalten, ist wohl weniger das Gewissen, sondern viel mehr die Tatsache, dass wir Nutzer uns mehr Datensicherheit wünschen. Zuckerberg merkt wohl so langsam, dass wir nicht unter jeden Umständen in seinen Netzwerken bleiben. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihr Profil auf Facebook schon gelöscht – und sie war nicht die einzige. Zuckerberg merkt wohl, dass sich etwas ändern muss, wenn er weiter erfolgreich bleiben will. Und Erfolg heißt auch Geld.

Grund 2️⃣: Facebook muss wegen den Datenschutzpannen vielleicht ein Rekordbußgeld in den USA zahlen. Die "Washington Post" schreibt zum Beispiel, dass Facebook mit der Verbraucherschutz-Behörde FTC über die genaue Höhe verhandelt. Aber die Strafe dürfte saftig werden: Die Zeitung schreibt, es gehe um einen Milliarden-Betrag.

Außerdem hat Facebook das Bundes-Kartellamt im Nacken: Das Amt hat Facebook nämlich verboten, Daten von fremden Webseiten zu sammeln und sie auszuwerten.

Facebook soll intimer werden – ähnlich wie WhatsApp

So richtig konkret ist in Zuckerbergs Text noch nichts. Die Message ist aber klar: Facebook soll intimer werden, die Nachrichten privater und die Daten sicherer.

Leute sollen die Kontrolle darüber haben, wer ihre Beiträge sehen, teilen oder mit ihnen kommunizieren kann. Nachrichten sollen Ende-zu-Ende verschlüsselt werden – so wie bei WhatsApp.

Mark Zuckerberg, Chef von Facebook und Instagram

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – noch so ein Stichwort. Ist gut für uns, ja. Denn sobald unsere Nachrichten rausgehen, werden sie in einen Kauderwelsch verschlüsselt und erst wieder entschlüsselt, wenn sie beim Empfänger ankommen. Aber, das ist eben auch nicht ganz uneigennützig von Facebook. Denn sobald Facbeook unsere Nachrichten theoretisch einsehen kann, ist das Unternehmen auch in der Pflicht, das zu tun, wenn zum Beispiel jemand angeklagt wird und der Chatverlauf ein Beweisstück sein könnte. Kann Facebook technisch nicht auf unsere Verläufe zugreifen, ist das Unternehmen fein raus.

Facebook will unsere Daten lokal speichern

Außerdem eine Zukunftsvision von Zuckerberg: Daten lokal irgendwo speichern – aber nicht überall überall auf der Welt.

Menschen wollen, dass ihre Daten da gespeichert werden, wo sie sicher sind. Deshalb wollen wir in Zukunft lokale Datencenter bauen, wo wir sensible Daten speichern können – nur nicht in Ländern, die schlecht mit Menschenrechten umgehen.

Mark Zuckerberg, Chef von Facebook und Instagram

Dafür will Zuckerberg laut seines Textes sogar in Kauf nehmen, dass Facebook oder Insta in solchen Ländern blockiert werden könnte. Diesen Kompromiss wolle Facebook aber eingehen. Die beste Möglichkeit, so Zuckerberg, sei allerdings, gar keine Daten zu speichern. Das ist gut, sehr gut sogar – aber wohl auch nicht ohne Hintergedanken. Keine Daten heißt zwar erst mal keine Daten zum Weiterverkaufen, aber eben auch keine so große Verantwortung für Facebook.

▶▶▶ Fazit: Prinzipiell ist mehr Datensicherheit immer gut. Der Vorsatz ist bei Facebook scheinbar da – bloß dürfen wir als Nutzer dabei nicht vergessen, dass Facebook ein Riesenkonzern ist, der am Ende des Tages Geld mit dem verdienen will, was er tut.

Und mehr Vertrauen seiner Nutzer könnte Facebook Tür und Tor öffnen, um in seine Dienste jegliche andere zu integrieren – und damit seine Monopolstellung auszubauen. Denn das schreibt Zuckerberg in seinem Ausblick: Es wäre doch schön, wenn wir von Facebook aus auch verschlüsselt eine SMS schicken könnten oder direkt bezahlen, ohne zu einem anderen Service weitergeleitet zu werden. Die Frage ist nur: schön für wen?

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