App Tik Tok (Foto: Imago, imago images / Hollandse Hoogte)

Lifestyle Netztrend Warum User auf "TikTok" zu den Sprachnachrichten der Expartner tanzen

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In der Video-App „TikTok“ stauben User gerade tausende Likes ab, weil sie Frust und Hass einfach wegtanzen – zum Sound der Sprachnachrichten ihrer Exfreundinnen und Exfreunde. Aber ist das auch erlaubt?

Drei Hilfsmittel gegen Liebeskummer nach einer Trennung: Die besten Freunde anrufen. Eine große Portion Pizza/Eis/Schokolade verdrücken. Die alten Sprachnachrichten des Exfreundes abspielen, dazu abdancen und das Ganze in den sozialen Medien hochladen.

Moment mal. WAS?!

Der Tanztrend auf „TikTok“ – gute Laune mit ernstem Hintergrund

Tatsächlich sind unter dem Motto „Dancing to my ex boyfriend's voicemails“, also „Ich tanze zu den Sprachnachrichten meines Exfreundes“ schon einige Videos viral gegangen. In diesem Video wird zum Beispiel eine Sprachnachricht eines Ex-Freundes abgespielt, der die Userin angeblich betrogen hat:

Und es werden immer mehr! Inzwischen gibt es auch einige Abwandlungen: Videos über ehemalige beste Freundinnen oder auch streitende Eltern.

Wir haben das Ganze mal mit Humor probiert. Wie würde es zum Beispiel aussehen, wenn man die Kritik vom Chef einfach wegtanzt? 😃

Sieht zwar ziemlich spaßig aus, der Inhalt in den Videos ist teilweise aber wirklich heftig….

Kann tanzen helfen?

Manche Videos sind eher witzig, manche traurig, einige schocken richtig. Man hört unter anderem einen Typen, der seine (Ex-)Freundin übel beleidigt:


Die Userin wirkt dagegen beim Tanzen fast erleichtert. Kennt man ja irgendwie: Darüber reden hilft. Dazu tanzen scheinbar auch.

Die Reaktionen zeigen: Toxische Beziehungen gibt es oft

Der Hype ist real: Die Videos werden massenweise gelikt, viele supporten die User in den Kommentaren und zeigen so, dass aggressives Verhalten in einer Beziehung einfach nicht okay ist. Einige Nutzer merken, dass sie mit ihrer Situation nicht alleine sind und trauen sich auch zum ersten Mal darüber zu sprechen, welche schwierigen Momente sie selbst in ihrer Beziehung erlebt haben.

Aber: Private Sprachnachrichten zu veröffentlichen ist eigentlich nicht erlaubt

Stichwort: Persönlichkeitsrecht. Das schützt grundsätzlich die Intims- und Privatsphäre aller Menschen – auch der Expartner. Wir haben das Thema mit unserer SWR Rechtsredaktion bequatscht und von dort heißt es: Private Sprachnachrichten seien erstmal nur für den Empfänger bestimmt und dürften nur veröffentlicht werden, wenn der Absender auch zustimme – in dem Fall eher unwahrscheinlich.

Bedeutet: Rein theoretisch könne der oder die Ex verlangen, dass das Video entfernt wird und er oder sie Schadensersatz bekommt.

Auch wenn die Stimme nur für den Freundeskreis erkennbar ist, ist die Verletzung der Persönlichkeitsrechte gerade durch das massive Teilen und Remixen der Tonspur besonders intensiv und schwer komplett aus dem Netz zu bekommen.

Fabian Töpel, SWR-Rechtsredaktion

Fazit: Sprachnachrichten vom Ex also lieber löschen?

Ob du alte Sprachnachrichten vom Expartner behalten willst oder lieber löschst, bleibt natürlich dir selbst überlassen. 😉 In der Öffentlichkeit der sozialen Medien haben private Nachrichten aber eigentlich nichts zu suchen. Auch wenn der Trend auf „TikTok“ zeigt, dass es auf jeden Fall helfen kann, über schwierige Situationen zu reden oder diese gemeinsam mit anderen zu verarbeiten!

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