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Josh (Foto: SWR, DASING)

Kelvyn Colt ist schon lange kein Newcomer mehr. Vieles, was er verkörpert, findet aber erst langsam Anklang. Ich glaube, Kelvyn Colt ist ein Künstler der Zukunft und hier sind drei Gründe, warum.

Kelvyn Colt normalisiert Mehrsprachigkeit

Wenn du dir ein Interview von Kelvyn Colt anguckst, musst du dich vielleicht erstmal daran gewöhnen, dass er konstant zwischen Deutsch und Englisch wechselt. Ganz einfach, weil er zweisprachig aufgewachsen ist und sich für ihn viele Dinge natürlicher anfühlen, wenn er sie auf Englisch sagt oder denkt.

Auch in seinen Songs lässt Kelvyn Colt all seine Facetten mit einfließen und wechselt immer wieder zwischen Deutsch und Englisch. Das mag momentan für viele noch relativ gewöhnungsbedürftig wirken, aber ich sehe die Tendenz, dass das in Zukunft immer normaler werden wird. Künstler*innen wie Badmómzjay oder BLVTH sind da ebenfalls gute Beispiele. Oder auch Hava und Mero, die ihre Muttersprachen ganz selbstverständlich mit in ihre Musik einbinden.

Kelvyn Colt ist über die ganze Welt vernetzt

Kelvyn Colt sprengt nicht nur Sprachbarrieren, sondern auch Staatsgrenzen. Geboren ist er in Wiesbaden, gelebt und gearbeitet hat er schon fast überall: Berlin, London, Los Angeles, New York,…

Ein Song, der das wohl perfekt zusammenfasst, ist “Link Up” mit dem türkischen Rapper Ezhel. Produziert von den deutschen Produzenten Lucry und Seana, Videodreh in Berlin, Feature aus der Türkei, Songtext auf Deutsch, Englisch und Türkisch.

Auch hier sehe ich klare Tedenzen, dass solche sprach-und länderübergreifenden Zusammenarbeiten in Zukunft immer mehr und normaler werden. Dass zum Beispiel die Zusammenarbeit von Ufo361 und Future oder OZs enge Zusammenarbeit mit Drake und anderen Rapstars aus den USA gar nicht mehr so besonders und unglaublich erscheinen. Oder dass eine Zoe Wees von Deutschland aus auch in den USA erfolgreich wird. Denn genau diese Beispiele, in denen es gut funktioniert, öffnen neuen Leuten den Weg, ähnliche Moves zu machen.

Kelvyn Colt kennt kein Genre

Hört man sich durch die Diskografie von Kelvyn Colt, fällt auf: Er ist nicht nur mit vielen Leuten aus verschiedenen Nationen unterwegs, sondern auch in verschiedenen Genres. Natürlich ist Rap eine Konstante, die alles irgendwie zusammenhält. Aber bei ihm wird ganz selbstverständlich auch gesungen und es ist überhaupt kein Widerspruch, an einem Tag bei Tim Westwood – einer HipHop-DJ-Legende – sieben Minuten durchzurappen und am anderen Tag mit der skandinavischen Pop-Band FOOL zusammenzuarbeiten. Kelvyn Colt vereint all diese Einflüsse, Sounds und Identitäten einfach in sich. Musik ist bei ihm einfach Musik und nicht dieses oder jenes Genre.

All diese Punkte, die mich an ihm so faszinieren, sind für viele gleichzeitig auch die Hauptkritikpunkte. Kelvyn Colt wisse nicht, wofür er stehen möchte, tanze auf zu vielen Hochzeiten und wäre dadurch zu schwer zu greifen. Das kann ich auch nachvollziehen. Ich bin auch fest davon überzeugt, dass er deutlich erfolgreicher sein könnte, wenn er sich zum Beispiel für eine Sprache entscheiden würde.

Gleichzeitig bin ich aber davon überzeugt, dass seine Geschichte und seine Arbeitsweise in Zukunft viel verbreiteter sein wird als sie es momentan ist. Dass Genregrenzen noch mehr verschwimmen werden als ohnehin schon, sich Leute ganz selbstverständlich über die ganze Welt zusammenschließen und Künstler*innen ihre Identitäten in all ihren Facetten ausleben werden. Und dafür ist Kelvyn Colt der perfekte Prototyp und in gewisser Weise auch ein Pionier.

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