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Während das öffentliche Leben wegen Corona langsam still steht, ist die Rapszene nach wie vor aktiv. Rola beweist erneut, wieso sie im Deutschrap eine wichtige Rolle spielt. Samra kehrt zu seinen Wurzeln und altem Freund Anonym zurück. LGoony bringt eine Ode an die Unabhängigkeit und Sentino zeigt mit Noir, dass man nach wie vor mit ihm rechnen muss.

Rola bringt die R’n’B-Vibes

Rola ist mittlerweile seit gut drei Jahren am Start und hat seitdem eine tragende Rolle in der Rapszene. Denn so gut sich Deutschrap auch entwickelt hat, am R’n’B hat es dennoch immer gehapert. Dank der Frankfurterin wissen wir mittlerweile, dass es das gar nicht muss. Rola transportiert die R’n’B-Vibes so, wie man es aus den USA früher von Künstlerinnen wie Aaliyah oder Ashanti kannte. Bedeutet, mit viel HipHop-Einfluss. In der Vergangenheit hat sie auch schon mit vielen Rappern gearbeitet, u.a. Manuellsen, Olexesh und Reezy. Exemplarisch für ihren Style und die musikalische Vision ist ihr Song „Blender“, eine Art Neuinterpretation von „No Scrubs“ von TLC.

Seit Freitag ist ihre neueste Single „Keine Homies“ am Start.

Samra und Anonym auf dem Weg nach „Paris“

Samra bleibt bei seiner unglaublich hohen Output-Frequenz und hat schon wieder einen neuen Song am Start. Diesmal an der Seite von Anonym. Auch wenn man sie seit Samras großem Durchbruch noch nicht zusammen gesehen hat, verbindet die beiden eine lange Geschichte. Noch bevor Samra 2018 bei Ersguterjunge und Bushido signte, hatten die beiden gemeinsame Songs. Das kam daher, dass sie beide Teil der Caney Armee waren, einer Art Newcomerkollektiv, das von dem Berliner Rapper Alpa Gun gepusht und unterstützt wurde.

LGoony kämpft „Allein gegen Alle“

Auf seinem neuen Song „Allein gegen Alle“ liefert LGoony eine gute Zusammenfassung von dem, was seine Fans an ihm feiern. Neben seinem musikalischen Stil lieben diese nämlich besonders seine Attitüde. LGoony macht seine Musik komplett unabhängig, lädt sogar jedes seiner Mixtapes zum kostenlosen Download hoch. Für LGoonys Musik zahlt man freiwillig – wenn überhaupt. Außerdem macht er, seit er vor rund fünf Jahren erste Aufmerksamkeit erlangte, einfach sein Ding. Nichts an seiner Musik oder öffentlichem Auftreten wirkt wie ein kalkulierter Move, um mehr Geld zu verdienen oder mehr Reichweite zu generieren. Bei LGoony wirkt alles ganz natürlich, das können nicht alle Rapper von sich behaupten.

Was mich antreibt, ist schon immer der Protest (Ey) / Kenn' die Formel zum Erfolg, doch mach' es anders als der Rest (Uh, yeah, yeah) / Ich mach' die Scheiße ohne Manager / Label oder A&R (Ey-yeah) / Weil kein Mensch mir sagen darf, wie meine Kunst zu klingen hat

LGoony auf „Allein gegen Alle“

Das ewige Talent: Sentino ist da!

Sentino ist ein großes Mysterium der Deutschrap-Szene. Um die Jahrtausendwende bekam er als riesiges Talent mit nur 16 Jahren seinen ersten Deal und war über die Jahre mit vielen großen Rappern connected. Egal ob Kool Savas, Bushido, Farid Bang oder Fler. Neben seiner eigenen Musik machte er sich auch als Ghostwriter einen Namen. Leider kam er immer wieder vom Weg ab.

Statt kontinuierlich zu releasen, verschwand er immer wieder, machte in Polen Musik und brach den Deutschrap-Fans das Herz. Auch Drogen sollen eine entscheidende Rolle gespielt haben. In der Rapszene sind sich eigentlich alle einig: Hätte er seine Rapper-Karriere durchgezogen, hätte er hierzulande einer der ganz Großen werden können.

Und sie rufen mich an, wenn ihnen der Endreim fehlt / 0 – 3 – 0 – 5 – 12 – S – E – N – 2 – 10 / Junge, ich bin sowas wie ein Filmregisseur / Schneider’ Leuten eine Rolle zu und du willst es hörn’

Sentino auf „Ich bin deutscher HipHop“, 2006

Seit geraumer Zeit sieht es für Sentino-Fans, wie mich, jedoch wieder besser aus. Sentino ist back in Deutschland, releast regelmäßig Musik und gab bekannt, dass er momentan auch wieder viel als Ghostwriter tätig ist. Seit Freitag gibt es mit „Tränen“ auch einen weiteren Vorboten für das „20/20“-Mixtape, das im April erscheinen soll. Sofern er bis dahin nicht wieder verschwindet…