News Gericht NSU-Prozess: Darum geht's & so ist es ausgegangen

Beate Zschäpe, Hauptangeklagte im NSU-Prozess, ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Bereits seit fünf Jahren läuft der Prozess gegen die Terrorgruppe. Worum es dabei genau geht und wie alles ausgegangen ist, siehst du hier.

Nach mehr als fünf Jahren und 400 Verhandlungstagen ist endlich ein Urteil im NSU-Prozess gefallen: Beate Zschäpe wurde wegen Mordes in zehn Fällen schuldig gesprochen. Damit wurde sie zu lebenslanger Haft mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt.

Da Beate Zschäpe mit besonderer Schwere der Schuld verurteilt wurde, ist es so gut wie ausgeschlossen, dass sie nach 15 Jahren wieder auf freien Fuß kommt.

Aber von vorne.

❓ Wofür steht NSU und was ist das ❓

NSU steht für die rechtsextreme Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund. Die Gruppe ist verantwortlich für insgesamt zehn Morde - darunter neun Menschen mit Migrationshintergrund und eine Polizistin -, zwei Bombenanschläge und 15 Raubüberfälle. Hauptmotive der Taten: Fremdenhass.

❓ Wer gehört zu der Terrorgruppe ❓

Als Drahtzieher der Gruppe wurden Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Bönhardt identifiziert. Mundlos und Bönhardt haben sich bereits 2011 auf der Flucht vor der Polizei das Leben genommen - danach hat sich Zschäpe der Polizei gestellt. Mundlos und Bönhardt haben die Morde begangen. Zschäpe hat sie unterstützt, zum Beispiel in dem sie immer wieder Spuren verwischt hat.

Im Prozess wurden neben Zschäpe noch vier weitere Personen von Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren verurteilt, unter anderem, weil sie den Tätern Waffen besorgt hatten.

❓ Wer sind die Opfer ❓

Bei den Mordopfern handelt es sich hauptsächlich um ausländische Männer und Familienväter. Zwischen 2000 und 2007 hatte die Terrorzelle ihre Opfer teilweise mitten am Tag und im Tagesgeschäft kaltblütig erschossen und ermordet. Unter den Opfern ist auch eine Polizistin: Sie wurde während einer Pause mit ihrem Kollegen von hinten angegriffen. Ihr Kollege überlebte schwer verletzt.

Der NSU verübte noch weitere Anschläge: Bei den insgesamt zwei Bombenanschlägen wurden insgesamt 23 Menschen verletzt.

❓ Warum dauerte der Prozess so lange ❓

Prozessbeginn war im April 2013. Seitdem sind fünf Jahre und mehr als 400 Verhandlungstage vergangen. Dass es bis zum Urteil nun so lange gedauert hat, hat mehrere Gründe:

  1. Es gab mehrere Angeklagte: Beate Zschäpe war die Hauptangeklagte. Es gab noch vier weitere Mitangeklagte.
  2. Es gab keine eindeutige Beweislage: Böhnhardt und Mundlos waren die Haupttäter. Dafür, dass Tschäpe von den Morden wusste, gab es keine eindeutigen Beweise. Viele Vorgänge mussten durch aufwendige Zeugenaussagen rekonstruiert werden.
  3. Es gab viele Vorwürfe: Beteiligung an 10 Morden, drei Mordversuchen, zwei Bombenanschlägen und 15 Raubüberfällen.
  4. Es gab viel zu lesen: 500 Seiten Anklageschrift und 26.000 Seiten Akten
  5. Es gab viele Leute, die etwas zu sagen hatten: 15 Verteidiger, 95 Nebenkläger, 60 Anwälte, 600 Zeugen und Sachverständige.