Zettel mit Judenstern an Schaufenster eines Geschäftes mit 2G in Bruchsal: "Ungeimpfte sind hier unerwünscht" (Foto: Pressestelle, Bärbel Mangei)

Bruchsal

Diese Judenstern-Plakate machen Händler und Stadt wütend

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Judith Bühler
Judith Bühler (Foto: )

Eine Plakataktion in Geschäften in Bruchsal vergleicht Ungeimpfte mit Juden in Nazi-Deutschland. Die Polizei ermittelt.

Auf Zetteln mit Judensternen an mehreren Schaufenstern in Bruchsal war zu lesen: "Ungeimpfte sind hier unerwünscht". Damit sollten offenbar die 2G-Regeln im Einzelhandel kritisiert werden. In Baden-Württemberg dürfen wegen der aktuell sehr hohen Corona-Infektionszahlen nur Geimpfte und Genesene in Geschäften einkaufen. Das gilt aber nur für Läden, die nicht dem täglichen Bedarf dienen. In Supermärkten und Drogerien zum Beispiel dürfen alle einkaufen.

Kritik an Plakaten

Die betroffenen Einzelhändler macht die Aktion wütend. Sie selbst würden am meisten unter den 2G-Bestimmungen leiden. Das Symbol in diesem Zusammenhang sei unterirdisch. Dem stimmt auch die Stadt Bruchsal zu: "Das ist absolut untragbar und muss sofort auf das Schärfste verfolgt werden", sagte die Oberbürgermeisterin. Die Polizei will jetzt herausfinden, wer die Plakate aufgehängt hat.

Das hat es mit dem Judenstern auf sich

Der Davidstern ist ein bekanntes Symbol für das Judentum. Im Dritten Reich wurden Menschen, die laut der Nazis als Juden galten, dazu gezwungen, einen gelben Stern an ihrer Kleidung zu tragen. Der Stern war ein Mittel, um jüdische Menschen erkennbar zu machen, auszugrenzen und zu diskriminieren. Juden wurden im Dritten Reich systematisch getötet.

Schon vor einem Jahr kritisierte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung es scharf, die Corona-Maßnahmen mit der Situation im Nationalsozialismus zu vergleichen: Das verhöhne die tatsächlichen Opfer und relativiere die Schoah - also den Völkermord an Jüdinnen und Juden im Dritten Reich. Inzwischen können Menschen, die den gelben Stern als Protest-Symbol missbrauchen, auch vor Gericht gestellt werden. Das ist in Berlin und München bereits passiert.

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