Tom steht in einem Park und lächelt in die Kamera. (Foto: DASDING)

vor Ort Stuttgart "Ich bin stolz darauf, trans zu sein!"

Tom ist transsexuell: Er wurde als Mädchen geboren, lebt aber heute als Mann. "Für mich ist das kein Fluch. Ich bin glücklich, dass ich in beiden Geschlechtern leben durfte", sagt er.

Tom ist transsexuell: Er wurde als Mädchen geboren, lebt aber heute als Mann. "Für mich ist das kein Fluch. Ich bin glücklich, dass ich in beiden Geschlechtern leben durfte", sagt er.

"Als in der Pubertät die Brüste anfingen zu wachsen, war das der blanke Horror für mich", erzählt Tom.

Ich habe gemerkt, dass mit mir etwas nicht stimmt, aber ich wusste nicht, mit wem ich darüber reden sollte. Von Transsexualität hatte ich damals noch nie etwas gehört und ich konnte das ja nicht einfach googeln.

Tom

"Mama ich glaube, ich bin ein Mann!"

Jahrelang verspürte er eine Ungewissheit bis er durch Zufall das Buch von Transmann Balian Buschbaum entdeckt. Beim Lesen wusste er direkt: "Das bin ich, das ist meine Geschichte. Noch am selben Tag habe ich mich mit meiner Mutter getroffen und ihr gesagt: 'Mama ich glaube, ich bin ein Mann'". Nach 23 Jahren war diese Erkenntnis für Tom eine riesige Erleichterung.

Nach dem Outing: Angst vor der Ungewissheit

Danach wusste niemand so wirklich, wie es weiter gehen soll. Vier Jahre lang passierte erst mal nichts. "Ich hatte wahnsinnige Angst vor den Reaktionen und der Ungewissheit. Ich habe mich nicht getraut, den nächsten Schritt zu gehen. Ich dachte, ich kann das unterdrücken und nicht zum Vorschein kommen lassen." Doch Tom konnte es nicht ignorieren. Nach vier Jahren stand er vor einer Entscheidung:

Entweder ich muss dieses Leben beenden oder ich gehe diesen Weg. Mehr Alternativen gibt’s nicht.

Tom

Tom hat sich fürs Leben entschieden.

Testosteron und Mastektomie: Ein langer Weg

Vor ihm lag ein langer Weg. Zuerst musste er zum Psychiater, dann zum Hormon-Arzt. "Klar, das ist ein Seelen-Striptease. Man erzählt intimste Dinge von sich. Aber das war die Eintrittskarte. "Ohne die Diagnose kommst du nicht weiter", sagt er heute. Der nächste Schritt war die Hormon-Therapie. Tom muss täglich ein Testosteron-Gel auftragen, das ihn in eine zweite Pubertät schickt. Die runden Backen verschwinden, Haare wachsen am ganzen Körper und langsam wird auch die Stimme tiefer. "Die ersten Wochen waren die interessantesten überhaupt. Ständig hat sich etwas verändert. Ich bin morgens aufgewacht und dachte: 'Okay, was ist heute neu?'". Rund fünf Jahre dauert die zweite Pubertät bei Transmenschen, die Hormone bekommen.

Als nächstes waren die Brüste dran. Bei einer sogenannten Mastektomie wurden Tom die Brüste abgenommen. Ein großer Eingriff, der sehr schmerzhaft ist und riesige Narben hinterlässt. "Ich hatte eine Korsage an. Alles ist zusammen geschnürt. Aus der Achsel kommen zwei Drainagen raus, wo das Blut raus läuft", erinnert sich Tom. "Aber aufzuwachen und zu wissen, dass die Brust weg ist, hat mich unfassbar glücklich gemacht."

Aufklärungsarbeit im Netz

Heute lebt Tom glücklich als Mann. Um andere Transmenschen bei ihrem Outing zu unterstützen, erzählt er seine Geschichte ganz offen auf Youtube und Instagram.

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"Ich konnte damals niemanden fragen, deshalb möchte ich auf Transsexualität aufmerksam machen", sagt er. Dafür bekommt er im Internet viele Hassbotschaften und Beleidigungen, aber das ermutigt ihn noch mehr.

Ich möchte nach draußen gehen und den Leuten zeigen: Ich tue niemandem was. Männer dürfen Männer sein, Frauen dürfen Frauen sein, aber ich darf doch auch trans sein.

Tom