Julia hilft in Stuttgart ankommenden Geflüchteten. Ihre Familie ist noch in der Ukraine. (Foto: DASDING)

Stuttgart

Hilfe für ukrainische Geflüchtete am Hauptbahnhof

STAND
AUTOR/IN
Marina Schulz
Marina (Foto: DASDING)

Während in ihrer Heimat in der Ukraine die Bomben fallen, helfen Julia und Vita ukrainischen Geflüchteten bei ihrer Ankunft in Stuttgart.

Achtung: dieser Artikel ist vom 10. März. Die Situation in der Ukraine und auch von Geflüchteten hier bei uns ändert sich sehr schnell. Aus diesem Grund kann es sein, dass manche Eindrücke/ Hinweise veraltet erscheinen.

Mehr als zwei Millionen Menschen haben mittlerweile die Ukraine verlassen und sind auf der Flucht. Seit Beginn des Krieges erreichen auch immer mehr Geflüchtete Stuttgart. Oft kommen sie nur mit einer kleinen Tasche in einem Land an, in dem sie niemanden kennen und dessen Sprache sie nicht sprechen. Wie geht es dann weiter?

Aus dem Krieg in der Ukraine nach Stuttgart

Am Bahnhof in Stuttgart wartet Julia zusammen mit ihren Freundinnen Vita, Maria und anderen Freiwilligen auf Geflüchtete aus der Ukraine. Mit ukrainischer Fahne, Wasserflaschen und Körben voller Lebensmittel begrüßen sie die neu ankommenden Menschen am Bahnhof. Gemeinsam haben die drei Freundinnen die Initiative Wolja (= ukrainisch für Wille) gegründet. Ihr Ziel ist es, Geflüchtete am Hauptbahnhof zu empfangen, sie zu betreuen und ihnen kurzfristig unbürokratische Schlafplätze zu vermitteln.

Hilfsangebote auf Ukrainisch

Außerdem stehen am Hauptbahnhof schon wenige Tage nach Kriegsbeginn Schilder auf Ukrainisch mit einem QR-Code, organisiert von Wolja. Darüber erfahren die Menschen, wo sie Hilfe finden und über Social-Media können sie direkt Kontakt zu Wolja aufnehmen. Maria, Vita und Julia sind rund um die Uhr erreichbar. „Eigentlich sollen die Menschen sich an die Bahn und die Bahnhofmission wenden. Aber da ist ab 21 Uhr niemand mehr da und über die Hotline, die die Stadt eingerichtet hat, ist niemand erreichbar“, erzählen die drei. „Wir bekommen jeden Tag so viele Nachrichten. Wir können das kaum bearbeiten“, ergänzt Maria.

Ihre Familien sind noch in der Ukraine

Julia und Vita sind vor drei Jahren nach Stuttgart gekommen, beide arbeiten hier als Krankenpflegerinnen. Ihre Familien sind noch immer in der Ukraine. „In meiner Heimatstadt Cherson fallen täglich Bomben. Ich telefoniere fast stündlich mit meiner Mutter. Ich mache mir sehr große Sorgen, aber wir haben uns gesagt, dass die Liebe am Ende gewinnt", erzählt Julia und schluckt dabei.

Die Liebe wird am Ende gewinnen.

Noch während wir mit Julia und Vita sprechen, kommen immer wieder neue Geflüchtete an. Viele wollen weiterreisen zu Freunden und Verwandten und brauchen Unterstützung beim Ticketkauf. Andere sind verzweifelt, weil sie nicht wissen, wie es weitergehen soll. Für sie versuchen die Freiwilligen gemeinsam mit der Bahnhofsmission eine Bleibe für die Nacht zu organisieren. Vitas Handy klingelt ununterbrochen. Die Aufnahmestellen in der Umgebung sind voll. Gemeinsam mit der Stadt versuchen sie freie Betten in der Stuttgarter Jugendherberge zu organisieren. Jetzt heißt es erst einmal warten.

Viele Stuttgarter*innen wollen den Geflüchteten helfen

Neben Julia, Vita und Maria sind auch andere Freiwillige vor Ort, die sich in Telegram-Gruppen selbst organisiert haben. Fast alle haben Familie in der Ukraine und fühlen sich gerade sehr hilflos. Einfach nur zuhause sitzen, halten sie nicht aus. Sie wollen etwas tun und warten nun am Bahnhof, eingeteilt in Schichten, um Leute in Empfang nehmen, ihnen auf Ukrainisch Fragen zu beantworten oder einfach nur, um ein paar nette Worte zu sagen. „Die meisten, die hier ankommen, sind sehr müde, das sieht man in ihren Augen“, erzählt Petro, der am Tag zuvor spontan beschlossen hat, nicht zur Arbeit zu gehen und sich als Freiwilliger gemeldet hat. „Die Leute, die in die Aufnahmestellen müssen, tun mir am meisten leid."

Die haben 1000 Fragen, die wissen nicht wohin. Viele erzählen von den Bomben, die ihre Städte getroffen haben.

Wie viele Geflüchtete bisher in Baden-Württemberg ankommen sind, weiß niemand so genau. Etwa 1.500 Flüchtende sind in den Erstaufnahmestellen untergekommen. Die meisten Menschen reisen aber mit Bussen und dem Auto an und schlafen bei Verwandten und Freunden. Da sie für die Einreise kein Visum brauchen, werden die Flüchtenden nicht registriert.

Schlafplätze in Privatunterkünften sind gefährlich

Immer mehr Stuttgarter*innen wollen helfen und bieten ihre Wohnung als Unterkunft an. Wolja vermittelt mittlerweile aber nur noch Schlafplätze in Hotels oder Pensionen. Schon bei den ersten Vermittlungen von Privatunterkünften haben sie schlechte Erfahrungen gemacht. Eine junge Frau wurde in einer privat vermittelten Unterkunft sexuell belästigt. Die Polizei musste eingeschaltet werden, Anzeige wurde erstattet.

Schlafplatz für eine Nacht

Die Menschen, die heute angekommen sind, haben Glück. In der Jugendherberge in Stuttgart sind noch 30 Betten frei. Dort können sie eine Nacht verbringen, am nächsten Morgen müssen sie aber weiter nach Ellwangen in eine kommunale Aufnahmestelle. Am Abend begleiten Julia, Maria und Vita die Menschen zu ihrer Unterkunft: „Die Leute aus der Ukraine sollen sich wie Zuhause fühlen und ihre Kriegstraumata verarbeiten, bis sich die Lage beruhigt hat. Die meisten wollen einfach nur wieder nach Hause“, sagt Julia. Und dann ergänzt sie: „Wir müssen etwas tun. Wenn man nur hilflos die Nachrichten anschauen, wird es nicht besser.“

🔝 Meistgelesen

  1. Stars & Influencer Ehe-Aus bei Novalanalove und DJ Jeezy: Das ist der Grund!

    Es gab schon länger Gerüchte, dass DJ Jeezy der Influencerin fremgegangen ist. Jetzt hat Novalanalove ausgepackt.  mehr...

    DASDING DASDING

  2. WTF?! Balenciaga zeigt Kinder mit Bondage-Teddybären!

    Inzwischen hat die Fashion-Brand die BDSM-Fotos wieder gelöscht und sich entschuldigt.  mehr...

    DASDING NEWSZONE - Dein Tag, Dein Update DASDING

  3. Stars Trennung von Novalanalove: Jetzt spricht DJ Jeezy

    Nachdem erst die Influencerin das Ehe-Aus bekannt gemacht hat, folgt jetzt auch ein Statement von DJ Jeezy.  mehr...

    DASDING DASDING

  4. Gesundheit Kinderkliniken überlastet: Wie gefährlich ist das RS-Virus?

    Notfallmediziner berichten von einer katastrophalen Situation auf den Kinderintensivstationen.  mehr...

    DASDING DASDING