vor Ort Trier "Ich will ich sein!" - Derya über Alltagsrassismus und #metwo

Unter #metwo diskutiert das Netz über Rassismus. Derya aus Trier hat türkische Großeltern und einen türkischen Namen. Obwohl sie in Deutschland geboren wurde, erlebt sie täglich Rassismus.

In der Schule, beim Bewerbungsgespräch, beim Einkaufen. Ständig wird Derya* daran erinnert, dass sie türkische Wurzeln hat. Dass ihre Großeltern nicht aus Deutschland kommen. Dass sie offenbar nicht einfach dazugehören kann, obwohl sie hier geboren ist, perfekt deutsch spricht, Abitur gemacht hat und studiert.

Das passiert täglich!

Derya

Da ist die Lehrerin, die sie drei Jahre lang mit einem italienischen Jungennamen anspricht. Als Derya sie verbessert, weiß es die Lehrerin trotzdem besser. Oder der Schulleiter, der glaubt zu wissen, dass die "Migrantenkinder" das Abitur ohnehin nicht schaffen würden. Oder die Filialleiterin beim Vorstellungsgespräch, die nicht glauben will, dass Derya und ihre Eltern in Deutschland geboren sind. Oder, oder, oder...

Es sind diese Kleinigkeiten, die Derya ausgrenzen. Und die dafür sorgen, dass die 19-Jährige darum kämpfen muss, deutsch zu sein und dazuzugehören. Jeden Tag.

Für viele Deutsche bin ich zu türkisch. Für die Türken bin ich zu deutsch.

Derya

In den 1960er Jahren kamen viele Türken als Gastarbeiter nach Deutschland. Derya gehört inzwischen zu der dritten Generation türkischer Migranten. Und trotzdem bleiben sie und ihre Familie eine Minderheit, da ist sich Derya sicher. Obwohl sie Deutschland prägen.

Die 19-Jährige hat sich damit abgefunden. Und sie hat sich festgelegt: Sie ist Deutsche, aber auch Türkin. Dass viele andere das nicht akzeptieren wollen, macht die Derya traurig.

Ich wünsche mir, dass die Vorurteile wegfallen. Es sollte um mich gehen und nicht um meine Herkunft. Ich will ich sein!

Derya

*Derya will anonym bleiben. Deshalb haben wir ihren Namen geändert. Sie hat Angst, dass sie noch häufiger ausgegrenzt wird und Probleme hat, nach dem Studium einen Job zu finden.