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Mit elf kam Londri in Deutschland an, vier Jahre dauerte seine Flucht durch Afrika und Europa. Nach turbulenten Zeiten lebt er seit 2014 in Trier.

Mit elf kam Londri in Deutschland an, vier Jahre dauerte seine Flucht durch Afrika und Europa. Nach turbulenten Zeiten lebt er seit 2014 in Trier.

Londri ist angekommen. Seit sechs Jahren lebt der 28-Jährige in Trier, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat einen Job in Luxemburg, verbringt viel Zeit im Garten. So ruhig lief es nicht immer: Als er 7 Jahre alt war, brach in seiner Heimat, dem Kongo, der Bürgerkrieg aus. Die Familie entschied, ihn nach Europa zu schicken, um ihm ein Leben in Frieden zu ermöglichen.

Weiße Menschen kannte ich bis dahin nur aus dem Fernsehen. Das war in dem Moment aber meine geringste Sorge.

Er kommt schließlich nach Deutschland, spricht die Sprache nicht, fällt durch seine dunkle Hautfarbe überall auf. Er wird gemobbt, macht viele schlechte Erfahrungen. Zeitweise rutscht er auch ins kriminelle Milieu ab. Dann hat er mehr Glück: Londri lernt seine heutige Frau kennen, sein Leben ändert sich, sein Job als Krankenpfleger führt ihn an die Mosel.

Der alltägliche Rassismus

Beim Thema Rassismus muss er nicht lange überlegen, um Beispiele zu nennen. Seit kurzem ist er aus dem Ostseeurlaub zurück, auch dort blieb er nicht verschont.

Ich gehe in die Ostsee und Leute sagen "Guck mal, da geht ein Gorilla schwimmen".

An ihm prallen die Sprüche ab, sagt Londri. Für seine Familie sei es nicht so leicht. In Trier meidet er die Innenstadt. Zu viele Menschen sind hier unterwegs, zu häufig wird er hier schief angeguckt oder beleidigt. Alltagsrassismus ist für ihn Normalität.

Im Zoo war ich die größere Attraktion als die Tiere.

Schreiben hilft beim Verarbeiten

Londri hat zwei Bücher geschrieben, in denen er seine Erfahrungen weitergibt. Er will auch darauf aufmerksam machen, dass die meisten Geflüchteten lieber in der Heimat geblieben wären. Den Kongo seiner Kindheit beschreibt Londri als Paradies. Ohne den Krieg hätte er sein Land nie verlassen.

Schlechte Erfahrungen mit der deutschen Polizei

Racial Profiling, die Ungleichbehandlung von Menschen wegen ihrer Hautfarbe durch Polizist*innen, ist ein heiß diskutiertes Thema. Auch Londri berichtet von einigen negativen Erlebnissen mit der Polizei. Bei Kontrollen wurde er schon körperlich angegangen, häufig als Verdächtiger behandelt.

Nach 20 Jahren hier habe ich nicht ein positives Erlebnis mit der Polizei.

Über einen Kamm scheren will er die Beamtinnen und Beamten trotzdem nicht.

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