So heftig war Florians Outing im Fußballteam

Florian aus Trier ist Fußballer und Schiedsrichter. Er lebt offen homosexuell, aber die Entscheidung zum Coming-out auf dem Platz fiel ihm schwer. Manche Reaktionen waren heftig.

„Homosexualität und Fußball, das ist ein großes Thema“, sagt Florian, als wir ihn vor einem Jahr treffen. Obwohl er Angst hat, plant er sein Coming-out bewusst – auch, um nicht von anderen geoutet zu werden. Denn er hat Sorge, zum Opfer von Abwertungen und "Witzen" zu werden. Doch Florian sucht das Gespräch mit dem Trainer.

Aber als es darum geht, wer in seiner Mannschaft der neue Kapitän werden soll, schreit einer der Teamkollegen über den Platz, dass er sich von einer "Schwuchtel als Kapitän" nichts sagen lassen würde. Viele andere Teamkollegen sind erst mal überrascht. Doch sie akzeptieren Florians Coming-out - und damit ihn, so, wie er nun mal wirklich ist.

Angst vor der Reaktion der Eltern

Noch wichtiger als die Reaktion von Freunden oder Teamkollegen ist ihm die seiner Eltern. Kurz nach seinem 18. Geburtstag redet er mit seiner Familie. "Alles war leichter, als mich bei meinem Vater zu outen."

Florians Vater meldet sich danach wochenlang nicht bei ihm. Eine schwere Zeit für Florian. Aber seit der Vater alles akzeptiert hat, sei die Beziehung besser denn je. "Wir sind uns jetzt näher als die 19 Jahre davor", sagt Florian.


Im Film "Lesbisch. Schwul. Jung." siehst Du, wie Florian und zwei andere junge Menschen mit ihrer Homosexualität umgehen.

"Man sollte sich outen"

Florian findet: „Ich bin schon der Meinung, dass man sich trauen sollte als Homosexueller, sich zu outen. Aber man selbst muss dafür bereit sein. Man muss sein eigenes, das innere Coming-out komplett abgeschlossen haben.“ Und beim Fußball? Wenn in der Mannschaft viele Homophobe sind oder Schwule generell gemobbt werden, würde Florian raten, eher aufzupassen. Er findet es am besten, erst mal mit dem Trainer zu reden.

Stand: 17.05.2017 Autor: Laura Czerny