vor Ort Reutlingen Helfen statt Chillen: Philipp ist ehrenamtlicher Helfer in der Vesperkirche

Arme, Obdachlose, aber auch "ganz normale" Menschen - in der Vesperkirche können sie gemeinsam mittagessen. Kostenlos oder gegen eine Spende.

Arme, Obdachlose, aber auch "ganz normale" Menschen - in der Vesperkirche in Reutlingen können sie gemeinsam mittagessen. Kostenlos oder gegen eine Spende. Für vier Wochen im Jahr, immer im Januar, mitten in der Stadt. Um das möglich zu machen, braucht es freiwillige Helfer wie Philipp.

Irgendwann hab ich mir gedacht, statt am Wochenende immer bis mittags zu schlafen, kannst du auch mal Sinnvolles tun!

Philipp

Rund 250 Helfer sind in der Reutlinger Vesperkirche dabei. Viele davon Senioren, Rentner oder Mütter. Aber auch Philipp (24) ist seit zwei Jahren mit am Start.

Ehrenamt trotz Vollzeitjob

Gerade hat er seine Ausbildung zum Mechatroniker abgeschlossen und arbeitet jetzt im Schichtdienst. Da bleibt nur das Wochenende zum Feiern, Freunde treffen, Spaß haben. Seit zwei Jahren verbringt er seine Wochenenden aber immer mal wieder in der Vesperkirche.

Mein Trainer hat immer gesagt: Wer feiern kann, kann auch früh aufstehen zum Fußballspiel am Sonntag. Ich sag: Wer feiern kann, kann auch früh aufstehen und mal was Gutes tun. Man bekommt echt viel zurück, viel mehr als man gibt!

Philipp

Gut 300-400 Mittagessen gehen an einem Tag in der Vesperkirche über den Tisch. Das bedeutet ziemlich viel Arbeit. Jeder kann mitmachen. Und die Aufgaben sind echt vielfältig - Brote schmieren für die Vesperpakete, Getränke vorbereiten, Dienst an der Kaffeetheke, an der Essensausgabe oder in der Bedienung.

Kontakt mit Menschen, mit denen man sonst nichts zu tun hätte

Philipp macht am liebsten Bedienung, "Da kommt man mit den Menschen in Kontakt. Vielen Menschen sieht man auch überhaupt nicht an, dass sie nicht viel haben, das ist manchmal schon krass".

Wenn ich früher hier die Wilhelmstraße runtergelaufen bin, hab ich schon viele Obdachlose oder einfach arme Menschen gesehen. Man läuft halt immer so vorbei und macht sich eigentlich keine Gedanken. Das hat sich bei mir auf jeden Fall verändert. Ich treffe auch viele aus der Vesperkirche in der Stadt wieder und die seh ich jetzt echt mit anderen Augen.

Philipp

Das Essen in der Vesperkirche kostet erstmal nichts. Auf allen Tischen stehen aber Spendenkässchen. Wer will, kann für sein Essen was spenden, wer nicht will oder kann, der muss auch nicht. Essen bekommen alle. Und sie werden bedient, wie in einem richtigen Restaurant.