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Diagnose: Krebs

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„Du hast Krebs“ - dieser Satz verändert erst mal alles. Aber wie kann man damit umgehen, wenn man selbst oder ein geliebter Mensch die Diagnose bekommt? Wie geht es danach weiter und was kann helfen? Hier gibt’s Antworten.

Kann man sich eigentlich vor Krebs schützen? Krebsvorsorge: Hier entlang!

Manche geben einem Tumor einen Namen, um ihm den Schrecken zu nehmen, andere versuchen, das „K“-Wort einfach gar nicht zu sagen. Für die meisten von uns ist die Krankheit wahrscheinlich sowas wie ein bedrohliches Schreckgespenst, das nicht so richtig greifbar ist. Deshalb wollen wir erst mal klären, worüber wir hier eigentlich sprechen und es ganz genau benennen:

Was ist Krebs überhaupt?

Das hat uns Dr. Jochen Greiner genauer erklärt. Er ist Arzt am Diakonie-Klinikum in Stuttgart und kümmert sich um Menschen, die Krebs haben.

Bei Krebs handelt es sich medizinisch um eine ganze Vielzahl unterschiedlicher Erkrankungen und Unterformen. Allen Krebsarten ist eine bösartige Entwicklung von Körperzellen gemeinsam.

Im Gegensatz zum kontrollierten Wachstum von gesunden Zellen würden Krebs-Zellen unkontrolliert wachsen. Sie haben damit keine Funktion, sondern zerstören das Gewebe.

Ja, das klingt erst mal gruselig. Aber: Es gibt heute auch viele Möglichkeiten, Gewebeproben und Tumore zu analysieren und genau zu untersuchen.

Dadurch konnten noch mehr Krebs-Unterformen entschlüsselt werden - und dieses Wissen führt dann dazu, dass gezielt mit neuen und modernen Medikamenten behandelt werden kann.

Was tun, wenn ein Freund, eine Freundin oder jemand aus der Familie Krebs hat?

Die Diagnose Krebs ist natürlich erst mal ein Schock - nicht nur für die betroffene Person, sondern auch für das Umfeld. Familie, Freunde… Alle haben Angst und fühlen sich vielleicht erst mal wie gelähmt.

Dabei ist füreinander da zu sein richtig wichtig und das Beste, was du in der Situation tun kannst. Man müsse mit dem sozialen Umfeld herausfinden, wie man es gemeinsam durch diese Zeit schafft - sagt auch Carsten aus Freiburg. Er hat mit 24 Jahren die Krebs-Diagnose bekommen.

Hockt euch an einen imaginären Tisch und räumt alle eure Ängste aus - und Sorgen.

Carsten hat es zum Beispiel geholfen, klar festzulegen, ob Leute fragen sollen, wie es ihm geht oder nicht. Wenn Unklarheiten aufgeräumt werden und Ängste und Schwächen eingestanden werden, sei das eine Entlastung für Patient*innen, aber auch für das ganze Umfeld.

Inzwischen ist Carstens Krebs-Diagnose zehn Jahre her. Heute arbeitet er als Psychoonkologe und hat eine Selbsthilfegruppe gegründet: „Jung und Krebs“.

Auch Alexandra hat einen Tipp.

Sie beschäftigt sich mit Trauercoaching (warum Trauer nämlich nicht immer etwas mit dem Tod zu tun hat, erfährst du weiter unten):

Nicht darauf warten, dass jemand sich von alleine meldet. Stattdessen Unterstützung anbieten, zum Beispiel etwas zu essen mitbringen, Alltagsaufgaben abnehmen, Wäsche waschen, einen Einkauf machen.

Warum es auch so wichtig ist, über Krebs zu sprechen

Obwohl es viele Menschen betrifft, ist Krebs immer noch so etwas wie ein Tabu-Thema, mit dem sich viele gar nicht auseinandersetzen wollen. Das hat auch Martina festgestellt, als sie selbst die Diagnose bekam.

Deshalb hat sie die Plattform Kurvenkratzer gegründet, auf der sich Leute austauschen können. Sie findet es ganz wichtig, dass noch viel mehr darüber gesprochen wird.

Wenn man in schmerzvolle Situationen kommt und den Schmerz - auch emotionalen und seelischen - nicht teilt, wird das von meinem Gehirn als viel intensiver wahrgenommen. Das heißt, ich verschlechtere meine Situation.

Sie glaubt deshalb daran, dass es extrem hilft, über Erfahrungen zu sprechen. Ihr Tipp, wenn man nicht so richtig weiß, wie:

Stell dir einfach vor, dein Gegenüber hätte einen Gips. Da würdest du dich auch trauen zu fragen: ‚Was ist passiert? Wie lange wirst du den haben?‘

Wichtig ist dabei aber natürlich auch, zu bedenken, dass jede*r anders mit der Krankheit umgeht und man Grenzen respektieren muss. Und dass man sich klarmacht: Egal, wie gut oder schlecht eine Therapie anschlägt - eine Krebs-Diagnose hat immer auch etwas mit Trauern zu tun.

Trauercoachin Alexandra hat uns genauer erklärt, welche Gedanken da eine Rolle spielen:

Wie schaffe ich das mit der Krankheit, wie geht es mir nach der Behandlung? Was muss ich ändern in meinem Leben? Werde ich wieder so leben können wie vorher?

Eventuell ist das Leben wie vorher nicht mehr möglich. Das kann sehr belasten. Professionelle Hilfe kann dann wichtig werden. Die bekommst du - oder eine betroffene Person aus deinem Umfeld - zum Beispiel beim Sozialdienst, bei Psychoonkolog*innen, Psycho-Therapeut*innen oder Ärzt*innen.

So kannst du vielleicht ein Leben retten: Die DKMS und ihr Kampf gegen Blutkrebs

Wenn es um den Kampf gegen Krebs geht, fällt auch immer wieder der Name „DKMS“. Hier sind allein in Deutschland aktuell über sieben Millionen Menschen registriert, um anderen zu helfen, die an Blutkrebs erkrankt sind.

Wir wollen mit dir über Krebs und die DKMS sprechen, Fragen beantworten, Unsicherheiten klären - aber auch die Chance geben, dass du selbst jemandem das Leben rettest. Deshalb kommen wir in den nächsten Tagen zu dir in deine Stadt in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Kann man sich eigentlich vor Krebs schützen?

Du kannst es dir bestimmt schon denken: Das eine, ganz sichere Mittel gegen Krebs gibt es nicht. Arzt Dr. Jochen Greiner hat aber schon ein paar Tipps, wie man zumindest ein bisschen was für seine Gesundheit tun kann:

Menschen, die sich regelmäßig bewegen, senken ihr Risiko für einige Krebsarten. Ob man sich beim Sport bewegt oder bei der Arbeit scheint da gar nicht mal so wichtig zu sein, sondern die Bewegung allgemein ist ein wichtiger Faktor.

Das Risiko für einige Krebsarten wie Lungenkrebs, Darmkrebs, Hautkrebs oder auch Gebärmutterhalskrebs ließe sich durch bestimmte Maßnahmen senken, aber nicht immer und auch nicht bei jedem.

Zu den Maßnahmen zählen laut Dr. Greiner: Möglichst nicht rauchen, sich ausgewogen ernähren, aufs Gewicht achten, UV-Strahlung meiden und auch die Möglichkeit von Impfungen (gibt es zum Beispiel gegen Gebärmutterhalskrebs) wahrnehmen.

Außerdem ganz wichtig: Vorsorgeuntersuchungen und regelmäßig checken, ob man bei sich Veränderungen bemerkt!

Falls du dir unsicher bist, welche Untersuchungen in deinem speziellen Fall und in deinem Alter wichtig sind, kannst du mal in deiner Arztpraxis nachfragen.

Krebsvorsorge: Das Krebsfrüherkennungs-Programm

In Deutschland gibt es ein Krebsfrüherkennungs-Programm (auch Krebs-Screening/Krebsvorsorge), bei dem jede*r ab einem bestimmten Alter teilnehmen kann. Zu den Krebsarten, die zur Früherkennung untersucht werden, gehören: Brustkrebs, Darmkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Hautkrebs und Prostatakrebs. Die Untersuchungen sind freiwillig und werden von deiner Krankenkasse gezahlt.

ab 20 Jahren einmal jährlich (Frauen)
Untersuchung der äußeren & inneren Geschlechtsorgane (zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs)
ab 20 bis 34 Jahren einmal jährlich (Frauen)
Abstrich vom Gebärmutterhals
ab 30 Jahren einmal jährlich(Frauen)
Abtastung der Brüste & Achselhöhlen (zur Früherkennung von Brustkrebs)
ab 35 Jahren alle 3 Jahre (Frauen)
Abstrich vom Gebärmutterhals + HPV-Test (zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs)
ab 35 Jahren alle 2 Jahre (Männer & Frauen)
Hautkrebs-Screening (Inspektion des gesamten Körpers)
ab 45 Jahren einmal jährlich (Männer)
Abtastung der Prostata (Untersuchung der Geschlechtsorgane und Lymphknoten an der Leiste)
ab 50 Jahren einmal jährlich(Männer & Frauen)
Test auf okkultes Blut im Stuhl (zur Darmkrebs-Früherkennung)
ab 50 Jahren (Männer) / Wiederholung nach 10 Jahren
Darmspiegelung (zur Darmkrebs-Früherkennung)
ab 55 Jahren (Frauen) / Wiederholung nach 10 Jahren
Darmspiegelung (zur Darmkrebs-Früherkennung)
ab 50 bis 69 Jahren alle 2 Jahre (Frauen)
Mammographie-Screening (zur Brustkrebs-Früherkennung)

Zusätzlich gibt es ein Gesundheits-Check-Up, das von der Krankenkasse gezahlt wird. Das soll helfen, Krankheiten wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Herzprobleme und Nierenschäden frühzeitig zu erkennen und diese besser behandeln zu können.

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