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Janis (Foto: SWR, DASDING)

Vor einem Jahr hat ein Mann den rassistischen Anschlag in Hanau begangen. Neun Menschen sind in dieser Nacht ermordet worden. Was ist seitdem passiert?

Trigger Warnung:

Im folgenden Artikel geht es unter anderem um Mord, Rassismus, Gewalt und psychische Erkrankungen. Wenn du dich damit nicht wohl fühlst, lies diesen Artikel nicht oder hol dir eine Person mit dazu.

Das sind die Namen der Opfer von Hanau

Ferhat Unvar. Gökhan Gültekin. Hamza Kurtović. Said Nessar Hashemi. Mercedes Kierpacz. Sedat Gürbüz. Kaloyan Velkov. Fatih Saraçoğlu. Vili Viorel Păun.

Was ist vor einem Jahr in Hanau passiert?

Am 19.Februar 2020 erschoss ein Mann drei Menschen in der Hanauer Innenstadt. Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu und Sedat Gürbüz starben in oder vor der Bar und in einem Shisha-Café. Anschließend fuhr der Täter mit seinem Auto in einen nahegelegenen Stadtteil.

Vili Viorel Păun hatte den Täter mit seinem Auto verfolgt und währenddessen drei Mal versucht die Polizei zu erreichen. Der Notruf war besetzt. Der Täter erschoss Vili Viorel Păun durch seine Windschutzscheibe.

In einem Kiosk tötete der Täter Gökhan Gültekin, Mercedes Kierpacz und Ferhat Unvar.

In der Bar nebenan erschoss er Said Nesar Hashemi und Hamza Kurtović. Weitere Menschen wurden an dem Abend verletzt.

Als die Polizei eintraf, war der Täter bereits geflohen. Er erschoss Zuhause erst seine Mutter und dann sich selbst.

Kritik der Opfer und Hinterbliebenen: Was ist schief gelaufen?

Nicht nur die schreckliche Tat müssen die Familien verkraften. Auch danach ist für die Opfer und Hinterbliebenden vieles falsch gelaufen:

Die Obduktionen der Opfer

Zum Beispiel wurden die Leichen der Opfer sehr lang obduziert, obwohl die Todesursache klar war: sie wurden erschossen.

Diese Kinder wurden auseinander genommen. Sie wurden Stück für Stück aufgeschnitten. Ihre Organe wurden ihnen entnommen. Die wussten wie sie gestorben sind. Sie wurden erschossen. Man muss ihnen ja nicht die Organe entnehmen und einzeln abwiegen und sie dann irgendwie zusammenflicken.

Saida Hashemi - Hanau - Eine Nacht und ihre Folgen

Erst acht Tage nach dem Tod sollen die Familien die Leichen gesehen haben können.

Rassismus innerhalb der Polizei

In einem Bericht der Polizei sollen sie das Aussehen von Hamza Kurtović als "orientalisch-südländisch" beschrieben haben. Hamza war blond, blauäugig und hatte eine sehr helle Haut.

Sie beschreiben seinen Namen. (...) Von einem Rassist getötet und der Rassismus geht weiter.

Armin Kurtović - Hanau - Eine Nacht und ihre Folgen

Der Vater des Täters mache dort weiter, wo sein Sohn aufgehört hatte

Der Vater des Täters habe den Bürgermeister von Hanau mehrmals angezeigt, weil dieser gesagt habe, dass die Opfer keine Fremden seien. Außerdem fordere der Vater folgendes: die Gedenkstätten an die Opfer sollen entfernt, die rassistische Internetseite seines Sohnes wieder freigeschaltet und die Tatwaffe herausgegeben werden.

Anstatt dass die Familien und Opfer vor dem Vater beschützt würden, sollen diese angerufen worden seien, dass sie keine "Blutrache" begehen sollen.

Die Angehörigen sollen eine Gefährderansprache bekommen haben.

Wir sollen uns dem Vater nicht nähern, ansonsten habe das schwere Konsequenzen für uns. Jetzt frage ich mich wer hier in Deutschland eigentlich wen schützt. Warum haben wir keine Gefährdetenansprache bekommen?

Pieter Minnemann - Hanau - Eine Nacht und ihre Folgen

Die ganze Doku kannst du dir hier anschauen:

Hanau - Eine Nacht und ihre Folgen

Der Täter hat legal Waffen besessen

Der Täter war Sportschütze und besaß seit 2013 legal Waffen. Die Waffen waren gemeldet und registriert.

Er veröffentlichte ein Manifest, in dem er unter anderem behaupte, seit seiner Geburt verfolgt zu werden. Außerdem enthielte es diverse rechtsradikale Zeilen. Er behauptete auch, dass er mehrere Anzeigen bei der Polizei gemacht habe, was die Bundesanwaltschaft bestätigte. In diesen Anzeigen sei es um eine "unbekannte geheimdienstliche Organisation" gegangen. Es ist nicht klar, ob die Polizei den Anzeigen nachgegangen ist und man dem Täter so vielleicht die Waffenbesitzkarte hätte entziehen können.

Man muss eine persönliche Eignung bestehen, um legal Waffen zu besitzen. Bei Zweifeln hätte man ein fachpsychologisches Zeugnis anfordern können.

Meine persönliche Meinung

Für mich bleibt eine Frage offen:

Hätte man diesen rassistischen Anschlag verhindern können?

Ich werde den Schmerz und die Angst nie so nachvollziehen können, wie die Opfer, die Familien oder Menschen, die von Rassismus betroffen sind. Ich möchte mein tiefstes Beileid aussprechen und appelliere an jede weiße Person sich mit Rassismus auseinanderzusetzen, damit solche Anschläge verhindert werden können.

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