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Das Finale der Fußball-Europameisterschaft entschied sich zwischen Italien und England im Elfmeterschießen. Drei Schwarze englische Spieler scheiterten - und werden dafür von England-Fans rassistisch attackiert. Das zeigt, wie viel noch gegen Rassismus getan werden muss. Mittlerweile melden sich auch die englischen Spieler zu den Vorfällen.

Vor jedem EM-Spiel setzte die englische Mannschaft ein Zeichen gegen Rassismus: In Anlehnung an die Proteste des ehemaligen Football-Profis Colin Kaepernick und als Fortführung der Black-Lives-Matter-Bewegung kniete die Mannschaft unmittelbar vor dem Spiel auf dem Rasen nieder. Auch die DFB-Elf hatte sich bei ihrem Spiel gegen England am Kniefall beteiligt.

TWO Teams. ONE Message. 🤜🏿🤛🏼 @England  #ENGGER #EURO2020 #DieMannschaft https://t.co/0nHJafAawv

Dass dieser Kniefall und die "Black Lives Matter"-Bewegung immer wichtig sind, zeigen die Reaktionen gegenüber Jadon Sancho, Marcus Rashford und Bukayo Saka nach dem Elfmeterschießen im EM-Finale.

Rassismus-Attacken: Das passierte nach dem EM-Finale

England verlor im Elfmeterschießen gegen Italien mit 2:3. Drei englische Spieler verschossen den Elfmeter: Bukayo Saka, Marcus Rashford und Jadon Sancho. Daraufhin machten England-Fans in den sozialen Medien ihrem Frust über das verlorene Finale in Form massivst rassistischer Beleidigungen Luft.

Unter seinem letzten Instagram-Post wurde der 19-jährige Saka aufs Übelste rassitisch beleidigt. Mittlerweile ermittelt deshalb auch die Metropolitan Police. Und auch unter Postings von Sancho und Rashford finden sich zahlreiche rassistische Kommentare.

Rassismus gegen Sancho, Saka und Rashford: So reagiert das Netz

Der englische Fußballverband FA hatte noch in der Nacht nach dem Finale mit einer Stellungnahme reagiert. Dort hieß es unter Anderem: "Wir könnten nicht deutlicher machen, dass jeder, der hinter solch widerlichem Verhalten steckt, als Anhänger unseres Teams nicht willkommen ist. Wir werden tun, was wir können, um die betroffenen Spieler zu unterstützen und drängen zugleich auf die härtest möglichen Strafen für jeden, der verantwortlich ist."

Auch der englische Premierminister Boris Johnson verurteilte die rassistischen Beleidigungen: "Dieses England-Team verdient es, als Helden gepriesen und nicht in den sozialen Medien rassistisch beschimpft zu werden."

This England team deserve to be lauded as heroes, not racially abused on social media. Those responsible for this appalling abuse should be ashamed of themselves.

Daraufhin bekam er viel Kritik, beispielweise von der "Black-Lives-Matter"-Organisation "All Black Lives UK". Sie kritisieren, wie sich Johnson zu den aktuellen Vorfällen äußert und es sonst "zulässt, dass Schwarze missbraucht und belästigt werden":

You have continuously upheld white supremacy in this country. Your tweet does not mean anything to us. You allow black people to be constantly abused and harassed. Stop this performative behaviour, we do not want it https://t.co/76IhXPp3TP

Prinz William schrieb auf Twitter: "Ich bin angewidert von den rassistischen Beschimpfungen, die nach dem Spiel gegen die englischen Spieler gerichtet wurden. Es ist völlig inakzeptabel, dass die Spieler dieses abscheuliche Verhalten ertragen müssen."

Einige User*innen warfen den Fans vor, diese Spieler nur dann zu unterstützen, wenn es ihnen gerade gelegen kommt. So auch zum Beispiel der britische YouTuber und Influencer Sharky:

You celebrated every time Sterling scored, you cheered Saka and called him a prodigy when he was the best player on the pitch, you begged for Sancho to play. But now you wanna racially abuse the players and attack black fans? Piss off man

Unter dem Hashtag #SayNoToRacism solidarisieren sich viele Menschen mit den drei englischen Nationalspielern:

I stand with Saka. I stand with Rashford. I stand with Sancho. #SayNoToRacism #Euro2020Final https://t.co/lTCGLxGT0c

Und auch auf den Instagram-Accounts der drei englischen Nationalspieler häufen sich mittlerweile solidarische und unterstützende Kommentare.

Nach EM-Finale: Jetzt melden sich Rashford und Kane zu Rassismus-Attacken

Knapp 24 Stunden nach dem EM-Finale und den darauf gefolgten rassistischen Attacken gegen drei Schwarze England-Spieler, meldete sich jetzt Marcus Rashford mit einer Nachricht auf Twitter: "Ich fühlte mich, als hätte ich meine Freunde enttäuscht. Ich fühlte mich, als hätte ich alle enttäuscht." Er bittet für seinen verschossenen Elfmeter öffentlich um Verzeihung: "55 Jahre. 1 Elfmeter. Geschichte. Ich kann nur sagen, dass es mir leidtut. Ich wünschte, es wäre anders gelaufen." Weiter schreibt er: "Mein Elfmeter war nicht gut genug, der Ball hätte reingehen müssen, aber ich werde mich niemals dafür entschuldigen, wer ich bin und woher ich komme."

Team-Kollege und Kapitän Harry Kane stellte sich auf seinem Instagram-Account klar hinter Sancho, Rashford und Saka: "Drei Jungs, die den ganzen Sommer über brillant waren, hatten den Mut, aufzustehen und einen Elfmeter zu schießen als es um viel ging." Weiter lehnt er die rassistischen Anfeindungen ab: "Wenn du jemanden in den sozialen Medien beschimpfst, bist du kein England-Fan und wir wollen dich nicht."

Auch der norwegische Fußballspieler Erling Haaland, der bei Borussia Dortmund unter Vertrag steht, meldete sich auf Twitter zu Wort: "Ich verstehe nicht, warum es immer noch Raum für Rassismus und Diskriminierung gibt. Wir werden nie müde werden, gegen jede Form von Diskriminierung zu kämpfen."

I don't understand why there is still room for racism and discrimination. We will never tire of fighting against any form of discrimination. Instead of being applauded for having the courage to take the penalties, these young men are attacked with racist insults. I am speechless.

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