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Britney Spears streitet sich momentan vor Gericht mit ihrem Vater um die Vormundschaft, unter der sie seit 2008 steht. Bei einer Anhörung durfte sie jetzt selbstständig über ihren Anwalt entscheiden - und kündigte außerdem an, ihren Vater anzeigen zu wollen.

Wie geht es Britney Spears wirklich? Darüber wurde schon Jahre lang diskutiert - vor allem seit 2008, weil sie seither unter der Vormundschaft ihres Vaters bzw. dessen Mitarbeiter steht. Ende Juni hatte sich Britney Spears bei einer gerichtlichen Anhörung in Los Angeles geäußert: Sie erklärte, dass sie ein Ende der Vormundschaft möchte. Es solle nicht mehr über ihr Leben bestimmt werden. Bei ihrem Statement machte sie auch ihrer Familie Vorwürfe: Ihre Eltern hätten sie ausgebeutet, über ihr Privatleben bestimmt und von ihrem Geld profitiert.

Mehrere Medien berichten, dass sie davon gesprochen habe "traumatisiert" zu sein. Weiter soll sie gesagt haben:

Ich bin nicht glücklich. Ich kann nicht schlafen. Ich bin so wütend und deprimiert.

Etwas später hatte sie auf Instagram ein längeres Statement veröffentlicht, das ungewöhnlich ernst und - laut ihrer eigenen Aussage - auch ungewöhnlich ehrlich ist.

Darin schrieb sie unter anderem:

Ich entschuldige mich dafür, dass ich die letzten zwei Jahre so getan habe, als wäre ich okay. Ich habe das aus Stolz getan und weil ich mich geschämt habe zu teilen, was wirklich mit mir passiert ist.

Britney Spears Vater ließ nach der Anhörung Ende Juni über Anwälte ausrichten, es würde ihm leid tun, zu sehen, dass seine Tochter leidet. Er würde sie lieben und sehr vermissen.

Britney darf Anwalt selbst wählen - und kündigt Anzeige gegen Vater an

In der nächsten Runde im Rechtsstreit zwischen Britney Spears und ihrem Vater hatte Britney jetzt Erfolg - zumindest zum Teil. Sie darf ihren Anwalt selbst wählen. Diesen Wunsch hatte sie gegenüber der Richterin geäußert. Der Anwalt steht bereits fest: Mathew Rosengart, der zuvor zum Beispiel mit Keanu Reeves und Steven Spielberg gearbeitet hat.

Bei der aktuellsten Anhörung soll sie ihren Vater erneut verbal angegriffen und angekündigt haben, ihn wegen Vormundschaftsmissbrauchs anzuzeigen, so US-Medienberichte. Laut der Deutschen Presseagentur soll sie bei der Anhörung außerdem gesagt haben, sie sei bedroht worden und habe große Angst vor ihrem Vater. Stellenweise sei der Popstar in Schluchzen ausgebrochen.

Anschließend meldete sie sich mit einem Instagram-Post, in dem sie schreibt: "Es geht voran, Leute ... es geht voran 🖕🏻!!!!! Neu mit echter Darstellung heute ... Ich fühle mich dankbar und gesegnet !!!!" Außerdem bedankt sie sich bei ihren Fans für die Unterstützung.

Aber worum geht es vor Gericht eigentlich genau? Und was steckt hinter der #FreeBritney-Kampagne der Fans, die vor einigen Monaten durch eine Doku über die Sängerin noch weiter angeheizt wurde?

Das ist die ganze Story:

Die Hintergründe: Warum bekam der Vater die Vormundschaft?

Dass Britney mit psychischen Probleme zu kämpfen hat, wurde 2007 klar. Damals hatte sie sich nach einem Nervenzusammenbruch eine Glatze rasiert. Außerdem hatte Britney immer viel mit Drogenproblemen zu kämpfen, weshalb sie auch das Sorgerecht für ihre Söhne an ihren Ex-Mann Kevin Federline verloren hat. Nachdem sie sich dann einige Monate später mit ihren Kindern in einer Villa verbarrikadiert hatte, weil sie nicht wollte, dass ihr Ex die Söhne wieder bekommt, wurde sie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen.

#FreeBritney und die Diskussion um Britney Spears Vormundschaft

Britneys Vater hat sie zu der Zeit nicht mehr für zurechnungsfähig gehalten und deshalb 2008 die Vormundschaft über sie und ihre Finanzen übernommen. Die hat er dann 2019 aufgrund von gesundheitlichen Problemen an eine Mitarbeiterin übertragen. Ab dem 22. August 2020 wollte Britney Spears Vater die Vormundschaft wieder übernehmen - laut Britneys Anwalt soll sie da aber "strikt dagegen" sein.

So oder so darf Britney Spears bis heute wichtige Entscheidungen nicht selbst treffen - vor allem, wenn es um ihr Geld geht. Das finden die Fans von Britney extrem schlimm. Sie glauben, dass Britney gegen ihren Willen festgehalten und manipuliert wird. Die Fans versuchen deshalb schon seit Jahren durch ihren Protest etwas zu verändern. Bei Protest-Postings auf Twitter, Instagram und in anderen sozialen Netzen wird deshalb immer der Hashtag #FreeBritney verwendet. Es gibt auch regelmäßig Petitionen, bei denen Unterschriften für die Unabhängigkeit von Britney gesammelt werden. Eine läuft zum Beispiel gerade bei change.org.

#FreeBritney – auf diesen Postings wollen Fans Beweise erkennen

Auf Postings von Britney suchen die Fans immer wieder nach Zeichen und versteckten Hilferufen. Die Fans glauben nämlich, dass ihre Lieblingssängerin so sehr kontrolliert wird, dass sie nur durch kleine, versteckte Zeichen auf ihre Lage aufmerksam machen kann. Beweise für eine derartige Kontrolle und Beeinflussung von Britney gibt es nicht.

Trotzdem glauben die Fans immer wieder neue Hinweise zu entdecken. Auf diesem Foto wollen viele Follower zum Beispiel ganz deutlich erkennen können, dass unter Britneys Wimpern „Call 911“ steht.

It’s nice to go outside and shoot 📸🌳🌸 .... the natural light always reveals the magic in the eyes ☀️👀💋 !!!!!!  Ps no photoshop on this photo !!!!!!

911 ist die Notruf-Nummer in den USA. Der Postingtext soll nach der Meinung der Fans auch ganz klar darauf hindeuten, dass man in ihren Augen was erkennen kann.

Britney Spears (Foto: Instagram/ britneyspears)
Instagram/ britneyspears

Außerdem war für viele dieses Posting mit dem gelben Top ein klarer Beweis dafür, dass Britney dringend Hilfe braucht:

HOLY HOLY CRAP 😍 !!!!!! My florist surprised me today by making the flower arrangement all different colors 💐💐💐💐  ….. I was so excited I threw on my favorite yellow shirt and just had to SHARE 🌸🌸🌸⭐️⭐️⭐️ !!!!

Denn ein Follower hatte wohl unter ihrem Posting davor geschrieben, dass sie gelb auf dem nächsten Bild tragen soll, falls sie Hilfe braucht. Ob es den Kommentar allerdings wirklich gab oder ob der erst nachträglich gepostet wurde, konnten wir nicht herausfinden.

Weiter angeheizt wurde die Diskussion dann vor einigen Monaten durch eine neue Doku über das Leben der Sängerin.

"Framing Britney Spears": Was du zur Doku wissen solltest

Regisseurin Samantha Stark hat in einem Interview erklärt, was hinter der „Framing Britney Spears“-Idee steckt:

„Es gibt da immer noch diese Fotos, an die Menschen immer denken, wenn es um Britney Spears geht (…) zum Beispiel das Foto, als sie ihre Haare abrasiert hat oder als sie mit einem Regenschirm auf das Auto eines Paparazzo einschlug.“

Dazu meint sie:

Diese Ausschnitte, diese „frames“, geistern jetzt schon so lange herum und wir wollten wissen, was es außerhalb dieser Bilder gibt.

Die Bilder, die sie meint, kennen wahrscheinlich alle genauso gut wie die Song-Texte aus den 90ern. Was viele nicht wissen, ist laut Samantha Stark, wie genau es dazu kommen konnte und was sich hinter den Kulissen abgespielt hat. Deshalb hat die New York Times der Sängerin eine 70-minütige Doku in der Reihe „The New York Times presents“ gewidmet. Die Doku lief in den USA im TV und auf einem Streamingdienst - hat aber auch in anderen Ländern Schlagzeilen gemacht.

Britney Spears: Deshalb sprechen alle über die neue Doku

Laut der Regisseurin wurde versucht, allen Seiten die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern. Darunter war auch die frühere Assistentin von Britney Spears, die bisher kaum für Interviews zur Verfügung stand. Gleichzeitig seien aber auch die Sichtweisen von Britneys Familie oder außenstehenden Fotografen thematisiert worden.

Was vielen auffällt: Eindeutige Antworten liefert die Doku nicht - vielleicht auch, weil Britney selbst zum Beispiel gar nicht zu Wort kommt und eben nicht alle Seiten zu Interviews bereit waren. Trotzdem wurde viel über die Doku gesprochen.

Das Besondere an dem Film ist für viele zum Beispiel, dass Regisseurin Samantha Stark größtenteils mit einer rein weiblichen Crew gearbeitet hat und im Laufe des Films auch darauf aufmerksam macht, wie mit dem jungen, weiblichen Star umgegangen wurde.

Wenn man sich die Bilder - insbesondere die aus den Jahren 2007 und 2008 - aus der heutigen Perspektive anschaut, also nach #MeToo und in ein einer Zeit, in der mehr über psychische Probleme gesprochen wird, ist das einfach schockierend.

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