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Restaurants und Kulturbetriebe dicht, keine Konzerte oder Reisen, Homeoffice und Kurzarbeit – in 2020 ist vieles anders und schwieriger als sonst. Trotzdem: Einige Menschen konnten diese verrückte Zeit für sich nutzen und etwas in ihrem Leben verändern – wir haben mit ihnen gesprochen.

Mit Jonas aus Freiburg zum Beispiel. Er hat sich direkt im März im Ski-Urlaub mit dem Corona-Virus angesteckt. Sein einziges Symptom: Geruchs- und Geschmacksverlust – und das bis heute.

1.Gesünder essen und mehr Sport machen

Aber davon hat sich Jonas nicht unterkriegen lassen, im Gegenteil: Er hat es für sich genutzt. Vor der Erkrankung hat er gut 120 Kilo auf die Waage gebracht, war er ein leidenschaftlicher Esser, hat bei Oma am Wochenende gleich mehrere Schnitzel verdrückt.

Ohne Geschmackssinn hat Jonas in den letzten Monaten Stück für Stück seine Ernährung umgestellt, mit Kickboxen angefangen und über 30 Kilo abgenommen.

Die meisten Freunde oder Kollegen sagen zu mir: Du bist ein komplett anderer Mensch geworden.

Jonas

Jonas ist sich sicher: Gesund essen und Sport gehören jetzt zu seinem Alltag, auch wenn er irgendwann wieder richtig schmecken und riechen kann.

2. Sich für andere einsetzen

Auch der Alltag von Lena aus Stuttgart hat sich massiv verändert, als ihr Arbeitgeber sie in Kurzarbeit geschickt hat. „Das war komplett neu für mich“, erzählt sie. „Auf einmal hatte ich überhaupt nichts mehr zu tun.“

Um ihre Zeit sinnvoll zu nutzen, hat sie kurzerhand ein soziales Projekt gestartet. Das war sowieso schon immer ein großer Wunsch von ihr. Bei der Brieftaubenaktion schreiben Freiwillige Briefe an Menschen in sozialen Einrichtungen. Manchmal entstehen so auch langfristige Brieffreundschaften zwischen Menschen, die sich sonst nie kennengelernt hätten.

Das tut mir so gut, zu wissen, dass die ganze Arbeit, die ich da reinstecke, Menschen glücklich macht, und das macht mich auch glücklich.

Lena

Um ihr Projekt auch über die Corona-Zeit hinaus betreuen zu können, hat Lena beschlossen, in ihrem eigentlichen Job auf 80 Prozent zu reduzieren.

3. Mehr für sich selbst tun

Kathi gehört wegen ihrer körperlichen Behinderung zur Risikogruppe. Seit Beginn der Corona-Krise im Frühjahr isoliert sie sich, um sich zu schützen - das Virus könnte für sie lebensbedrohlich sein. Vor der Pandemie hatte Kati viel mit Menschen zu tun, zum Beispiel auf der Arbeit, bei Konzerten oder Treffen mit Freunden. Plötzlich war da viel Zeit alleine - und ziemlich dunkle Gedanken und Einsamkeit. Darum hat sie in der Krise den Entschluss gefasst, eine Therapie zu beginnen. Mit dem Gedanken hatte sie sich auch davor schon beschäftigt, aber da erschien es ihr nicht so dringlich. Heute ist sie sehr froh, dass sie diesen Weg gegangen ist.

Manche Dinge haben sich in der Isolation einfach verschärft und es war die beste Idee eine Therapie anzufangen.

Kati

4. Die Heimat entdecken

Eigentlich sind Anika und Mathias aus Weingarten als Reiseblogger in der ganzen Welt unterwegs. Wegen Corona mussten sie ihre Reisepläne aber erstmal auf Eis legen.

„Wir wussten bereits vor der Pandemie, was Reisen für ein Privileg ist“, sagen die beiden. Durch Corona sei ihnen das aber nochmal mehr bewusst geworden. Reise-Storys gab’s trotzdem von den beiden. Sie haben ihre Heimat – die Pfalz – erkundet und dabei nochmal zu schätzen gelernt, wie schön es eigentlich direkt vor der eigenen Haustür ist.

Es hat so viel Spaß gemacht, so viele wundervolle Orte in der Heimat zu entdecken und tolle Leute kennenzulernen.

Annika

Klar, die zwei freuen sich, wenn sie auch den Rest der Welt wiederentdecken können, aber auch die Heimat gehört jetzt zum Reiseplan der beiden.

5. Für die Liebe kämpfen

Auch für Julia aus Freiburg waren die geschlossenen Grenzen ein Problem: Denn ihr Freund Arturo lebt in Peru. Eigentlich wollten sie sich mehrmals in diesem Jahr besuchen – doch sie mussten alles absagen.

Eine harte Zeit, die die beiden aber nochmal mehr als Team zusammengeschweißt hat:

Es ist wie, als wenn wir uns noch mehr zueinander bekennen mussten.

Julia

Anfang November konnte Julia nun endlich nach langen Monaten wieder nach Peru reisen.

Julia und ihr Freund direkt nach ihrer Ankunft in Peru (Foto: privat)
privat

Sie hat sich für ihre Liebe auch politisch eingesetzt und sich unter dem Hashtag #loveisnottourism mit anderen Menschen auf der ganzen Welt zusammengetan, deren Partner auch nicht im selben Land leben, wie sie selbst.

Sie hat an Aktionen teilgenommen, mit Politikern gesprochen – und konnte auch etwas bewegen und verändern. Eine ganz neue Erfahrung für sie, auf die sie auch sehr stolz ist.

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