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Eine Woche nach dem gewaltsamen Tod des Schwarzen US-Amerikaners George Floyd gibt es Proteste in den USA, geplante Demos in verschiedenen Ländern und Solidarität in den sozialen Netzwerken. Was du zu Hashtags wie #BlackLivesMatter oder #WhiteSilenceIsViolence wissen musst und warum am Dienstagmorgen plötzlich dein ganzer Insta-Feed voller schwarzer Bilder war, checkst du hier.

Nach dem Tod von George Floyd gehen Menschen auf die Straße, Stars positionieren sich und Hashtags wie #BlackLivesMatter, #BlackoutTuesday und #WhiteSilenceIsViolence bestimmen die sozialen Netzwerke. Vielen wird jetzt klar: Es reicht nicht, einfach nur gegen Rassismus zu sein, man muss auch aktiv etwas dagegen tun. Deshalb werden im Netz Antworten gesucht.

George Floyd: Was ist passiert?

George Floyd starb vor etwa einer Woche nach einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis: Videoaufnahmen zeigen, wie ein Polizist den unbewaffneten Schwarzen US-Amerikaner mit dem Knie auf den Boden drückt, obwohl er immer wieder sagt, dass er nicht atmen könne. Der Druck des Knies auf den Nacken brachte ihn schließlich um, das hat der offizielle Autopsiebericht bestätigt.

Der gewaltsame Tod von George Floyd hat in den USA zu Protesten und Ausschreitungen geführt. Auch in Deutschland fanden Demonstrationen statt.

Stars reagieren auf den Tod von George Floyd

Kurz nachdem ein Video der Festnahme veröffentlicht wurde, haben Stars reagiert und ihren Emotionen freien Lauf gelassen.

Cardi B hat zum Beispiel gefragt, was eigentlich noch passieren müsse.

Enough is enough! What will it take ? A civil war ? A new president? Violent riots ? It’s tired ! I’m tired ! The country is tired !You don’t put fear in people when you do this you just show how coward YOU ARE ! And how America is really not the land of the free !

„Ein Bürgerkrieg? Ein neuer Präsident? Gewaltsame Ausschreitungen? (…) Dieses Land ist müde! (…)“

Und Jamie Foxx hat im direkten Vergleich gezeigt, wie unterschiedlich die Polizei mit Straftätern umgehe:

Do we need any more proof that if you are a man of color when it comes to Police procedure we are at a deadly disadvantage?… No need to sugarcoat it… Two white men carry out mass murders that kill over 32 people… One of the mass murderers sat down in the church with the black members and then proceeded to kill them and was calmly taken into custody... #whydotheyhateus

Das sind aber nur ein paar prominente Beispiele von vielen.

#BlackOutTuesday: Warum dein Instagram-Feed am Dienstag voller schwarzer Bilder war

Am Dienstag wurde mit dem #BlackoutTuesday dann ein weiteres Zeichen gesetzt. Deshalb sind dir wahrscheinlich viele schwarze Bilder in deinem Instagram-Feed aufgefallen.

Gerade posten viele Stars und User*innen im Netz schwarze Bilder. Der Grund: Vor knapp einer Woche starb der Afroamerikaner George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz. In einem Video sieht man, wie ein Polizist minutenlang mit dem Knie auf George Floyds Nacken kniete, obwohl Floyd immer wieder sagt, "I can't breathe" (Ich kann nicht atmen). In einem Autopsiebericht wurde jetzt festgestellt, dass George Floyd tatsächlich bei diesem Einsatz wegen Polizeigewalt gestorben ist. Diese Polizeigewalt wird momentan auf der Straße bei Demos und eben auch im Netz kritisiert. Mit einem schwarzen Bild wie diesem hier solidarisieren sich User*innen mit Opfern von Rassismus und Polizeigewalt. ___________ #justiceforgeorgefloyd #blackouttuesday #dasding

Wichtig: Wer hier ein Zeichen setzen möchte, sollte nicht den Hashtag #BlackLivesMatter verwenden, weil sonst wichtige Inhalte durch diese Bilder verdrängt werden. Eigentlich sollen Informationen zu dem Thema aber leicht zugänglich sein. Deshalb wird stattdessen dazu aufgerufen, den Hashtag #BlackoutTuesday zu verwenden. Darauf hat zum Beispiel auch Rapperin Lizzo hingewiesen.

You can caption black lives matter, but don’t hashtag pls thnx. Hashtag #blackouttuesday instead

Außerdem findest du unter einigen Postings (wie hier bei Aminata Belli) Informationen dazu, was du gerade tun kannst...

Hi! Danke, dass so viele neue Leute hier sind. Toll, dass so viele Leute gerade über das sprechen und nachdenken möchten, über das viele von uns ständig nachdenken und sprechen müssen. Schade, dass einige es erst verstehen, wenn es so brutal und unumgänglich ist wie jetzt. Ich bekomme viele Fragen, Hinweise, Nachrichten und bin tatsächlich etwas überfordert mit allem. Öffne Instagram und sehe Demonstranten, News, Gefühle und Texte. Es ist überwältigend. Und will das Handy deshalb gar nicht erst in die Hand nehmen. Aber so tun als wär nix, funktioniert natürlich nicht. Glaube so geht es vielen anderen Schwarzen Menschen gerade auch. Checkt diesen Guide in meiner Story, falls ihr Schwarz seid und checkt eure Schwarzen Freunde, falls ihr es nicht seid. Ich bin so froh über die privaten Nachrichten meiner Freunde, aber auch so traurig über jene, die alles ignorieren. Es ist einfach viel, für unseren Kopf und unser Herz und unserer Energie. Aber ich sehe wie dieses Mal irgendwie fast alle verstehen, worum es geht. Und habe irgendwie nicht mehr das Gefühl, dass man alleine kämpft. Also falls es wehtut und die Energie gerade nicht da ist: packt das Handy weg. Es ist ok. Falls es motiviert: nutzt die Energie, organisiert Dinge, erklärt und redet mit Menschen, die nicht betroffen sind. Für beides gilt aber: redet vor allem mit anderen Schwarzen Menschen 🖤 #blackouttuesday

Nutzt die Energie, organisiert Dinge, erklärt und redet mit Menschen, die nicht betroffen sind. Für beides gilt aber: redet vor allem mit anderen Schwarzen Menschen. 🖤

Aminata Belli auf Instagram

...und was wir immer bedenken sollten:

aus gegebenem Anlass kramen wir mal alte Posts raus. Hier eine Perle von @vanessa_vu und @amna_chmittag für @zeit 🧠 quelle: www.zeit.de/schulangebote

Vielleicht kann dir auch dieses Posting weiterhelfen:

#BLACKLIVESMATTER ✊🏾 I noticed that many people in Europe (including me) wanted to contribute to this fight against anti-blackness, but didn’t know where to start since they don’t live in the USA. I saw a post with resources and steps for UK residents to help, and thought it would be super helpful to also do some research focusing on a broader region so that I (a Dutch citizen) could take appropriate steps to get involved and share this knowledge with other European citizens. Feel free to leave comments with more suggestions 🤍 I also wanna say: I hope that all my black followers are ok, and I hope that you know that you are allowed to grieve and be sad. This is traumatic for so many of us, and we shouldn’t forget that. I spent the past few days trying to help as much as possible, and this morning someone asked me how I was feeling for the first time and I literally broke down. I’m still crying as I’m writing this down and I wish I allowed myself to be emotional about this from the beginning instead of numbing myself. Our emotions are valid, we are not overreacting. I love you all, and stay safe if you’re out in the streets protesting!!!

"1. Es ist nicht genug, nicht rassistisch zu sein. Du musst aktiv anti-rassistisch sein."
"2. Nicht nur online gegen Rassimus sein, sondern auch offline."
"3. Nicht vergessen: Rassismus findet in Europa jeden Tag statt."
"4. Wenn jemand etwas Rassistisches sagt, bleib nicht leise, sondern sei laut."

Warum #blacklivesmatter gerade wichtiger ist als #alllivesmatter

Zwischen diesen Zeichen der Solidarität, taucht immer wieder eine Frage auf: Müsste es im Moment nicht eigentlich #AllLivesMatter (jedes Leben zählt) heißen? Weil doch alle gleich behandelt werden sollten, weil doch alle zusammenhalten müssten? Als Antwort darauf gibt es jede Menge Erklärversuche und Vergleiche.

#blacklivesmatter #racism #whiteprivilege

„Als Antwort auf „Black Lives Matter“ zu sagen „All Lives Matter“ ist, als würde man sagen, dass die Feuerwehr Wasser auf alle Häuser in der Nachbarschaft spritzen soll, auch wenn nur eines brennt…weil ja alle Häuser wichtig sind. Ja klar, ist dein Haus auch wichtig. Aber dein Haus brennt nicht?“

Auch Videos wie dieses liefern eine Erklärung, warum ein Thema gerade im Vordergrund stehen muss:

I was taught this when I was growing up. Sad to see that we have to do it in 20/20. It’s our reality no matter how successful it still applies. 🙏🏾 @realdlhughley for this #justiceforgeorgefloyd

#whitesilenceisviolence: Nur gegen Rassismus zu sein, reicht nicht

Außerdem ergibt sich aus genau dieser Frage für viele die Erkenntnis: Es reicht nicht, zu sagen, dass man keine Unterschiede zwischen Menschen mit verschiedener Herkunft oder Hautfarbe macht oder zu erklären, dass jedes Leben wichtig ist. Dazu hat sich am Wochenende zum Beispiel auch Fynn Kliemann in seiner Instagram-Story geäußert:

Ich merke, dass mein ernstgemeinter Spruch: „Ich sehe keine Unterschiede“ keine Veränderung, sondern nur die Blindheit für das Problem stärkt und hab mir heute vorgenommen, mich verstärkt in die Lage anderer zu versetzen und mir meinen Privilegien endlich bewusst zu werden.

Fynn Kliemann auf Instagram

Wer sich zu dem Thema informieren möchte, findet aber noch viele weitere Beiträge mit einer ähnlichen Message.

Silence speaks volumes. Being “not racist” isn’t good enough. Sitting there not doing anything makes you no better. It just shows your privilege to not even have to care about other peoples lives. Going down my timeline and seeing everyone posting selfies but no mention of George Floyd and the many that came before him is honestly disgusting. And you know that if it was you brother, dad, uncle that was murdered then you’d be out there screaming and pleading for change and justice. Use your privilege and speak up. Share a petition, donate to one a charity, share something on Facebook, do SOMETHING! . . . #blacklivesmatter #whiteprivilege #endwhitesilence #whitesilenceisviolence #dosomething #dontjustsitthere #useyourprivilege #justiceforgeorgefloyd #justiceforbreonnataylor #justiceforahmaud

Schließlich gilt das nicht nur für die USA:

Police force & racism in Germany #George Floyd People who got killed by police N deye Mareame Sarr Oury Jalloh Laye-Alama Condé Dominique Kouamadio Christy Schwundeck Archidi John Amir Ageeb Alexander C Ousyman Sey #hanau #blacklivesmatter #morethanenough #institutionalracism Ps: Video darf UNBEDINGT geteilt werden. Dafür ist es da. (Weil viele gefragt haben)

"Du sollst nicht sagen: 'Ich bin kein Rassist. Ich distanziere mich von...Du sollst Rassismus erkennen, auf Rassismus aufmerksam machen. Dich mit der deutschen rassistischen Geschichte auseinandersetzen, als Ursache für heutige Zustände. Du sollst gegen Rassismus kämpfen, weil es unmenschlich ist und nicht, weil du schwarze Freunde hast."

Das Fazit von Fynn Kliemann und vielen anderen Usern lautet deshalb:

So etwas will man immer nicht hören und schon gar nicht zurecht gewiesen werden, wenn man es doch nur gut meint, aber Fakt ist: Wir müssen uns das gegenseitig sagen. Wir müssen dahin gehen, wo es unbequem wird und uns gegenseitig helfen zu verstehen, dass die Welt sich nicht ändert, wenn wir das nicht endlich tun.

Fynn Kliemann

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