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Daniela Rapp (Foto: DASDING)

Der AstraZeneca-Impfstoff wird aktuell nur noch für Personen ab 60 Jahren ohne Einschränkungen empfohlen. Jüngere Menschen sollen nur noch in bestimmten Fällen damit geimpft werden. Welche Fragen jetzt diskutiert werden und was du zu den neuen Impfstoff-Einschränkungen wissen solltest, erfährst du hier.

Wird jetzt noch mit AstraZeneca geimpft oder nicht?

Ja, grundsätzlich schon. Aber nicht in allen Altersgruppen. Im Moment sollen nur Menschen über 60 Jahren den Impfstoff bekommen. Das empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) auf der Basis aktueller Daten. Bund und Länder wollen diese Empfehlung jetzt umsetzen. Personen unter 60 Jahren, die zur Priorisierungsgruppe 1 oder 2 gehören, können laut einem aktuellen Beschluss in bestimmten Fällen aber trotzdem geimpft werden: "nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung".

AstraZeneca-Impfungen wieder eingeschränkt: Was ist bisher passiert?

Schon im März waren Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff zwischenzeitlich gestoppt worden. Die europäische Arzneitmittelbehörde EMA hat dann aber dazu geraten, weiter mit AstraZeneca zu impfen. Der Impfstoff sei "sicher und wirksam" und der Nutzen des Impfstoffs sei größer als das Risiko, das von ihm ausgehe. Auch die Weltgesundheistorganisation WHO hatte erklärt, AstraZeneca erst mal weiterhin zu empfehlen. Die Impfungen konnten daraufhin seit dem 19. März wieder weitergehen.

Am 30. März wurden dann aber wieder Einschränkungen bei den Impfungen bekannt gegeben:

Warum wurden die Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff überhaupt gestoppt?

Es wurden in Europa - auch hier in Deutschland - mehrere Fälle einer „speziellen Form von schwerwiegenden Hirnvenen-Thrombosen“ festgestellt, die in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung stehen könnten. Am Anfang hat das Paul-Ehrlich-Institut in Deutschland von sieben Thrombose-Fällen gesprochen. Inzwischen gibt es 31 Verdachtsfälle einer Sinusvenenthrombose. In 19 Fällen wurde zusätzlich eine Thrombozytopenie gemeldet. In neun Fällen war der Ausgang tödlich, hatte das Paul-Ehrlich-Institut berichtet.

Das Paul-Ehrlich-Institut hatte daraufhin empfohlen, die Impfungen vorerst auszusetzen. Schon vorher hatte beispielsweise Dänemark auf ein erhöhtes Risiko von Blutgerinnseln hingewiesen und die Impfungen gestoppt.

Den Impfstopp hat der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts in den tagesthemen erklärt:

Die Bürgerinnen und Bürger wollen sich darauf verlassen, dass die Impfstoffe, die wir zulassen, sicher und wirksam sind.

Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, in den tagesthemen

Der Impfstopp wurde von verschiedenen Seiten als „richtig und wichtig“ betrachtet - das sagte zum Beispiel der Präsident der Bundesärztekammer. Trotzdem gab es auch Kritik, zum Beispiel von der Deutschen Stiftung Patientenschutz, von verschiedenen Infektiologen oder auch von Politikerinnen und Politikern - weil dadurch unter anderem Verunsicherung entstehen würde und der Zeitplan zurückgeworfen werde.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hatte zunächst von einem „großen Fehler“ gesprochen, man würde hier bei einem Thromboserisiko „in der Größenordnung von 1 zu 100.000 liegen.“ Andere Kritikerinnen und Kritiker hatten darauf hingewiesen, dass verschiedene Arzneimittel ein deutlich höheres Thromboserisiko aufweisen würden. Als Beispiel wurde vor allem die Anti-Baby-Pille genannt (dazu weiter unten mehr).

Inzwischen hat Karl Lauterbach seine Meinung geändert, wie er auf Twitter schreibt:

Nach Sichtung aller Daten und Argumente schliesse ich mich @Sander_Lab an, war zuerst anderer Meinung. Das zugrundeliegende Phänomen, die HIT, ist auch bei Jüngeren häufiger. Ob Frauen viel stärker betroffen ist unklar. Daher macht der Ausschluss <55 Lj wahrscheinlich Sinn. https://t.co/6a5yEYO57y

AstraZeneca-Impfungen eingeschränkt: Was bedeutet das, wenn ich schon geimpft wurde?

Wer unter 60 Jahren ist und die erste Impfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff schon erhalten hat, soll jetzt zwei Möglichkeiten bekommen: Entweder kann man sich nach einer individuellen Beratung in der Arztpraxis trotzdem mit der zweiten Dosis impfen lassen oder die weiteren Empfehlungen der STIKO abwarten. Neue Erkenntnisse werden Ende April erwartet, die ersten Zweitimpfungen mit AstraZeneca würden im Mai anstehen.

AstraZeneca-Impfstopp: Wie geht es in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz weiter?

In Baden-Württemberg wird weiterhin mit AstraZeneca geimpft. Ab dem 31. März wird der Impfstoff allerdings in der Regel nur noch für Menschen ab 60 Jahren genutzt oder für Personen unter 60 Jahren, die nach einer individuellen Risikoanalyse und sorgfältiger Aufklärung entscheiden, sich damit impfen zu lassen. Die Impfreihenfolge wird trotzdem eingehalten. Mit Personen unter 60 Jahren sind Menschen aus den Priorisierungsgruppen 1 und 2 gemeint (was genau das bedeutet, kannst du hier nochmal nachlesen).

Für alle, die schon einen Termin für eine Impfung mit AstraZeneca haben und diesen nun nicht mehr wahrnehmen können oder wollen, soll es die Möglichkeit geben, auf einen anderen Impfstoff umgebucht zu werden. Das Gesundheitsministerium schloss Probleme dabei aber nicht aus. Wenn das Umbuchen nicht funktioniere, solle man sich auf eine Warteliste setzen lassen, hieß es.

Auch Rheinland-Pfalz setzt die neue Altersbeschränkung für AstraZeneca um. Die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) teilte mit: "Wir sind vorbereitet, etwaige Änderungen schnell umzusetzen. Unser Ziel ist es nach wie vor, dass die Impfungen der Menschen in Rheinland-Pfalz schnell und sicher weiterlaufen können." Wie genau das umgesetzt werden soll, ist noch nicht bekannt.

Thromboserisiko: Was ist dran am Vergleich zwischen dem AstraZeneca-Impfstoff und der Anti-Baby-Pille?

Der Vergleich zwischen dem Thromboserisiko durch den Impfstoff und die Anti-Baby-Pille wurde in den letzten Tagen viel geteilt:

Fakt ist: Ja, es gibt viele Gründe, die Anti-Baby-Pille kritisch zu hinterfragen. Unter anderem, weil sie erwiesenermaßen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Depressionen und auch eine Thrombosegefahr mit sich bringen kann und trotzdem oft ohne weitere Aufklärung verschrieben wird.

Trotzdem gibt es Unterschiede, die den Vergleich infrage stellen, zum Beispiel was die Art der Thrombose betrifft, die in beiden Fällen beschrieben wurde.

Ich war auch erst genervt wegen des #AstraZeneca, Impfstopps weil es mich ja auch konkret betrifft und ich auch erst dachte, es geht um normale Thrombosen. Bzw dachte man das ja sowieso erst und es wurde so kommuniziert. ABER. 1/

Es geht nicht um normale Thrombosen. Es geht um eine seltene Krankheit, die in Deutschland nur ungefähr 50 Mal im Jahr auftritt. Wenn jetzt innerhalb von wenigen Tagen schon 7 und Fälle auftreten, also eine statistische Häufung vorliegt, MUSS man nachgucken. 2/

Und auch in Bezug auf die Informationen, die die Personen jeweils vor der Einnahme bzw. vor der Impfung hatten, gab es Unterschiede. Das Bundesgesundheitsministerium hat dazu zum Beispiel am Anfang geschrieben:

"Es ist richtig, dass für Anti-Baby-Pillen Thrombosen, auch mit tödlichem Verlauf, als sehr seltene Nebenwirkung bekannt sind und in der Patienteninformation aufgeführt sind. Jede Frau, die eine Verordnung über eine Anti-Baby-Pille erhält, muss von der verordnenden Ärztin/Arzt über das Risiko aufgeklärt werden. Für die AstraZeneca-Covid-19-Impfung ist die seltene Nebenwirkung einer Sinusvenenthrombose mit teils tödlichem Verlauf bisher nicht in der Patienteninformation aufgeführt, außerdem unterscheidet sich die staatlich empfohlene Impfung von Gesunden arzneimittelrechtlich von der Verordnung eines Arzneimittels."

Nach der Entscheidung der EMA hat Gesundheitsminister Jens Spahn angekündigt, dass Personen, die mit AstraZeneca geimpft werden jetzt über diese neu aufgetretenen möglichen Nebenwirkungen aufgeklärt werden müssen und neue Warnhinweise in der beschriebenen Patienteninformation weitergegeben werden.

Welche Impfstoffe gibt es in Deutschland aktuell noch?

Neben AstraZeneca sind in Deutschland aktuell drei weitere Impfstoffe von der EMA zugelassen: von Biontech/Pfizer, Moderna und Johnson & Johnson. Johnson & Johnson wird aber voraussichtlich erst ab Mitte April verfügbar sein.

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